Unternehmensnachfolge aktiv gestalten - Heute schon an morgen denken

Ginsheim-Gustavsburg: TIGZ Gustavsburg | Drei Jahre dauert es im Schnitt, bis ein Senior-Unternehmer einen geeigneten Nachfolger oder eine Nachfolgerin für sein Unternehmen gefunden hat. „Beginnen sie frühzeitig mit der Suche“ lautet der dringende Rat von Margit Kühner, Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung Kreis Groß-Gerau. Langfristige Planung macht sich bezahlt. Rund 70 Interessierte informierten sich in einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung im Gustavsburger TIGZ Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum über das Brennpunktthema.
Nachfolger berichteten über ihre Erfahrungen. Sylvia Schmidt, Inhaberin des Rüsselsheimer Geschäftes Schöne Aussichten, Textile Rauausstattung wurde von der Mitarbeiterin zur Chefin und lernte völlig neue Themenfelder, wie Personalführung, Buchhaltung zu verantworten. Frank Hiemstra, Roth Präzisionsplastik GmbH in Langen, bereits erfolgreicher Geschäftsführer mehrerer Unternehmen, berichtete, in welche Fallen selbst erfahrene Unternehmen im Übernahmeprozess stolpern können. Ralf Zwiener, der das Unternehmen Ekomat GmbH in Karben als Familienmitglied übernahm, verdeutlichte die Besonderheiten, die innerhalb einer familieninternen Übernahme zu beachten sind.
Alle Übernehmer empfehlen nachdrücklich, externe Experten in den Übergabeprozess mit ein zu beziehen .Folgerichtig kam in den Fachreferaten das Kompetenzteam Unternehmensnachfolge beim RKW Hessen mit seinem breitgefächerten Themenspektrum zu Wort.
Unterschätzt wird der Einfluss unbewusster Konflikte im Übernahmeprozess. Senior-Unternehmen klammern an ihrem Lebenswerk, sie müssen mit Machtverlust umgehen und Zukunftsängste bewältigen. Wut, Enttäuschung, Neid, Kränkung zwischen den Beteiligten spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle nicht nur bei der Übernahme innerhalb der Familie. Das Zulassen, Thematisieren und Bearbeiten der Emotionen sind Voraussetzung für einen erfolgreichen Übernahmeprozess, so Jochen Staufer vom StauferInstitut Kassel
Was nützt der beste Vertrag, wenn das Unternehmen mit den im Übergabeprozess verhandelten Konditionen langfristig nicht überlebensfähig ist. Das Unternehmen selbst braucht einen Anwalt, der die Unternehmensinteressen gegenüber Übergeber wie Übernehmer vertritt, so Rechtsanwalt Michael Fiedler, der damit seinen Beratungsfocus charakterisierte.
Was ist mein Unternehmen wert? Das ist einer der brennendsten Frage. Matthias Mundt, Succed GmbH, stellte verschiedene Berechnungsmethoden vor. Berater Know-how bei der Bewertung ist dringend empfohlen. Und beide Partner - Übergeber wie Übernehmer - sollten sich ein genaues und realistisches Bild vom Unternehmenswert machen. Viele Übergeber gehen mit zu hohen Preisvorstellungen in die Verhandlung. Für Übernehmer ist die Finanzierung Hemmnis Nummer 1 bei der Nachfolge.
Auf die tickende Zeitbombe Pensionsrückstellungen machte Bernd Schmidt aufmerksam, eine Problemstellung, die insbesondere bei der GmbH-Übernahme beachtet werden sollte.
Jede dritte Unternehmensübergabe scheitert. Im Jahr 2010 wurden deshalb 1.800 Unternehmen mit insgesamt 23.000 Arbeitsplätzen aufgegeben, so eine Untersuchung der Deutschen Industrie- und Handelskammer DIHK. Die Veranstaltung im TIGZ soll zur Sensibilisierung für dieses zunehmende Problem dienen. Interessierte können die Vorträge einsehen unter www.existenzuendung.de. Bilder der Veranstaltung sind zu finden unter www.facebook.com/existenZuendung
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