Südhessens jüngster Oberbürgermeister im Exklusivinterview

Will Rüsselsheim gemeinsam bewegen: Patrick Burghardt
Vor mehr als 40 Jahren wurde Philipp Loos 28jährig jüngster hessischer Bürgermeister. Patrick Burghardt aus Rüsselsheim ist mit 30 Jahren gewählt worden, als Oberbürgermeister die Geschicke von Rüsselsheim in die Hand zu nehmen. „mein südhessen“ sprach den CDU-Politiker im Interview natürlich auf diesen Rekord an.

Herr Burghardt, Sie waren nach der Stichwahl überrascht, gewonnen zu haben. Tragen Sie es mittlerweile mit Fassung, demnächst Rüsselsheim zu regieren?
„Ich freue mich auf die Aufgabe, Rüsselsheim als Stadtoberhaupt auf neue Wege zu führen. Und eines ist dabei ganz klar: Dass neue Wege gewünscht sind, haben die Bürger mit ihrer Absage an den bisherigen, rot-grünen Kurs zum Ausdruck gebracht. Ob ich der jüngste bin oder nicht ist nicht wichtig. Die Rüsselsheimer haben sich bewusst für ein neues Gesicht entschieden. Sie setzen auf denjenigen, dem sie vertrauen und den Wechsel zutrauen.

Sie treten nach Weihnachten Ihr Amt als OB in Rüsselsheim an. Was wollen Sie anders machen als Ihr Vorgänger Gieltowski?
„Ich will eine transparentere Politik und es wird Zeit, dass wieder Entscheidungen getroffen werden. Es werden schwierige Entscheidungen auf uns zu kommen und da gilt es die Menschen mitzunehmen, das habe ich mir zum Ziel gesetzt.“

Neue Leute bringen frischen Wind mit, heißt es. Kehren Sie mit dem Eisenbesen?
„Es wird mit Sicherheit einen frischen Wind geben und das auch im Rathaus. In den letzten Wochen habe ich viele kennen gelernt, mit denen ich zusammenarbeiten werde und ich freue mich darauf, da wir eine tolle Mannschaft im Rathaus haben und wenn ich es schaffe das Potential voll auszuschöpfen, dann, glaube ich, werden wir einen guten Weg gehen. Mir ist es wichtig im Team zu arbeiten und das werde ich auch umsetzen.“

Regieren wird schwer für Sie, weil Ihnen eine rot-grüne Mehrheit gegenübersteht. Wie wollen Sie das lösen?
„Es geht darum die Stadt nach vorne zu bringen. Kontroverse politische Diskussionen sind dabei durchaus hilfreich und erwünscht. Wenn sie der Sache dienen und nicht einem Selbstzweck. Ich bin zuversichtlich, dass sich Mitstreiter für ein neues Rüsselsheim finden werden. Meine Tür bleibt auf und ich werde mit allen reden, auch in Zukunft.“

SPD und Grüne haben letzte Woche ihre Zusammenarbeit bis 2016 vereinbart, auch wenn beide eilig betonten, es sei keine Koalition. Wie wollen Sie mit dieser „De Facto-Koalition“ umgehen?
„Ich will sie nicht ‚umgehen’. Es liegt bei mir sie von meinen Ideen zu überzeugen und mitzunehmen. Auf der anderen Seite bin ich auch offen für Initiativen aus Reihen von Rot-Grün. Es wird nicht immer eitel Sonnenschein geben, aber eine Blockade kann Rüsselsheim nicht gebrauchen! Auch wenn die Konstellation im ersten Moment nach Blockade aussieht, das ist nicht mein Ziel.“

Was erwartet Rüsselsheim in den ersten 100 Tagen unter Ihrer Ägide?
„Einen neuen Führungsstil unter Einbeziehen von verschiedenen Akteuren. Einen geradlinigen Kurs, der die Herausforderungen vor denen wir stehen, ins Auge fasst und Entscheidungen für ein zukunftsfähiges Rüsselsheim.“

Stichwort Mindestlohn: Ihre Partei hat in Leipzig den Kompromiss gefunden, Lohnuntergrenzen festzulegen. Wie stehen Sie zum Mindestlohn und wie hoch sollte der z. B. in Südhessen sein?
„Wie hoch die Lohnuntergrenze sein wird, das entscheiden die Tarifpartner und das ist der Kern des Beschlusses auf dem Parteitag, der auch meine Zustimmung gefunden hat. Es ist nicht die Aufgabe der Politik, und das ist ein Grundsatz der CDU, Löhne festzulegen. Ich bin weiterhin gegen einen gesetzlichen und flächendeckenden Mindestlohn.“

Stichwort Neonazi-Mordserie: Glauben Sie, dass das lückenlos aufgeklärt werden kann, wenn der Verfassungsschutz involviert ist? „Was mich an der Diskussion momentan stört ist, dass sehr viel spekuliert wird. Wenn der Sachverhalt aufgeklärt ist, können wir uns noch mal unterhalten. Fakt ist, und darauf können wir stolz sein, dass es in Rüsselsheim keine rechte Szene und auch keine rechtradikale Partei gibt und das muss so bleiben. Wir leben hier mit vielen Nationalitäten friedlich zusammen.“

OBM von Rüsselsheim mit dann 31; ein Alter, in dem viele noch nicht fertig studiert haben. Sind Sie ein Karriere-Typ?
„Ich habe früh damit begonnen, mich in das kommunale Geschehen meiner Heimat einzubringen, weil ich Interesse daran habe Dinge zu bewegen. Auf dieser Basis haben sich auch die Rüsselsheimer für mich entschieden – mein Wahlslogan war ‚Rüsselsheim gemeinsam bewegen’. Gerade im kommunalen Umfeld ist dies durch persönlichen Einsatz möglich. Hierfür bin ich angetreten und dafür werde ich mich in den kommenden Jahren stark machen. Ich freue mich auf die Arbeit in Rüsselsheim und da will ich bleiben! In Wiesbaden war ich ja schon.“

Wie sind Sie in die Politik gekommen?
„Ich komme aus einer ‚CDU Familie’ und bin geprägt von meinen Eltern. Dann bin ich den klassischen Weg gegangen - in die Junge Union und dann in die CDU. Ich habe schon sehr früh Verantwortung in der Partei getragen und somit das politische Geschäft sehr früh gelernt.“

Was macht Patrick Burghardt privat?
„Das kommt ganz klar zu kurz im Moment! Die freien Minuten die ich habe versuche ich mit meiner Verlobten und meiner Familie zu verbringen. Ab und zu gelingt es mir noch zu einem Buch zu greifen und ein paar Minuten für mich zu haben. Für Sport und andere Hobbys ist die Zeit leider zu knapp.“

Wie feiern Sie Weihnachten?
„Sehr traditionell mit meiner Familie.“
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.