Eingegrenztes Halteverbot

In Lampertheim am Dom gibt es diese super Bäckerei für die morgendlichen Brötchen zum dampfenden Kaffee, deshalb macht man sich schon früh mit dem Auto auf den Weg, um auch ja die frischen zu ergattern und den Rest der Familie damit zu erfreuen.

Gegenüber der Domgasse ist bekanntlich die größere Parkfläche, und von weitem sieht man schon die ewig vielen Autos nebeneinander parken.

Die positive Hoffnung hat einen aber noch nicht verlassen, also fährt man diesem weiter entgegen und blinkt zielstrebig, um links auf die Parkfläche zu fahren. In Schrittgeschwindigkeit fährt man an jedem parkenden Auto vorbei und hält die Augen offen, ob nicht irgendeins schon die Rücklichter an hat. Sollte es so sein, würde man dahinter natürlich direkt Aufstellung nehmen, um direkt in die frei gewordene Parkbucht zu gelangen. Während man also weiter in Schrittgeschwindigkeit nach einer Parkmöglichkeit sucht, sieht man wie einen Lichtblick am Horizont eine Lücke zwischen den anderen, in welche das eigene Auto passen könnte.

Das Licht am Horizont

Zielstrebig fährt man also ein bisschen schneller auf die kleine aber feine Parkbucht zu, blinkt, und mit dem Gedanken an die Brötchen und einem Grinsen im Gesicht, schert man ein. Doch im letzten Augenblick merkt man, dass irgendwas komisch ist. Da ist so ein blau roter Kreis auf dem Boden: Halteverbot. Na super, kein Wunder, dass dieser Platz noch frei war, wer hat schon Lust, dass das Auto, welches man gleich noch für den Weg zur Arbeit braucht, abgeschleppt wird. Verärgert legt man den Rückwärtsgang ein und bringt das Auto langsam wieder auf die Suchspur. Man steht einigermaßen grade, da fährt schnellen Schrittes jemand an einem vorbei, lenkt in die Bucht und stellt sein Auto tatsächlich auf dem Halteverbot ab.

So etwas ist ja beliebt, einfach jemand anderes überholen, um einen Parkplatz zu bekommen. Prompt kommt einem schadenfroh der Gedanke an das Gesicht des Autobesitzers, wenn sein Auto abgeschleppt wird, und da meldet sich auch schon die gute Seite in einem. Das schlechte Gewissen kann schon ganz schön beißend sein, wenn man sich nicht richtig verhält. Also wird noch ein bisschen verärgert über das Überholmanöver die Fensterscheibe runter gelassen und freundlich weist man die andere Person darauf hin, dass sie im Parkverbot stehen würde. Was dann kommt, verschlägt einem für einen kurzen Augenblick doch die Sprache: „Nein nein das ist schon in Ordnung, ich bin Arzt, hier der Parkplatz ist für mich.“

Übervorteilung oder gerecht?

Bitte was?! Also das klingt schon sehr abstrakt. Man bekommt erklärt, dass früher die Parkplätze mit „Arzt“ gekennzeichnet wurden, dies aber nicht mit der Straßenverkehrsordnung vereinbar wäre, und hätte so wieder vor dem gleichen Problem gestanden. Es sei ja auch so, dass die Ärzte während der Arbeitszeit Krankenbesuche machen müssen und wenn sie dann wieder in die Praxis zurück müssten, hätten sie keinen freien Parkplatz zur Verfügung.

Auf Grund dessen habe die Verwaltung sich überlegt, den Parkplätzen ein komplettes Halteverbot zu geben aber den praktizierenden Ärzten eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Am Ende dieser ausführlichen Erklärung sieht man ein bisschen weiter weg, dass ein Parkplatz frei wird, also verabschiedet man sich schnell, um nicht direkt zu explodieren, steuert auf den Parkplatz zu, um die gewünschten Brötchen zu besorgen und in Ruhe über diese Übervorteilung der Ärzte nachzudenken.
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