Der Interkulturelle Rat als ein Motor des friedlichen Zusammenlebens

Dr. Micksch und S. Erbektas
Der Interkulturelle Rat in Deutschland e.V. (IR) setzt sich für ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen und Ländern in der Bundesrepublik ein. Er betreibt Lobbyarbeit und fördert die Umsetzung einer interkulturellen Politik. Der Interkulturelle Rat initiiert Dialoge zwischen Menschen und Gruppen verschiedener Herkunft und Religion und engagiert sich für eine gleichberechtigte Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger, auch der seit langem hier lebenden Migrantinnen und Migranten in der deutschen Gesellschaft.

S. Erbektas hat für meinsüdhessen Dr. Jürgen Micksch, 1. Vorsitzender des Interkulturellen Rats in Deutschland e.V. in seiner Geschäftsstelle in Darmstadt besucht und sich über das soziopolitische Engagement erkundigt.

Herr Dr. Micksch, der Interkulturelle Rat ist wie ein modernes Orakel – es ist sensitiv für gesellschaftliche Entwicklungen und arbeitet auf der Grundlage der Vernunft friedfertige Konzepte aus für das Gelingen des vielfältigen Miteinanders.

Was ist der Kern Ihres Wirkens?

Dr. Micksch: Wir arbeiten an der Überwindung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, indem wir auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene Anregungen für Runde Tische, Gesprächsforen oder Gremien geben. Wir entwickeln und erproben Modellprojekte. Es werden Konflikte im Zusammenleben benannt und durch sachliche Argumentationshilfen und Broschüren sowie mit Fachtagungen und Konferenzen dargestellt.

Der Verein des IR wurde vor 17 Jahren gegründet. Wie kam es dazu und was war die ursprüngliche Motivation?

Dr. Micksch: Angesichts der Wandlungen durch die Globalisierung wollten wir vernünftige Angebote für Konfliktlösungen entwickeln. Die Globalisierung ist ein umfassender Prozess, der neben ökonomischen und ökologischen auch politische und kulturelle Herausforderungen mit sich bringt. Weltweit nehmen Wanderungsbewegungen zu. Die Folge: Ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt prägen die Gesellschaften der Aufnahmeländer von Flüchtlingen, Migrantinnen und Migranten. Politische Entscheidungen müssen darauf ausgerichtet sein, die Interessen von ethnischen, religiösen und kulturellen Minderheiten ebenso zu berücksichtigen wie Erwartungen und Ängste der Mehrheitsgesellschaft.

Wie setzen Sie Ihre Zielsetzungen um?

Dr. Micksch: Der IR hat 50 Mitglieder, die aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen kommen wie Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Religionsgemeinschaften, Migranten- und Menschenrechtsorganisationen, Kommunen und staatlichen Stellen, Medien, Wissenschaft und Sport. Diese Persönlichkeiten aus bundesweiten Einrichtungen setzen dann jeweils die gemeinsam erarbeiteten Ziele um. Darüber hinaus führt der IR eigenständig Modellprojekte durch.

Welche Erfolge konnten Sie bereits verbuchen?

Dr. Micksch: Bei den Konflikt mit den Kurden in Deutschland haben wir die unterschiedlichen Gruppierungen in einer Arbeitsgruppe zusammengeholt und dazu beigetragen, dass die Konflikte aus der Türkei nicht weiter nach Deutschland getragen wurden.
Durch die Einführung Abrahamischer Teams aus Juden, Christen und Muslimen, die hunderte Veranstaltungen in Schulen durchgeführt haben, wurde zur besseren Verständigung zwischen diesen Religionsgemeinschaften beigetragen.
Durch die Einrichtung von Islam-Foren wurde ein besseres Miteinander mit den unterschiedlichen Islam-Gruppierungen erreicht.
Seit langem haben wir uns bei den politischen Parteien dafür eingesetzt, Wahlkämpfe nicht auf dem Rücken von zugewanderten Menschen auszutragen. Seit Jahren ist diese Initiative von den großen Parteien beachtet worden – natürlich nicht von den rechtsextremen Gruppierungen.

Was sind Ihre aktuellen Arbeitsprojekte?

Dr. Micksch: Einen besonderen Schwerpunkt bilden bei uns die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die von den Vereinten Nationen angeregt wurden und jedes Jahr um den 21. März stattfinden. In diesem Jahr hatten wir dazu bundesweit 1.250 Veranstaltungen. Gefördert wird diese Arbeit gegenwärtig besonders durch die Robert Bosch-Stiftung und durch das Auswärtige Amt der Bundesregierung.
Ein weiteres aktuelles Projekt ist die bei uns eingerichtete Interreligiöse Konferenz, in der kommunale Räte der Religionen zusammen arbeiten und sich gegenseitig austauschen.

Sie haben gerade ein Buch über 10 Jahre Deutsches Islamforen erstellt, das demnächst herauskommt.

Dr. Micksch: Der Titel ist: "Muslime gehören zur deutschen Gesellschaft". In dem Buch werden 10 jährige Erfahrungen des IRs und des Rates der Türkeistämmigen Staatsbürger bei Dialogen mit Muslimen dargestellt. In dieser Zeit haben Muslime und Nicht-Muslime sehr viel miteinander gelernt. Heute können wir sagen, dass Konflikte in der Regel lösbar sind und ein gutes Zusammenleben möglich ist.

Haben Sie zum Schluss noch eine Botschaft an unsere Leserschaft?
Dr. Micksch: Die Anwesenheit von Menschen aus unterschiedlichen Ländern ist eine Chance für Deutschland und sollte genutzt werden, nicht nur für unseren erfolgreichen Export, sondern auch zur Entwicklung unserer Weltoffenheit.

Herzlichen Dank!
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