Ausstellung „Grauzonen“ in der Säulenhalle Groß-Umstadt

Andrea Grimm: o.T.
 
Judith Pauly: Objekte Grauzonen I und II dahinter Andrea Grimm: o.T.
Groß-Umstadt: Säulenhalle | Noch bis zum 31. August zeigt die Säulenhalle Bilder und Objekte des BBK Südhessen unter dem Motto „Grauzonen“.
Die intensive thematische Auseinandersetzung der neunzehn Künstlerinnen und Künstler reicht von einer politischen Sichtweise über ethisch-moralische Intentionen, die Erfassung gesellschaftlicher Zwischenwelten, spirituell-philosophischen Ideen bis hin zu stilistischen Ansätzen, denen eine eigene Ästhetik der Grauzone innewohnt.
Unmöglich alle Werke und Künstler in einem kleinen Artikel zu würdigen, soll eine Auswahl prominenter Beispiele der Ausstellung erwähnt werden:
Judith Paulys Objektinstallation aus „großer und kleiner Grauzone- silberner Weg 1 und 2“, stilistisch von der Künstlerin als „grafinähtisches Verbundobjekt“ eingeordnet, versprüht trotz der volumenreichen hängenden Anordnung keine heitere Leichtigkeit, sondern erzeugt den verblüffenden Effekt von Schwere bei gleichzeitiger Erhaltung des Eindrucks von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Materials: auf großen Bahnen papierartigem silbernen Untergrund finden sich feine Nähte, die flächendeckend symbolhafte, archaische Muster formen. Pauly möchte auf die Grauzonen anspielen, in denen in einer Gesellschaft Verhaltensnormen gelebt werden.
Max Müllers Chiffren und Farbschichten lassen in der Fernwirkung an eine Hügellandschaft im Nebel denken. Aus der Nähe betrachtet zeigen sich feine Linien, vielleicht eine Schrift- ein verwischter Code, dessen Bedeutung im Nebel, eine Grauzone bleibt.
Barbara Geritschke ist mit zwei Werken vertreten, die sich durch sparsame, duftige Farbgebung und einem poetischen Ansatz auszeichnen. So wird ein unvollendetes Wildtaubennest durch Farbsprengsel zu einem Objekt, das die Imagination des Betrachters entfacht.
Andrea Grimm´s zweiteiliges Kunstwerk zeigt großformatig eine anthropomorphe Gestalt in Stoff umhüllt- die Assoziation einer in Leinen gehüllten Leiche liegt nahe. Das Motiv des Leichentuchs zeigt sich auch in der Wahl des Materials: Ölfarbe auf roher Leinwand, die ohne weitere Aufhängevorrichtung an die Wand genagelt wurde. Das Bild hat dennoch nichts erwartbar Trostloses. So zitiert die Künstlerin den vorsokratischen Philosophen Heraklit „Ein und dasselbe ist Lebendiges und Totes, Wachendes und Schlafendes; dasselbe ist Junges und Altes. Denn dieses schlägt um und ist jenes, und jenes wiederum schlägt um und ist.“ Diese Zusammengehörigkeit veränderlicher Zustände des Daseins einzufangen ist bei aller Abstraktion wunderbar gelungen.
Petra-Marlene Gölz zeigt eine abstrakte Ikone der Heiligen Hildegard von Bingen. Ihre bewundernde Sicht auf die Grenzgängerin zwischen Mystikerin und Kirchengelehrter wird in der nobel-tonigen Malweise und Mischtechnik von Acryl, Ölkreide und Graphit deutlich.
Francisca Hausch hat sich mit der Wegwerf-Gesellschaft beschäftigt und verwitterte Dosen in Assemblagen und Drucken verwendet.
Sonja Schilling ist mit einem Keramikobjekt vertreten, das als „dreidimensionales Erzählobjekt“ verstanden werden kann und Kluft zwischen Arm und Reich kritisiert.
Ein Keramikobjekt ganz anderen Themas präsentiert Joachim Henkel, der ein relativ neues Mitglied im BBK Südhessen ist. Seine von weitem elfenbeinern glänzende umgedrehte Schale „Grauzone Endlichkeit“ entpuppt sich von Nahem zu einer tönerne Schädelkalotte, innen saft- und blutrot glasiert.

Das gelungene und abwechslungsreiche Gesamtkonzept, die stimmige Anordnung der Bilder und Objekte in der Säulenhalle, macht den Besuch der Ausstellung unbedingt lohnend. Darüber hinaus bietet die Thematik der ausgestellten Werke an, ins Gespräch und zur Diskussion zu kommen.

Bis zum 31.08.2014 sind die Tore der Säulenhalle im historischen Rathaus Groß-Umstadt jeweils samstags und sonntags von 11:00 bis 19:00 Uhr für alle Kunstinteressierten geöffnet.
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