Neue Trauergruppe in Darmstadt für Hinterbliebene nach Suizid

Alle 40 Sekunden stirbt weltweit ein Mensch durch Suizid. In Deutschland sind das jährlich ca. 10.000 Menschen. Geschockt und Ohnmächtig stehen die Hinterbliebenen verzweifelt dem Geschehenen gegenüber. Es ist nachvollziehbar, dass sich im ersten Moment die Gedanken und Emotionen um den Menschen, der gegangen ist, drehen. Mit einem Gefühl der Hilflosigkeit erleben Angehörige den verzweifelten Versuch, eine Erklärung für den Suizid zu finden. Mit ihrer ganz persönlichen Not, bleiben die Meisten jedoch für sich allein.

Wenn ein geliebter Mensch sich das Leben nimmt, bleibt für Angehörige plötzlich die Zeit stehen. Nichts ist mehr so wie es war, den Hinterbliebenen stehen meist keine Worte zur Verfügung, die dieser Fassungslosigkeit, diesem schrecklichen Schmerz Ausdruck verleihen könnten. Dies ist umso mehr der Fall, wenn keine „erkennbare Depression“ oder „unheilbare Krankheit“ im Vorfeld die Not der Betroffenen deutlich gemacht hat. Menschen, die den Verstorbenen sehr nahe standen, werden mit unterschiedlichen Gefühlen konfrontiert, von denen Verzweiflung, Fassungslosigkeit und möglicherweise Wut nur ein Teil der Fülle von Emotionen darstellt. Parallel hierzu erfahren die Angehörigen (Ehepartner/in, Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Verwandte, Freunde...), dass der Tod durch Suizid in der Gesellschaft auch weiterhin ein Tabu-Thema ist. Die Reaktion der „Außenwelt“, in Form von Bewertung oder Ignoranz, kann zu einer zusätzlichen Traumatisierung der Hinterbliebenen führen. Dies hat nicht unerhebliche Folgen für die Betroffenen und ihren Trauerprozess.

Am 05.05.2010 nahm sich unser Bruder das Leben. Einen Abschiedsbrief hat er nicht hinterlassen. Für uns als Angehörige war seine Not im Vorfeld zu keinem Moment spürbar oder erkennbar. Das Gefühl, plötzlich aus der eigenen „Lebensumlaufbahn“ geschleudert zu werden, haben wir selbst sehr schmerzlich erfahren müssen. Mit viel Liebe und schönen Ideen einerseits und der schmerzlichen Empfindung der Entwurzlung andererseits, haben wir einen würdevollen Abschied im Rahmen der Beerdigung für unseren Bruder gestaltet.

Neben der Begleitung in Form einer Einzeltherapie, haben wir zudem eine Trauergruppe speziell für Hinterbliebene nach Suizid besucht. In diesem Kontext hatten wir die Möglichkeit, das Gespräch und den Austausch mit Menschen zu finden, die ebenfalls einen Angehörigen oder Freund/Freundin durch Suizid verloren haben. Dort war Raum für jede Form der Trauer, für das eigene Tempo, das jeder für sich benötigt, und für die Erfahrung, dass alle Gefühle willkommen sind.

Dies waren sehr wertvolle Erfahrung die es uns ermöglicht haben, dem Leben neu zu begegnen, und ein Gefühl von Lebensqualität und Freude wieder zu entdecken.

Ab März 2012 bieten wir, Freia Adams und Frigga Mange, selbst eine Trauergruppe für Hinterbliebene nach Suizid in Darmstadt an. Wir möchten Menschen begleiten, die sich durch den Verlust eines geliebten Menschen in einer tiefen Lebenskrise befinden, und den Austausch sowie das gegenseitige Tragen in einer Gruppe erfahren wollen. Unser Verständnis von Trauerbegleitung beinhaltet, dass jeder Mensch das Recht auf seine ganz persönliche Form der Trauer hat.

Kontakt und weitere Informationen:
Freia Adams / Dipl. Sozialarbeiterin und Gestalttherapeutin
Fr. Mange / Mediaberaterin
Telefonische Sprechzeit Dienstag und Donnerstag von 18.00 bis 19.00 Uhr unter der Rufnummer 0176 - 53 74 05 72 oder E-Mail trauergruppe.adamsmange@gmx.de
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