Viel Lärm um ... den Lärm

"Früher" gab es am Frankfurter Flughafen rund 40 Flugbewegungen pro Nacht. Das ist jetzt anders. Vorübergehend. Am 13. März verhandelt das Bundesverwaltungsgericht darüber, ob daraus künftig weniger (17 ist aktuell im Gespräch) - oder vielleicht sogar gar keine mehr werden. Bis zur endgültigen Entscheidung der Leipziger Richter gilt laut VGH-Beschluss – zumindest im Regelfall – ein absolutes Nachtflugverbot. Das bedeutet, keine Starts und Landungen zwischen 23 und 5 Uhr. In Einzelfällen sind Starts möglich, wenn vorherige Verzögerungen nicht von der Airline zu vertreten sind - wie zum Beispiel Stromausfall, Bombendrohung oder extreme Wetterlagen. Eingeführt wurde dieses vorläufige Nachtflugverbot mit der Eröffnung der vieldiskutierten neuen Landebahn.

Die DFS hat mitgeteilt, dass seit der Inbetriebnahme der Nordwestlandebahn auf der nördlichen Gegenanflugroute grundsätzlich höher geflogen werde. Dies sei eine Entlastung für die Gemeinden Büdingen, Limeshain, Sulzbach, Bad Vilbel, Niederdorfelden, Schöneck und Hammersbach, aber auch für Wiesbaden und den Rheingau. Und was ist mit den anderen Regionen?
Zwischen 80 und 90 Dezibel haben Experten in Flörsheim gemessen, während Flieger auf die neue Landebahn zusteuerten. Im gewerblichen Bereich etwa muss ab 85 Dezibel ein Gehörschutz getragen werden, bereits ab 65 Dezibel kann es zu Herz-Kreislauferkrankungen kommen.


Hauptproblem beim Thema Fluglärm, Ausbau des Flughafens sowie Nachtflugverbot sind die unterschiedlichen Interessen, die darin vetreten werden: Arbeitnehmer der Fluggesellschaften, die um ihren Arbeitplatz bangen. Anwohner verschiedener Regionen, die gegeneinander vorgehen, um Einfluss auf die Routen zu nehmen und den Lärm zu verlagern: Hauptsache weg vom eigenen Haus. Politiker, die versuchen, alle diese Aspekte zu berücksichtigen, sich dabei aber oftmals nicht ganz so glücklich äußern und verhalten.

Wirtschaftlich gesehen ist der Flughafen wichtig. Pro Jahr werden dort über 2000 Tonnen Waren umgeladen, 50 Millionen Passagiere befördert.
Laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt am Main ist der Frankfurter Flughafen mit mehr als 65.000 Beschäftigeten die größte lokale Arbeitsstätte Deutschlands. Lange schon gab es kein Thema mehr, das die Bürger in Hessen (und darüber hinaus), so bewegt hat. Bis Ende 2011 gab es am Flughafen die sogenannten Montagsdemos mit bis zu 5.000 Teilnehmern.


Für eine Schließung der Südbahn eintreten

Tritt man weiterhin für die Offenhaltung der Landebahn ein, spiele man den Ausbaubefürwortern in die Hände und spalte den derzeit auch von der Landesregierung ernst genommenen Widerstand. Um dennoch aktiv werden zu können, schließlich geht es auch um das demnächst in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgerichtshof zu entscheidende Nachtflugverbot, eine Deckelung der Flugbewegungen sowie die Verhinderung eines weiteren Ausbaus, entschloss man sich, bei der für Samstag, 4. Februar, am Flughafen vorgesehenen Großdemonstration für eine Schließung der Südbahn einzutreten, um auf die besondere Problematik der Raunheimer aufmerksam zu machen.

Eine große Mehrheit der Hessen erwartet einer Umfrage zufolge ein schnelles Vorgehen gegen den Fluglärm im Rhein-Main-Gebiet. Rund 88 Prozent sind der Meinung, Politik und Flughafenbetreiber müssten sich stärker für die Eindämmung des Fluglärms engagieren, teilte die Landesregierung unter Berufung auf eine dimap-Umfrage mit. Dennoch halten 37 Prozent der Befragten ein weiteres Wirtschaftswachstum des Flughafens für wichtig. Jeder Zweite ist der Meinung, dass es beim derzeitigen Wachstum bleiben sollte. Nur zehn Prozent sprechen sich für eine rückläufige Entwicklung aus.

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3 Kommentare
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Peter Christ aus Adolfseck | 29.01.2012 | 17:02  
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Felix Simba aus Niederrad | 30.01.2012 | 20:23  
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Peter Christ aus Adolfseck | 31.01.2012 | 20:59  
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