Baukunst 2012

Otto-Bartning-Förderpreis für Baukunst 2012: Darmstadts Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch würdigt die Arbeiten der Preisträger Tobias Schneberger und Bahadir Özbek

Darmstadt. Oberbürgermeister Jochen Partsch übergab am Freitag (27.) die beiden Otto-Bartning-Förderpreise für Baukunst 2012 und würdigte die Arbeiten der beiden Preisträger der mit jeweils 1.000 Euro dotierten Auszeichnung, Tobias Schneberger (30) und Bahadir Özbek (29): „Zum fünfzehnten Mal verleiht das Kuratorium der Otto-Bartning-Stiftung einen Förderpreis an Studierende der Fachbereiche Architektur der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die sich mit innovativen Ansätzen der Lösung wichtiger kultureller und gesellschaftlicher Aufgabenstellungen widmen. Neben fachlichen Fähigkeiten wird bei der Preisvergabe auch die persönliche Entwicklung der Preisträger gewürdigt. Diese Kombination aus herausragender Fachqualifikation und dem Wissen um die gesellschaftlicher Verantwortung des Architektenberufs trägt als Kern der Hochschulausbildung zum guten Ruf der Wissenschaftsstadt Darmstadt als Architektenstadt bei.“

Die Preisgelder für den Otto-Bartning-Förderpreis 2012 stellt erstmals der Lions Club Darmstadt e.V. zur Verfügung. Oberbürgermeister Jochen Partsch: „Im Namen des Stiftungskuratoriums danke ich dem Lions Club für seine Zusage, den Bartning-Förderpreis für die Jahre 2012 bis 2016 zu übernehmen. Damit wird die Arbeit der Otto-Bartning-Stiftung nachhaltig unterstützt und die Kontinuität des Preises auch künftig gewährleistet.“ Der Otto-Bartning-Förderpreis sei weit über den Hochschulbereich hinaus zu einer Institution geworden, auf den sich in jedem Jahr hohe Erwartungen richten.

In Tobias Schnebergers Entwurf „Erweiterung der Akademie schönen Künste in Carrara / Accademia Gipsoteca“ entsteht auf der Piazza dell‘ Accademia ein Neubau, der die Akademie beheimaten soll. Der städtebauliche Eingriff schärft die Raumkanten des Platzes durch eine Konzentration auf seinen Kern und stellt den symmetrischen Teil der Renaissancefassade des Altbaus klar heraus. Das Bildhaueratelier, als Ort des „Werdens“ zwischen Idee und Werk befindet sich sinnbildlich in der Akademie und auch in der Gipsothek. Als Reminiszenz an die Steinbrüche von Carrara besteht die Fassade aus Marmor. Fassadenelemente, die ein auf Glas aufgebrachtes Steinfurnier tragen, sorgen für eine besondere Lichtstimmung im Innern, nach außen hin jedoch für ein monolithisches Antlitz.
Der Entwurf entstand im Wintersemester 2011/2012 als Diplomarbeit im Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt (TUD).

In Bahadir Özbeks Entwurf für ein „Hotel am ICE Bahnhof West’ gehen wichtige Merkmale des Areals - Landschaft/Ausblick/Siedlung/Bewegung/Kreuzung - über in eine dynamische Formensprache, die die Geschwindigkeit des Ortes durch den direkten Anschluss an Schienen, Autobahn und Bundesstraße in abstrahierten Linien aufnimmt. Die Ausbildung von öffentlichen Plätzen formt die Gebäudehülle; es entsteht ein harmonischer Baukörper, der sich dynamisch in die Umgebung einfügt und sowohl der Schnelligkeit des Bahnhofsgeschehen als auch der landschaftlichen Umgebung durch seine Formensprache Ausdruck verleiht. Die architektonische Gestaltung wird konsequent im Innenbereich weitergeführt, um ein ästhetisches räumliches Ganzes zu erzielen. Vom Empfangsbereich geht eine skulptural ausgebildete breite Treppe in den Hotelbereich über und führt den Besucher in das Herzstück des Gebäudes, den Garten. Dieser fügt sich atriumartig in die Länge des Gebäudes und steht in Blickbezug zu allen Ebenen. Vom Bankettsaal, einem lichtdurchfluteten, zweigeschossigen Raum in der Spitze des Hotelgebäudes unter der schrägen gläsernen Dachhaut, gibt es spannende Blicke über das Gebäudeensemble hinaus in die Natur in Richtung Siedlung Tann.
Der Entwurf entstand als Diplomarbeit im Wintersemester 2011/2012 im Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt (h_da).

Zusatzinformation: Otto-Bartning-Förderpreis für Baukunst
Die Bedeutung von Professor Otto Bartning (1883 bis 1959) als Architekt wird in erster Linie an seinen maßgeblichen Beiträgen zur Entwicklung des protestantischen Kirchenbaus festgemacht. Weniger bekannt ist, dass er sich in innovativer Weise auch mit anderen Themen von fachspezifischer und/oder gesellschaftlicher Bedeutung befasste. So wirkte Bartning an der Neuformulierung der Architektenausbildung nach dem Ersten Weltkrieg mit. Als Mitbegründer der Reichsforschungsanstalt und durch die Realisierung von Geschosswohnbauten in Berlin (Siemensstadt und Haselhorst) war er an wegweisenden Projekten des Wohnbaus der zwanziger und dreißiger Jahre beteiligt. In der Zeit des Wiederaufbaus engagierte sich Otto Bartning im Vorstand des Bundes Deutscher Architekten, im Deutschen Werkbund und leitete die Wiederaufbaukommission Helgoland. Bartning wurde in die Berliner Akademie der Künste und in das westdeutsche P.E.N.-Zentrum gewählt. Er gilt als Spiritus Rector der „Darmstädter Gespräche“, die durch Auseinandersetzung mit Gegenwartsfragen die gesellschaftspolitische Diskussion nachhaltig anregten. In Darmstadt wurden nach Entwürfen von Otto Bartning die Frauenklinik, die Matthäuskirche in der Heimstättensiedlung, eine Wohnsiedlung an der Nieder-Ramstädter-Straße und das – bereits abgerissene - Bau-Muster-Haus auf der Rheinstraße errichtet.

Die Wissenschaftsstadt Darmstadt gründete 1953 anlässlich des 70.Geburtstags von Otto Bartning die Otto-Bartning-Stiftung für Baukunst und Bildende Künste. Zweck der Stiftung ist, „sowohl Schaffenden wie auch Lernenden im Bereich der Architektur, Malerei, Plastik und angewandten Künste durch Preise oder Ankäufe, Stellung von Aufgaben oder auf andere geeignete Weise“ Förderung zuteil werden zu lassen.

Dem Kuratorium der Otto-Bartning-Stiftung gehören derzeit Oberbürgermeister und Kulturdezernent Jochen Partsch als Vorsitzender, Professor Ariel Auslender, Professor Jürgen Bredow, Professor Dr. Werner Durth, Professor Anke Mensing, Professor Rolf Poth, Dipl.–Ing. Gerhard Schlegel und Professor Julian Wékel an. (SD)
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