Alaaf und Helau! Die Jecken sind los!

Wenn sich die Narren und Jecken mit dem so genannten Narrenruf begrüßen – wobei „Alaaf“ und „Helau“ die bekanntesten sein dürften – dann weiß man: Es ist wieder Fasching und am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt die fünfte Jahreszeit. Fasching, Fastnacht und Karneval sind die Begriffe für eine schon sehr lange existierende Tradition: Sich möglichst bunt und auffällig verkleiden, Büttenreden halten und ausgelassen feiern. Karnevalssitzungen mit Männerballett und Funkenmariechen, ausgefallene Masken, der Rosenmontagszug und natürlich auch das Krach machen mit Rasseln und Ratschen gehören dazu.

Doch woher stammt diese Tradition überhaupt und wann fing sie an?

Es klingt unglaublich, aber die ersten Feste, die dem heutigen Karneval sehr ähnlich waren, gab es bereits im Altertum vor 5000 Jahren in Mesopotamien. Dort wurde sieben Tage lang ein Fest gefeiert, bei dem laut einer Inschrift folgendes passierte: „Kein Getreide wird an diesen Tagen gemahlen. Die Sklavin ist der Herrin gleichgestellt und der Sklave an seines Herrn Seite. Die Mächtige und der Niedere sind gleichgeachtet.“ Das dort beschriebene Gleichheitsprinzip ist heute noch ein charakteristisches Merkmal des Karneval. Ähnliche Feste fanden zu dieser Zeit außerdem in Ägypten und bei den Römern statt. Dort tauschten Herren und Sklaven die Rollen, alle feierten gemeinsam, überschütteten sich mit Rosen und veranstalteten farbenprächtige Umzüge mit einem geschmückten Schiffswagen.
Im Mittelalter wurden vom 12. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts die sogenannten „Narrenfeste“ in den Kirchen gefeiert. Auch dort tauschten – ähnlich wie in Rom – die Kleriker und die höhere Geistlichkeit ihre Rollen, veranstalteten Messen, Parodien und Prozessionen.
Während in der Reformation die Fastenzeit und somit auch die Fastnacht an Bedeutung verlor, wurden in der Epoche des Barock und Rokoko auf den Schlössern wieder diverse Karnevalsfeste gefeiert.
Im frühen 19. Jahrhundert wurden speziell im rheinischen Raum Veranstaltungen dieser Art von der bürgerlichen Gesellschaft abgehalten. Die Straßenfastnacht existierte allerdings so gut wie gar nicht mehr und wurde erst 1823 in Köln wieder ins Leben gerufen. Bis heute ist der Karneval besonders fester Bestandteil in katholischen und weniger in evangelischen Gebieten.

Fastnacht, Fasching und Karneval
Der Begriff „Fastnacht“ geht auf die althochdeutschen Wörter „fasta“ (= Fastenzeit) und „naht“ (= Nacht, Vorabend) zurück und meint die Zeit vor Beginn der Fastenzeit.
„Fasching“ wird abgeleitet von „Fastenschank“ und bezieht sich auf den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit.
Die Bezeichnung „Karneval“ tauchte am Ende des 17. Jahrhunderts auf und kommt vermutlich vom lateinischen Wort „carne levare", was so viel bedeutet wie „Fleisch wegnehmen“.

Närrisches Treiben von November bis Aschermittwoch
Ursprünglich beginnt die Fastnachtszeit erst am Dreikönigstag (6. Januar), aber seit dem 19. Jahrhundert finden schon am 11. November ab 11:11 Uhr viele Veranstaltungen statt – unter anderem die Vorstellung des Prinzenpaars. Vom 12. November bis 5. Januar ist es aufgrund der Fastenzeit, dem Trauermonat November und der besinnlichen Adventszeit aber wieder ziemlich ruhig in den Karnevalsstädten. Erst zur Zeit der Weiberfastnacht, dem Rosenmontag und dem Fastnachtsdienstag erreicht der Karneval seinen Höhepunkt. Dann gibt es in vielen Städten große Rosenmontagszüge, bevor die fünfte Jahreszeit am Aschermittwoch offiziell als beendet gilt.

