Grillen bis die Nachbarn kochen?

Wer es übertreibt mit Briketts und qualmender Holzkohle, der macht sich bei seiner Umwelt nicht unbedingt beliebt. Stört den Nachbarn gleich der Geruch von Gebratenem allgemein, dann ist es nicht mehr weit zum handfesten Streit – und oft müssen sogar Gerichte entscheiden, wer was wo und wie oft auf den Grill legen darf.

Doch auch Richter sind gelegentlich Grillfreunde. So befand das Landgericht München, auch 16 Grillaktionen innerhalb von vier Monaten seien nicht zu viel.

Grillen stellt in einer multikulturellen Freizeitgesellschaft, die von einer zunehmenden Rückbesinnung auf die Natur geprägt ist, eine übliche und im Sommer gebräuchliche Art der Zubereitung von Speisen jeglicher Art dar – und nicht etwa ein „Relikt aus der Steinzeit“. Deshalb darf einem Wohnungseigentümer von den übrigen Eignern nicht generell das Grillen untersagt werden.

Trotzdem sollte man ein Auge darauf haben, wo der Grill genau aufgebaut wird. Denn das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme, das sich aus dem Gemeinschaftsverhältnis zweier Wohnungseigentümer im selben Komplex ergibt, kann zur Folge haben, dass ein Eigentümer im Erdgeschoss verlangen kann, dass ein Grillplatz direkt vor seinem Schlafzimmer beseitigt wird.

Auch am späteren Abend kann das Beisammensein bei Nackensteak und Bier problematisch werden: So setzte ein Nachbar durch, dass auf dem Nachbargrundstück nur noch viermal im Jahr nach 22 Uhr gegrillt werden darf. Vorher passierte das im Sommer fast täglich, für weiteren Verdruss sorgten die Tatsache, dass in der Garage der Fernseher lief und sich das Haus nur zur Grillseite hin lüften ließ. Und auf dem Balkon gelten noch einmal andere Spielregeln. Hier kann ein Hauseigentümer seinen Mietern das Grillen verbieten – weil Rauch und Geruch grundsätzlich dazu geeignet sind, die Mitmieter zu belästigen, könne ein Verbot die zu erwartenden Streitigkeiten von vornherein unterbinden. So darf der Eigentümer sogar mit fristloser Kündigung drohen.

Nur geringe Chancen haben Eigentümer in einer Wohnungseigentumsanlage dagegen, wenn es darum geht, einen öffentlichen Grillplatz in der Nähe loszuwerden. Vor Gericht hatte die Gemeinschaft angeführt, der 150 Meter entfernte Platz zöge durch den dort anfallenden Müll Ratten an, außerdem seien die Gerüche bei jeder Windrichtung intensiv wahrnehmbar. Allerdings: Bei dieser Entfernung sah das Verwaltungsgericht Berlin keinen Anlass, den Grillplatz zu schließen – zumal zweimal wöchentlich ein Reinigungsunternehmen saubermachte. Besser stehen die Chancen jedoch dann, wenn ein Platz Lärm verursacht: Werden Nachbarn eines öffentlichen Grillplatzes unerträglich in ihrer Nachtruhe gestört, so genügt es nicht, dass die Kommune als Betreiber des Platzes per Satzung Verhaltensvorschriften erlässt, die hier aber unkontrolliert bleiben. Sie muss gegebenenfalls einen städtischen Ordnungsdienst einrichten oder den Grillplatz völlig schließen.
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