Wege entstehen beim Gehen- Ausstellung in der Säulenhalle Groß-Umstadt

Am Ozean
 
Christopher Street Day II
Groß-Umstadt: Säulenhalle | Die Künstlerin Gudrun J. Gottstein zeigt in der Säulenhalle Groß-Umstadt Bilder aus ihrem Kunstprojekt und gibt dieser Ausstellung den Titel „Wege entstehen beim Gehen“. Dieses Motto ist in verschiedene Richtungen interpretierbar. Wege sind da, sie müssen aber beschritten werden. Im Rahmen des Kunstprojektes haben sich viele auf den Weg gemacht, haben Fotos aus aller Welt an die Künstlerin geschickt, Reisegeschichten erzählt und Erlebnisse geteilt. Diese dann malerisch verarbeiteten Motive wiederum zeigen Episoden aus den Wegen der Menschen, denen man auf Reisen zufällig begegnet, Situationen, die passieren. Darauf werden durch die Betrachtung der Bilder deren Wege geteilt, Geschichten erzählt, Lebenszeit fremder Menschen durch das Verbringen mit dem Betrachten derselben gewürdigt, Reisezeit, Wegezeit verdeutlicht.

unbequeme Bilder

Gudrun Gottsteins Bilder sind unbequeme Bilder. Es sind Bilder, die betrachtet werden müssen, Bilder die man lesen muss. Es braucht Beobachtungsgabe, es braucht das Miterleben im Geiste der gezeigten Situationen. Wir stehen nicht neben bzw. vor dem Bild, wir versetzen uns hinein oder besser: werden hinein versetzt. Sehen wir die traditionell gewandete Inderin, die einen Eimer Wasser ausleert, oder zieht eher ihre Kollegin unseren Blick auf sich? Das Auge wandert, legt sich nicht fest, vor und zurück.
Ein weiteres Bild: Eine Gruppe am Strand. Die exotischen Gewänder sind vom Wind aufgeplustert, die Menschen scheinen am Wasser jemandem zuzuhören, während uns ein vorbei laufender Unbeteiligter die Sicht auf die Situation versperrt. Bei aller Neugier wird der Betrachter des Bildes nicht erfahren können, was wirklich dort am Strand passiert, muss die Bedeutung ahnen und Geschichten erfinden.

dynamisches Fluidum

Eine Flucht ins Abstrakte ist bei Gudrun J. Gottsteins Bildern unmöglich und doch ist es keine detaillierte, feingranulierte Welt in die wir versetzt werden. Beobachtungs- und Erlebnisfetzen kommen uns in zum Teil recht ruppigem Stil entgegen, stellenweise ist, gleichsam wie Erinnerungslücken an Erlebtes, die Leinwand zu sehen oder auch der Anriss mit Pastellkreiden.
Die Bilder wecken das inwendig Vertraute, die Erinnerungen an Selbsterlebtes: das Gefühl von Fremdheit und Gedränge, von warmem tiefem Sand, der unsere Schritte schwerfällig macht oder an das fahle Neonlicht und warmen Hundedunst in einer U-Bahn. Es sind diese Resonanzen, die durch die Bilder geweckt werden und das Betrachten zum Abenteuer werden lassen.

narrative Elemente jenseits des Mainstreams

Auch wenn manches Motiv auf dem ersten Blick pittoresk anmutet, löst es auf dem zweiten Blick Befremden aus. Gudrun J. Gottstein malt keine anpassungsfähigen Bilder. Sie stehen in ihrer Gegenständlichkeit für sich, oft die Umgebung beherrschend durch die starke Struktur und Farbigkeit. In Zeiten des Abstraktions-Mainstreams, der längst die Wohnzimmer und Plätze hinter den Sofas erobert hat, ein mutiges Statement für die Gegenständlichkeit, das sich anzuschauen lohnt.

Die Vernissage findet am 08.11.2013 um 19:00 Uhr in der Säulenhalle Groß-Umstadt statt.

Die Ausstellung ist freitags von 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr und an den Wochenenden von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr bis zum 01.12.2013 zu sehen.
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