Surf Sounds im doppelten Set: The Beach Boys und Brian Wilson in Frankfurt

Blick von der Empore: The Beach Boys in der Alten Oper. (Foto: Torsten Fuchs)
 
Good vibrations auch in der Jahrhunderthalle: Brian Wilson presents Pet Sounds. (Foto: Torsten Fuchs)
Es ist wie mit den Wellen, sie kommen immer in Sets. Innerhalb von nur vier Wochen gastierten The Beach Boys in der Alten Oper und Brian Wilson & Band in der Jahrhunderthalle. Zwei Konzerte mit vielen Überschneidungen, und doch grundverschieden.

Die Evergreens, die großen Hits – man hat sie natürlich am 16. Juni und am 19. Juli gehört. Sowohl Mike Love und Bruce Johnston haben sie gegeben, und auch Brian Wilson und Al Jardine sangen die bekanntesten Stücke der Boyband, deren kreativer Kopf Wilson war (und noch ist). Sangen alle auf der Beach-Boys-50-Tour noch gemeinsam, wurde jetzt das Beach-Boy-Konzept outgesourct: In der Alten Oper folgte Hit auf Hit, während im Bühnenhintergrund abwechselnd Surfer/-innen die Brecher abritten bzw. Bildmaterial aus alten Boys-Zeiten zu sehen war. Oder eben der legendäre 409, wenn dieser in „409“ besungen wurde. Bzw. California dreaming und andere Jungsträume und natürlich knackige Wellenreiterinnen. Schließlich haben die Beach Boys dem Gefühl, das z.B. Windsurfer im Moment des Vollgleitens verspüren, die Tonalität gegeben.

Das vom Leipziger Impresario Matthias Winkler organisierte Konzert lief unter dem Titel „One Night All The Hits Tour 2017“, obwohl die Show eigentlich mit „Wild Honey“ überschrieben war – passend zur Wiederveröffentlichung der gleichnamigen Platte aus dem Jahr 1967, erschienen bei Capitol Records. Johnston und Love spielten einige Songs von „Wild Honey“, fanden aber natürlich ein auf die Klassiker hungriges Publikum vor, das alles mitmachte (z.B. bei der „Cell Phone Partizipation“ den Opernsaal hell ausleuchtete) und sich verständnisvoll für eine fünfzehnminütige Unterbrechung des Surfmarathons zeigte (Mike Love: „We love our ‚pause‘“).

Pausen und Dreiakter

Eine Pause legte auch Wilson plus Band ein, einen guten Monat später in der Jahrhunderthalle. Die Frankfurter Konzertagentur „Shooter Promotions“ versprach eine dreistündige Exklusiv-Show und lieferte. Brian Wilson presents Pet Sounds, das war zentrales Anliegen – optisch klar ausgedrückt, indem das weiße Tasteninstrument von Wilson mittig auf der Bühne thronte – umspielt von zehn, elf Gefolgsleuten. Al Jardine stand dem sitzenden Meister stets zur Seite, sein Sohn Matt –ein veritabler Sänger- ebenfalls immer in Reichweite. Es war ein Abend in drei Akten: Pet Sounds – eingebettet in zwei Hitparaden.

Zunächst also ein Beach-Boys-Konzert – wie in der Alten Oper, nur mit mehr Klangfülle, weil Wilson den größeren Klangkörper auffuhr. Und mit einem ausufernden Solo eines Gitarristen, der wie Hendrix die Saiten schrammte und wie ein posierender Zwitter aus Prince und Michael Jackson die Bühne entlang moonwalkte. Nach einer knappen Stunde kündigte Brian Wilson eine Pause an, „and then I will play ‚Pet Sounds‘ for you“…

Das Meisterwerk live zu erleben, von vorn bis hinten durchgespielt, war ein Erlebnis besonderer Güte, und irgendwie auch voller Schwermut: Denn klar ist, dass es wohl das letzte Mal gewesen ist. Brian Wilson hatte sich im Mai 2016 aufgemacht, den 50. Jahrestag dieses genialen Albums mit Konzerten weltweit zu begehen. Nicht nur eine Tour, sondern auch Tortur für den sensiblen Künstler, dessen farbloses Soufflier-Gerät wohl nicht grundlos vor dem Piano versteckt stand. Mit diesen Indizien behaftet, entfalteten die dreizehn teils autobiografischen Songs über Kindheit und Erwachsenwerden sowie den Verlust der Unschuld magische Momente in der Jahrhunderthalle. „That’s not me“, „Sloop John B“, „God only knows“, „Here today“, „Caroline, no“ und natürlich „Wouldn’t it be nice“; der Opener, aufgrund seiner göttlichen Melodie und gecroonter Harmonien für viele der wohl schönste Song von Wilson überhaupt.

Der dritte Akt war dann Party als Zugabe, das Publikum hob die Pflicht zur Bestuhlung auf und drängte an die Bühne, um noch einmal ganz nah dran zu sein und „Good vibrations“ abzubekommen. Mit „Love & Mercy“ endete nach zweieinhalb Stunden ein denkwürdiger Konzertabend, mit der fatalen Gewissheit des letzten Mals.
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