Tanztheater – Tango im Groß-Umstadt

GROSS-UMSTADT.
Wer ist Giuseppe, wer Michele De Filippis? Selbst treuen Fans der tanzenden Zwillinge gelingt es nicht, die beiden Tänzer in jeder Szene auseinanderzuhalten. „Warten Sie, ich schau nochmal hin, bin nicht sicher“, rätselt ein Besucher in Reihe eins des Pfälzer Schlosses, wo am Sonntagabend die Premiere des neuen Programms auf die Bühne kommt. Schließlich lässt man dann aber doch das Grübeln sein, genießt den Spiegelbildcharakter, den die De Filippis mitreißend zu nutzen wissen.



Spiel von Nähe und Abgrenzung

Die Frage nach Ich und Du, nach Nähe und Abgrenzung ist eines ihrer zentralen Themen, das auch der neuen Performance „Twin Tango“, dem Zwillings-Tango, diese Komponenten des Tanzes auf betörende, beunruhigend intensive Weise verbindet. Die Erotik des argentinischen Tangos wird zudem in pantomimischer Szenerie mit stolzer Kampfkunst gepaart. Zwei Karateschüler – Ivo Rollmann und Christian Ehmer – sind Teil der Show, wo Eifersucht aufflammt.

Giuseppe und Michele De Filippis spielen rund um traditionelle Bausteine des Tangos Annäherung und Entfernung, Zuneigung, Sinnlichkeit und Begierde leidenschaftlich aus, zwei Individuen scheinen teils zu verschmelzen. Traumhaft balancieren die Zwillinge zwischen Schrittreglement und Improvisation auf dem Schwebebalken drängender Gefühle. Sie sind ihre eigenen Choreografen, Spezialisten der ebenso melancholischen wie heiteren Dialoge durch Bewegung. Sie nähern sich umgarnend an, entfernen sich wirbelnd voneinander. Diese Tangoimprovisation entfaltet in ihren Widersprüchen eine Dramatik, der sich das Publikum nicht entziehen kann.

Tänzerin Silvia Miglianico gibt geschmeidig eine weibliche Note dazu, schiebt sich als Objekt der Begierde zwischen die Brüderlichkeit. So ruft sie Karate, die Kampfkunst der schwertlosen Hand und der Willenskraft, auf den Plan: Es sind die intensiven Blicke, die letztlich Gefühle zügeln.

Die Tanzszenen spielen auf schwarz-weißer Bühne, wo schillernder Satinstoff sowie hochhackige, rote Schuhe flammende Akzente setzen. Ob die De Filippis Zärtlichkeit und Gewalt im abrupten Wechsel von schleichenden und zackigen Schritten verkörpern oder ob sie sich in sinnlicher Performance winden: Ihr Tanz ist eine Hymne an den Eros. Mit nach Innen gewandtem Blick und bebenden Nasenflügeln setzen sie Emotionen in formvollendete Körpersprache um. Das Publikum ist hingerissen, wird am Ende galant zum Tanz auf die Bühne gebeten. „Zugabe“, rufen die Gäste.
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