Karnevalshochburgen
Als deutsche Karnevalshochburg gilt das Rheinland mit Städten wie Frankfurt am Main, Trier und Mainz (mit dem typischen Mainzer Schwellkopp und den Sitzungen, bei denen unter anderem politische Themen behandelt werden). Aber auch in anderen deutschen Großstädten wie Aachen, Bonn, Duisburg, Düsseldorf, Koblenz, Köln und Mönchengladbach wird gefeiert und gelacht.
Der Karneval erfreut sich sogar international großer Beliebtheit: Der mitunter berühmteste findet jedes Jahr in Rio (Lateinamerika) statt. Aber auch in Städten wie Venedig (Italien), Québec (Kanada), Stavelot (Belgien), Santa Cruz de Tenerife und Cádiz (Spanien), Namibia (Südafrika) und zu guter Letzt auch New Orleans (USA) gibt es den Fasching.

Kulinarisches
Und zu diesem Anlass wird so richtig geschlemmt. Alles, was während der Fastenzeit verboten ist, landet nochmal auf dem Teller: Fleisch, Speck, Eier und Fett. Pfannkuchen und die mit Puderzucker bestäubten und mit Marmelade, Vanillecreme oder Nugat gefüllten Krapfen sind besonders beliebt.

Feten, Parties, Sitzungen
Wenn also auch Sie nun Lust bekommen haben am närrischen Treiben teilzunehmen, dann besuchen Sie doch eine der folgenden Karnevalsfeten:
Am 11. November lädt der Karnevalsclub Arheilgen (KCA) zur Eröffnung seiner Fastnachtskampagne ein. Wo? Im großen Saal des „Goldnen Löwen“, Fankfurter Landstraße 153, 64291 Darmstadt. Wann? Natürlich um 11:11 Uhr. Auf der Löwenbühne wird ein kleines, intensiv einstudiertes Programm gezeigt und für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Weitere Informationen unter www.k-c-arheilgen.de.
Des weiteren findet am 11. November um 11:11 Uhr in Dieburg am Fastnachtsbrunnen eine Eröffnungskampagne vom Karnevalsverein Dieburg (KVD) statt. Weitere Informationen unter www.karnevalverein-dieburg.de.
Zum 111-jährigen Bestehen des KV AHOI wird am 11. November auf dem Kirchplatz in Gräfenhausen eine Open-Air-Party zur Jubiläumskampagne veranstaltet. Diese beginnt um (wie könnte es anders sein) um 11:11 Uhr und neben einem unterhaltsamen Programm wird auch das diesjährige Prinzenpaar vorgestellt. Bei gutem Wetter findet zusätzlich um 10 Uhr ein Gottesdienst statt. Weitere Informationen unter www.kvahoi.de.
Außerdem lädt der Carnevalverein Groß-Gerau zur Eröffnung der Fastnachtskampagne ein. Wann? 11. November, 11:11 Uhr. Wo? Hotel Adler, Frankfurter Straße 11, 64521 Groß-Gerau. Weitere Informationen unter www.carneval-verein.de.
Am 16. November um 19:11 Uhr wird die mittlerweile 35. Kampagne des Harreshäuser Carnevalverein Herrnhuter eröffnet, bei der erstmals der Carnevalverein Babenhausen (CVB) durch Hofmarschall Roland Keil das Babenhäuser Prinzenpaar kürt. Büttenreden, Tanz, Singshow, Kabarett, Disco, Ballett und viele weitere Überraschungen werden geboten. Wo? In der Harreshäuser Mehrzweckhalle. Weitere Informationen unter www.cch.jimdo.com.
Am 17. November eröffnet zudem die Karnevalsabteilung der Sportvereinigung Eberstadt (SVE) ihre Karnevalskampagne. Wo? Am Waldsportplatz Eberstadt, Brandenburgerstraße 65, 64297 Darmstadt. Weitere Informationen unter www.sve-karneval.de.
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