„Old songs, new songs - and you dance“: OMD in Offenbach

Eine klare Ansage des OMD-Frontmanns an seine Fans in der nicht vollgestopften, aber ordentlich gefüllten Stadthalle am ersten Adventswochenende (2. Dezember). Es war eine der wenigen auf Englisch, denn Andy McCluskey beeindruckte mit deutscher Abendmoderation beim Stopp der „The punishment of luxury“-Tour in Offenbach.

Der Mastermind hinter Orchestral Manoeuvres In The Dark ist wissbegierig: Vor vielen Jahren erzählte er mir in einem längeren Interview, dass er gerade mit seinem Vater auf ausgiebiger Weltreise gewesen sei. Da wundert es nicht, dass das Publikum per Internet in die Trackauswahl mit einbezogen war. Drei aus dem frühen Schaffen waren im Angebot (siehe Fotos), inwieweit die Besucher gevotet haben, lässt sich nur vermuten, und Digital Natives sind sie eher nicht…

Glasklarer Sound

Mit glasklarem Sound von der mittlerweile 13. Studio-LP startete die Show von Andy McCluskey und Paul Humphreys, die sich mit Schlagzeuger und zweitem Keyboarder verstärkt hatten. McCluskey gefiel sich in der Rolle des Frontmanns, er war sichtlich begeistert von der überaus positiven Resonanz seiner Fanhundertschaften. Einen kurzen Moment wirkte es fast, als wische McCluskey nicht nur Schweißperlen, sondern eine Freudenträne aus seinem schütter gewordenen Haar. OMD spielte einige Songs vom neuen Album, darunter „What have we done“, „Art eats art“ und natürlich den Titeltrack, der erwartungsgemäß hoch bejubelt wurde.

Kraftwerkscher Proto-Electrofunk

Vor drei Monaten auf dem RCA-Label erschienen, ist die LP stark geprägt vom kraftwerkschen Proto-Electrofunk und natürlich überzogen von hymnischen Synthie-Bögen, die den Trademarksound von OMD einst begründeten.Man sei hier nicht in der Alten Oper, und deshalb könne man mehr Pop spielen, so der Sänger mit der markanten Stimme. Die Briten, deren „Maid of Orleans“ bereits in den Einser-Programmen berentet wird, nahmen in ihrem Schaffen den Begriff Synthie-Pop ausgesprochen wörtlich: Ikonische New-Wave-Attitüde einerseits, z. B. „Telegraph“, „Enola Gay“ und „Genetic engineering“; andererseits „Sailing on the seven seas“ und „Pandora’s Box“, die quasi zum Missbrauch durch den Discofox einluden.

„Cross any ocean for the sake of Locomotion"

Vom an Boney M. bzw. Goombay Dance Band erinnernden „Locomotion“ ganz zu schweigen. McCluskey und Humphreys standen zu dieser mit synthetischen Steel Drums gepflasterten Jugendsünde und pflegten das Erbe ihres poppigen Spätwerks in der Diskografie an diesem ersten Dezemberabend 2017. Das Konzert wurde auch von der Spex präsentiert, ein beruhigendes Signal auf der Eintrittskarte. Folgerichtig setzte OMD mit „Electricity“ das geschmacksbetonte Ausrufezeichen am Schluss der Zugabe.
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