Rezensiert: Der Hobbit - Smaugs Einöde (Filmbuch und Begleitbuch)

Wie ein Hochglanz-Kinomagazin: Das offizielle Filmbuch. (Foto: Klett-Cotta)
 
Kinderfreundlich: das offizielle Begleitbuch. (Foto: Klett-Cotta)
Die Maschinerie des Merchandising zum neuen Hobbit-Film läuft auf Hochtouren, zumal das überlange Kinoereignis in die Adventszeit platziert wurde. Noch immer füllt es die Kinosäle. Wem zweieinhalb Stunden Fantasy-Familienkino nicht genug sind, der kann sich einen Nachschlag in Buchform holen. Oder zwei.

Der Hobbit – Smaugs Einöde. Das offizielle Filmbuch

Brian Sibley hat „Das offizielle Filmbuch“ geschrieben, das im November im Stuttgarter Klett-Cotta-Verlag erschienen ist. Die 168 Seiten umfassende Broschüre ist hochwertig verarbeitet, wie bereits das Deckblatt zeigt. Dessen liebevolle Gestaltung hebt sich nicht nur optisch, sondern auch haptisch ab vom Durchschnittsprodukt. Kurz vor dem Jahresende ist Wertigkeit durchaus ein Argument für den Gabentisch, denn wer will schon lieblos zusammen gewürfelte Duschbadesets verteilen.

Das Filmbuch wartet mit unterhaltsamen Geschichten über das Set und die Mitwirkenden auf. Die Schauspieler kommen in Interviews ausgiebig zu Wort, unter ihnen natürlich Superstar Orlando Bloom. Auch die Neuzugänge wie Luke Evans und Evangeline Lilly reihen sich hier ein. Nicht nur Regisseur Peter Jackson, der im Film diesmal einen Cameo-Auftritt hat, sondern auch diejenigen, welche immer nur im Abspann durchgenudelt werden, bekommen im Filmbuch ein Podium: Grafikdesigner, Techniker und sogar die Sprachtrainerin.

Eine nette Idee ist es, wenn der Hobbit über den Zauberer redet und auf der nächsten Seite der Zauberer über den Hobbit spricht. Natürlich ist viel PR-Sprech dabei, was niemanden bei einem Filmbuch verwundern wird. Es sind die kleinen Momente, die das Filmbuch auszeichnen: zum Beispiel die Bilderstrecke mit Smaug-Darsteller Benedict Cumberbatch, der hochkonzentriert in der Maske sitzt, als wenn er gerade über einen Fall grübelt, den es mit Dr. Watson zu lösen gilt.

Der dem breiten Publikum ebenfalls durch Kriminalfilme bekannte Schwede Mikael „Gunvald“ Persbrandt verrät, dass er während der Dreharbeiten eine tägliche Maskenzeit zu bewältigen hatte, die in etwa der Filmlänge entspricht, bis er zu Beorn wurde. Wer auf solche Details nicht verzichten will, für den ist dieses Filmbuch maßgeschneidert. Es bietet eine ausbalancierte Mischung aus Fakten und „Fäktchen“; also Füllmaterial, das für den Fan jedoch unverzichtbar zu sein scheint.

Der Hobbit – Smaugs Einöde. Das offizielle Begleitbuch

„Das offizielle Begleitbuch“ schrieb Jude Fisher, es erschien ebenfalls im November im Klett-Cotta-Verlag Stuttgart. Das Begleitbuch hat weniger Seiten, dafür ein Hardcover. Es erklärt und beschreibt die Orte, Figuren und Landschaften auf 96 Seiten. Mit einer Einleitung von Richard Armitage, der den Thorin Eichenschild spielt, beginnt die faktische Reise. Dieses Vorwort ist etwas pathetisch gehalten, dafür wird eine Parallele von Gold zu Öl und damit in unsere Gegenwart der Postfinanzkrise gezogen. Alle sind dabei: Balin und Dwalin, die Kriegerprinzen Kili und Fili, der Heiler Oin und sein Bruder Gloin, Muskelprotz Beorn und natürlich Bilbo Beutlin.

Auch der große Felsen Carrock und die düstere Ruine Dol Guldur werden detailliert beschrieben wie Düsterwald mit seinen verwachsenen Bäumen und knorrigen Ästen und den vielen Spinnen. Leser treffen auch auf die Waldelben, die Erstgeborenen von Mittelerde, und auf die schöne Tauriel. In Seestadt (Esgaroth, die Stadt am See) stoßen sie auf Gegensätze: dort geht Bard der Flussschiffer seinem ehrlichen Tagewerk nach, während der Bürgermeister korrupt ist. Mit Smaug dem Großen endet die Lektüre vergnüglich, denn der Drache kann ja Gold riechen.

Das Begleitbuch ist kinderfreundlicher als das offizielle Filmbuch, obwohl der Gruselfaktor mitunter recht hoch ist. Denn der Anblick von Schänder Azog dürfte die ganz jungen LeseInnen ähnlich erschrecken wie der des Horrorschockers Freddy Kruger. Davon abgesehen beeindruckt das offizielle Begleitbuch vor allem mit schönen großformatigen Fotos, die sich über Doppelseiten ziehen. Es entpuppt sich als reich bebildertes Märchenbuch zum Film für alle Altersgruppen, das mit 19,95 Euro den gleichen Preis wie das Filmbuch hat.
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