Augenärzte: Bist du blind, oder sucht du noch?

Iritis rechts. Pupille durch Tropfen erweitert.

Augenärzte: Bist du blind, oder sucht du noch?

Ein Kommentar

Wer kennt es nicht? Man zieht in eine neue Stadt und sucht sich peu à peu seine Ärzte zusammen. Doch was tun, wenn man plötzlich zu einem Akutpatienten mit einer Augenentzündung wird? Klar, man sucht sich schnell einen Augenarzt! So zumindest in der Theorie. Bei der Entzündung, die ich vor einigen Wochen hatte, einer Iritis, zählen Tage, eher noch Stunden. Es drohen nämlich Schäden, wie zum Beispiel der Graue Star, eine bleibende Verschlechterung der Sicht, oder sogar der komplette Verlust des Augenlichts.

Ich beginne also, zu suchen. Mehrere Anrufe bei verschiedenen Praxen im Umkreis später steht fest: keine Chance, überall Aufnahmestopp. Bei einigen Augenärzten in Darmstadt gibt es erst wieder freie Termine im Kalenderjahr 2019 – außer man ist Privatpatient.

Die Augenklinik im Alice-Hospital schickt mich trotz sichtbarem Horror-Auge weg. Der augenärztliche Notdienst soll übernehmen. Besagter Notdienst wiederum weiß nichts von seiner Schicht als Augenarzt in dieser Woche. Voller Verzweiflung geht es mit der Bahn Richtung Augenklinik Eberstadt. „Sie haben keine Überweisung. Wir nehmen nur Patienten mit einer Überweisung, bitte wenden sie sich an den augenärztlichen Notdienst.“ Die Augenklinik in Darmstadt-Eberstadt schreibt dazu auf deren Homepage: „Bitte beachten Sie, dass wir nur Termine mit einer gültigen Überweisung eines Augenarztes vergeben können.
In dringenden Fällen (akute Sehverschlechterung oder akute Erkrankungen mit Einweisung) kontaktieren Sie uns bitte weiterhin telefonisch. Bei Notfällen außerhalb der Sprechstunde stellen Sie sich bitte direkt in unserer Zentralen Notaufnahme oder ärztlichen Bereitschaftsdienstzentrale am Klinikum Darmstadt in der Grafenstraße 9 vor.“
Blöd nur, wenn mich vorher schon jeder Augenarzt abgelehnt hat. Ich lande bei einem Allgemeinmediziner im Klinikum-Darmstadt. Zwar ist er kein Augenarzt, verschreibt mir aber prophylaktisch ein paar Augentropfen. Die bei einer Iritis nicht einmal helfen.

Dann kommt Tag vier. Halleluja, ich habe endlich den richtigen augenärztlichen Notdienst in Darmstadt gefunden. Das Marienhospital nimmt mich auf. Endlich gibt es eine ordentliche Diagnose und die richtigen Tropfen. „Warum kommen Sie erst jetzt?“, werde ich gefragt.

Augenärzte, die keine aktuelle Liste vom jeweiligen Notdienst haben. Augenärzte, die offensichtlichen Akutpatienten eine Behandlung verwehren. Augenärzte, die – anscheinend – völlig überlastet mit ihren Terminen sind. Ich war hartnäckig, habe mit mehr Augenärzten, als mir lieb war, telefoniert, war in Kliniken, Notdienststellen und bei vier Ärzten. Was aber tun Menschen, die sich in solch einem Fall nicht selbst organisieren können? Pflegebedürftige, oder Menschen mit Verständigungsproblemen?

„Warum kommen Sie erst jetzt?“ Ich leite diese Frage gerne an die zuständigen Stellen in Darmstadt und Umgebung weiter. Mittlerweile sehe ich wieder etwas und suche nicht mehr.

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