Facharbeitermangel und das Anwerben von Migranten

Es war der deutsche Wirtschaftsminister Ludwig Erhard, der knapp zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, einige Hunderttausend Italiener nach Deutschland holen wollte. Er vertraute auf positive konjunkturelle Prognosen und erwartete einen zusätzlichen Arbeitskräftemangel aufgrund der Wehrpflicht, die wieder eingeführt werden sollte. Der Plan des Ministers stieß jedoch auf wenig Begeisterung angesichts sieben Prozent Arbeitslosigkeit und rund 12 Millionen Vertriebene und Flüchtlinge, die aus dem Osten wieder in die Heimat zurückkamen.
Im Dezember 1955 trat der deutsch-italienische Anwerbevertrag in Kraft, die ersten Züge mit jungen, arbeitswilligen Italienern erreichten Deutschland wenig später. Auch mit anderen Ländern wurden Anwerbeverträge abgeschlossen, so mit Spanien, Griechenland (1960), mit der Türkei (1961), dann mit Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. Die Beamten der Bundesanstalt für Arbeit vermittelten die Neuankömmlinge an geeignete Unternehmen, zunächst vor allem in der Schwerindustrie und auf dem Bau, dann auch im Automobilbereich.
Während der 1990er Jahre kam es zwar durch Immigration zu einem vorübergehenden Bevölkerungswachstum. Jedoch aufgrund der relativ stabilen Abwanderung aus Deutschland mit 600.000 bis 700.000 und der geringen Zuwanderung kam es zu einem Rückgang der Bevölkerung. Entgegen den rechtsextremistischen Parolen, von wegen "Der Fass ist voll!" ist der Wandel in der deutschen Bevölkerung so alarmierend, dass es jetzt schon an Fachkräften mangelt und auch in Zukunft ein hoher Bedarf an Zuwanderung da sein wird. Die Wirtschaft fordert daher die Einwanderung zusätzlicher Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern. Die Bundesregierung und die Bundesagentur für Arbeit (BA) haben eine Kampagne zur Gewinnung von Fachkräften aus dem In- und Ausland gestartet. Zusätzlich bemühen sich auch Kommunen, wie z.B. der Landkreis Schwäbisch Hall/Hohenlohe, wo es eine Vollbeschäftigung gibt – und 4800 offene Stellen, mit exklusiven Kampagnen im Ausland für Bewerber.
Bei einem Treffen mit der Bundesregierung Anfang letzter Woche in Schloss Meseberg in Berlin sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise, dass bis 2025 es etwa drei Millionen Arbeitskräfte in Deutschland fehlen werde und dass dieser Mangel die Entwicklung stärker bedrohen könne als die Finanzkrise.
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