Der Michel ist kein Prozesshansel

(djd/pt).Die Bundesbürger sind alles andere als Prozesshansel. Eine deutliche Mehrheit von ihnen (85 Prozent) empfindet den Gedanken als unangenehm, in einen Gerichtsprozess verwickelt zu werden.
Auch wenn Nachbarschaftsstreits, die fast täglich den Weg in die Zeitung finden, oder die nachmittäglichen Gerichtsshows im Fernsehen etwas anderes suggerieren: Die Bundesbürger sind alles andere als Prozesshansel. Eine deutliche Mehrheit von ihnen (85 Prozent) empfindet den Gedanken als unangenehm, in einen Gerichtsprozess verwickelt zu werden. 61 Prozent halten es sogar für ziemlich oder sehr unangenehm. In dieser Gruppe sind Frauen (69 Prozent), über 60-Jährige (74 Prozent) und Personen mit einfacher Schulbildung (70 Prozent) überproportional stark vertreten. Eine knappe Mehrheit der Deutschen (51 Prozent) möchte demzufolge einen Gerichtsprozess möglichst vermeiden. Das sind einige der Ergebnisse eines Rechtsreports, den die Roland Rechtsschutz-Versicherungs-AG in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach erstmals vorgestellt hat.

Nicht gegen die eigene Familie

"Die Aussage, dass die Deutschen Prozesshansel sind, ist durch die Ergebnisse unserer Studie nicht zu belegen", sagt Gerhard Horrion, Vorstandsvorsitzender des Kölner Rechtsschutz-Versicherers. Die Bürger machten demnach deutliche Unterschiede, gegen wen sie einen Prozess führen würden. Die Hürden für einen Gerichtsprozess gegen die eigene Familie sind besonders hoch. Je enger die emotionale Bindung an den Kontrahenten ist, desto konfliktscheuer sind die Deutschen: 76 Prozent würden nicht gegen enge Familienangehörige vorgehen, wie beispielsweise Eltern oder Kinder, selbst wenn sie sich im Recht fühlen. Gegen einen ehemaligen Partner oder eine ehemalige Partnerin würden dagegen nur noch 22 Prozent darauf verzichten, das eigene Recht durchzusetzen. Gegen beauftragte Handwerker, Unternehmen, bei denen etwas bestellt wurde, Geschäftspartner und Vermieter zeigen die Deutschen jedoch wenig Scheu: Nur fünf Prozent würden hier einem Gerichtsverfahren aus dem Weg gehen. "Viele solcher Streitigkeiten könnten durch Mediation beigelegt werden. Das würde nicht nur die Gerichte entlasten, sondern trägt auch der weit verbreiteten Abneigung gegen einen Gerichtsprozess Rechnung", so Gerhard Horrion.

Mediation bevorzugt

Generell würden 44 Prozent der Deutschen bei einer rechtlichen Auseinandersetzung ein Mediationsverfahren einem Gerichtsverfahren vorziehen. Weitere 36 Prozent sind unentschieden oder konnten zu dieser Frage keine Angabe machen. Und für welche Arten von Rechtsstreitigkeiten ist eine Mediation besser geeignet? 87 Prozent der Deutschen würden sie bei einem Nachbarschaftsstreit bevorzugen, bei einer Verletzung der Persönlichkeitsrechte liegt der Wert bei 76 Prozent, beim Streit ums Sorgerecht bei 60 Prozent. Auch bei Mietstreitigkeiten hält noch eine Mehrheit von 53 Prozent die Mediation für geeigneter als ein Gerichtsverfahren. Am Ende der Liste stehen Auseinandersetzungen um staatliche Baumaßnahmen: Hier glauben lediglich 17 Prozent, dass eine Mediation besser geeignet sei als ein Gerichtsverfahren.
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