Tourauftakt in Deutschland: The Jesus And Mary Chain

(Foto: Artificial Plastic Records/JSMarketing)
„Damage and joy“ heißt das Album, das The Jesus And Mary Chain Ende März auf ADA/Warner Music veröffentlicht haben und mit dem sie jetzt auf Tour gehen. Damit hat das schottische Duo eine knapp 20-jährige Plattenpause eingehalten seit “Munki“ (1998).

Der Titel bringt es auf den Punkt. JOY, natürlich, wenn alte einflussreiche Recken eine neue LP machen, da ist man als musikaffiner Mensch per se alarmiert. Aber auch DAMAGE, denn eigentlich ist über TJAMC alles gesagt und geschrieben worden: Einflussreichtum, Blaupause für Bruderzwist, der von Oasis Jahre später vielleicht ähnlich destruktiv ausgetragen wurde. Zumindest kann man sich diesen Konflikt so zurechtbiegen. Aber wer spricht heute noch von Oasis?

Platteninvasion der jungen Alten

Die Veröffentlichung im Frühjahr 2017 kommt zu einer Zeit, in der es viele noch einmal wissen wollen: Deep Purple mit „Infinite“, deren Marketing gleich vom Rockalbum des Jahres krakeelt, Depeche Mode, Blondie sowie Musiker wie Bob Dylan und Thurston Moore („Cease fire“ bekommt jetzt schon den Preis für die Rocksingle des Jahres) – alle umgarnen den TJAMC-Fan, der an der „50“ im Pass kratzt, und der von der Entertainmentindustrie eigentlich vernachlässigt wird, wenn nicht sogar längst abgeschrieben wurde. Vom Radio außerhalb Berlins (mit Flux fm und Radio.Eins) sowieso.

„Damage and joy“ nimmt in der Invasion der jungen Alten einen Platz auf der sicheren Seite ein: Klangästhetik, Sound, die 1980er-Jahre sind längst nicht vorbei. Und ob das Songmaterial so neu ist, weiß man auch nicht, in diesem Kontext ist das fast nebensächlich. Ein zweites „Psychocandy“ ist die Platte mit 14 Songs nicht, aber –hey- es ist ein neues Album von The Jesus And Mary Chain!

„Schadenfreude“ als Entwicklung

Die Arbeiten unter dem Arbeitstitel „Damage and joy“ (eine Anspielung auf die englische Übersetzung von „Schadenfreude“) begannen im Herbst 2015. Federführend war der Produzent Youth, der auch Bass spielte während der ersten Sessions in London, Dublin und Granada. Neben den Reid-Brüdern sind Tour-Schlagzeuger Brian Young und der Ex-Bassist von Lush, Phil King, dabei. Für Jim Reid war es „eine Entwicklung“, es habe sich nicht so komisch angefühlt, wie es hätte sein können.

Amputation des Rock’n’Roll

Der alte Manager, Alan McGee, ist auch der neue. Der knarzig-schrammelnde Opener „Amputation“ traf wohl seinen musikalischen Solar Plexus: Verzerrte Gitarren in bewährter Kombi mit Jim Reids Gesang passten zu seinem Gefühl, „in der ganzen Musikbranche auserwählt zu sein und sich (zu) wundern, was eigentlich schief gegangen war. Wir hatten das Gefühl nirgendwo reinzupassen und es fühlte sich an wie eine Rock’n’Roll-Amputation.“

Deutschlandpremiere in Südhessen

Wie wird sich das Album live anhören? Beschädigt sich die schottische Legende? Vier Konzerte in Deutschland werden es zeigen. Alan McGee: „Das Interessante an dieser Platte ist das, was aus den Boxen herauskommt. Eine gute Platte zu machen ist eine gute Leistung wenn du zweiundzwanzig bist. Aber es in den Fünfzigern wie wir zu machen, ist glaub ich ein kleines Wunder.“

The Jesus And Mary Chain tritt auf in Darmstadt, Hamburg, Berlin und Köln - da geht man hin.


21. April Hamburg – Fabrik
24. April Berlin – Huxleys Neue Welt
25. April Köln – Live Music Hall
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