Hessisch babbele und (trotzdem) erfolgreich im Job?

Wird man als Dialektsprecher direkt in eine Schublade gesteckt?

Die Rückmeldungen auf unseren Aufruf nach hessischen Bürgerreportern hat uns gezeigt, dass es viele Menschen gibt, die stolz darauf sind, Dialekt sprechen zu können. Ob dies immer gewollt und angebracht ist wurde heiss disskutiert.

Gerhard Lerch, Pressesprecher der Merck AG, Standort Darmstadt, antwortete auf die Frage, ob Bewerber mit Dialekt schlechtere Chancen hätten: "Verständlicherweise möchten Bewerber sich seriös, kompetent und vertrauenswürdig präsentieren. Es ist ein - wenn auch unbewusstes - Kommunikationsverhalten, dies möglichst auf Hochdeutsch zu tun." Auf akademische Führungspositionen würden sich keine Bewerber mit erkennbar ausgeprägtem Dialekt bewerben. Lerch bemerkte, dass Sprache mehr vermittle als nur Inhalt: "Sprache vermittelt Beziehungen, bringt Menschen auf eine Wellenlänge".

Im Wesentlichen sind „Dialekt“ und „Mundart“ synonym, trotzdem gibt es einen Unterschied: Der Dialekt hat eine ortsbezogene regionale Färbung und ist die Sprachform mit der geringsten kommunikativen Reichweite. Heißt, der Dialektsprecher kann bereits im Nachbardorf als "net von heer" erkannt werden. Die Eigenheiten eines Dialektes kann man aufschreiben. Unkundige können dies dann richtig ablesen und den Sinn (sofern einer vorhanden) beim Lesen verstehen. Im Gegensatz hierzu ist Mundart die Art Wörter auszusprechen, unabhängig von ihrer Schreibweise. Die Mundart eines Sprechers kann sich somit auch beim Vorlesen eines in Hochdetsch verfassten Textes zeigen. Vom Begriff „Dialekt“ ist der Begriff Akzent abzugrenzen. So kann ein Hesse Hochdeutsch mit "hessischem Akzent", nicht aber mit "hessischem Dialekt" sprechen. Von Zweisprachigkeit kann beim Dialekt übrigens nicht gesprochen werden, da es sich um ortsbezogene Sprachausprägungen handelt und nicht um Fremdsprachen. Man kann Dialekte daran erkennen, daß man sie vor allem spricht und selten schreibt.

Wir haben bei einem weiteren großen Arbeitgeber der Region, der Firma Alnatura in Bickenbach angefragt, ob das Vorhandensein eines Dialektes Einfluss auf die Karriereleiter eines Mitarbeiters nimmt - oder ob eher das Gegenteil der Fall ist. Herr Joachim Schledt, seit 4 Jahren Leiter Mitarbeiter Service und Entwicklung im Unternehmen und selbst "bekennender Hesse" zeigte sich sehr offen. "Uns ist bei Mitarbeitern sowie bei den Bewerbern die Authentizität wichtiger als der Dialekt. Die Sprache eines Menschen ist Teil seiner Biografie, Teil der Persönlichkeit. Sich zu verstellen, bedeutet, die eigene Herkunft zu verbergen. Und das geht auf Dauer nicht gut". Alnatura hat im Leitungskreis einen Mitarbeiter aus dem Rheinland (Königswinter), einen aus Mainz, einen Nordhessen, einen Kollegen aus Niedersachsen, aus Augsburg und Geschäftsführer Prof. Dr. Götz E. Rehn stammt aus dem Badischen, aus Freiburg. "Wir kokettieren mit unseren verschiedenen Dialekten fast ein bisschen, haben unseren Spaß daran. Aber wir können uns alle auch auf den Gesprächspartner und die Situation einstellen. So kommt der Dialekt eher im Filialbereich durch, als in der Zentrale in Bickenbach.

Sollten Sie also bei der bevorstehenden fünften Jahreszeit, der närrischen Zeit, in Feierlaune vielleicht mit Ihrem zukünftigen Chef sprechen, achten Sie darauf, "eine Sprache zu sprechen". Es schafft Verbindungen.

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