„Zukunft braucht Pflege“

Pflege, das ist Robert Schweihofer zufolge der Arbeitsmarkt der Zukunft. Denn der demografische Wandel führt mehr und mehr zu einem Personalmangel bei Pflegekräften. Jahr für Jahr fehlen mehr Beschäftigte in Pflegeberufen, um die Zahl an Krankenhauspatientinnen und -patienten versorgen zu können. Robert Schweihofer ist Pflegedienstleiter an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg und organisiert den Pflege- und Funktionsdienst der Kliniken. Hierunter fallen unter anderem die Geriatrie, die Intensivstation und S
Pflege, das ist Robert Schweihofer zufolge der Arbeitsmarkt der Zukunft. Denn der demografische Wandel führt mehr und mehr zu einem Personalmangel bei Pflegekräften. Jahr für Jahr fehlen mehr Beschäftigte in Pflegeberufen, um die Zahl an Krankenhauspatientinnen und -patienten versorgen zu können. Robert Schweihofer ist Pflegedienstleiter an den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg und organisiert den Pflege- und Funktionsdienst der Kliniken. Hierunter fallen unter anderem die Geriatrie, die Intensivstation und das Zentrum für Seelische Gesundheit der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg mit über 450 Mitarbeitern an den Standorten Groß-Umstadt und Jugenheim.

Fortschrittliche Reform

Vor zwei Jahren hat er gemeinsam mit den Stationsleitungen eine fortschrittliche Reform für die Pflege auf den Weg gebracht: das sogenannte Skillmix-Modell. „Ein solcher Skillmix oder Qualifikationsmix bedeutet nicht nur, dass ausgebildete, erfahrene Pflegefachkräfte gemeinsam mit jungen Fachleuten in einem Team arbeiten, sondern auch, dass neue, andere Berufsgruppen in die alltäglichen Arbeitsabläufe einbezogen werden“, erzählt der examinierte Krankenpfleger und diplomierte Pflegewirt. Dahinter steckt ein klarer Teamgedanke. „Die Mitarbeiter im Bereich Pflege sollen gefordert aber nicht überfordert werden“, so Schweihofer. „Denn ein Team funktioniert am besten, wenn mehrere Berufsbilder mit mehreren unterschiedlichen Fähigkeiten, also Skills, darin vertreten sind. Das erreichen wir, indem wir die Aufgaben jedes Mitarbeiters individuell an seine Fähigkeiten anpassen. Wir fragen: Was ist Eure besondere Kernkompetenz, die niemand anderes besser und wirtschaftlicher ausüben kann?“ In der Praxis bedeutet das: Entlastung für das Pflegepersonal und mehr Qualität in der direkten Pflege und Kommunikation am Bett des Patienten.

Ziel ist, dass nicht mehr „alle alles machen“

Die direkte Pflege, der patientennahe Dienst mit pflegerischen Aufgaben wie Körperpflege, Verbandswechsel und Medikation bleibt also weiterhin in den Händen der dafür qualifizierten Pflegekräfte. Doch beispielsweise bei administrativen Aufgaben, bei Botengängen, Lagerbestellungen und Transportaufgaben werden die Pflegekräfte nun auch von anderen Berufsgruppen unterstützt, z.B. durch Stationsassistentinnen und Servicekräfte. „Eine enorme Entlastung“, findet Sven Wiegand, Stationsleitung in der Klinik für Geriatrie. „Mussten wir früher die pflegebezogenen Arbeiten unterbrechen, weil zum Beispiel das Essen ausgeteilt werden sollte, werden wir nun von Servicekräften unterstützt, die das Essen für die Patienten vorbereiten und es auch direkt ans Patientenbett bringen. Dadurch ist der Zeitdruck weg, und wir können auch ganz unbürokratisch auf die Wünsche unserer Patienten eingehen. Wir können die Patienten zum Beispiel in Ruhe weiter waschen und uns einen Moment länger als üblich Zeit nehmen für Gespräche.“ Nicht nur die pflegebezogenen Arbeiten sind also im Skillmix sinnvoll an die Fähigkeiten der Mitarbeiter angepasst, sondern auch die administrativen, organisatorischen und logistischen Abläufe im Pflegebereich wurden umverteilt.


Kompetentes Zusammenspiel klappt im Skillmix besser als früher

Die Einführung des Skillmix in der Klinik für Geriatrie ist noch recht frisch: Anfang des Jahres wurden die beiden geriatrischen Stationen am Standort Groß-Umstadt zusammengelegt. Dies bedeutete zugleich die Zusammenlegung von zwei pflegerischen und zwei therapeutischen Teams – eine Herausforderung. Robert Schweihofer organisierte deshalb gemeinsam mit Dr. Martin Schunck, Chefarzt der Klinik für Geriatrie, vor einigen Monaten eine Kick-Off-Veranstaltung: „Diese übergreifende und multiprofessionelle Informationsveranstaltung stimmte die Mitarbeiter auf die Zukunft unserer Geriatrie ein. Wir haben gemeinsam über Räumlichkeiten und Farbgebung der Station entschieden, Tagesabläufe und Standards in der Kommunikation festgelegt“, erklärt der engagierte Pflegedienstleiter.


Wöchentliche, interdisziplinäre Teambesprechungen

Jede Woche findet seitdem eine Teamsitzung mit allen Pflegern, Ärzten, Logopäden, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten und noch Sozialarbeiterinnen statt, um die Fortschritte und Genesungsprozesse der Patienten in der geriatrischen Klinik zu besprechen. Ist es wichtig, dass beispielsweise ein Pfleger einen Patienten beim Essen unterstützt? Ist es wichtig, dass auch ein Logopäde dabei ist, weil der Patient noch Schluckbeschwerden hat? Wissen die Servicekräfte, dass die Nahrung für den Patienten angedickt werden muss? Gemeinsam wird hier an denselben Zielen gearbeitet, die verschiedenen Berufsgruppen haben durch die wöchentlichen Sitzungen einen noch stärkeren Bezug zueinander. „Es ist schön zu sehen, wie die Mitarbeiter sich einbringen. Sie sehen sich inzwischen als geriatrische Mitarbeiter und nicht mehr als Pfleger oder Therapeuten“, freut sich Schweihofer. „So entstanden flache Hierarchien innerhalb unseres multiprofessionellen Teams. Und mehr und mehr fällt auch das Berufsgruppendenken weg.“ Es sei doch auf Dauer motivationshemmend, wenn jeder immer nur dieselben Aufgaben macht, nacheinander und abgekoppelt von der Arbeit des anderen. „Der richtige Mix macht`s“, bekräftigt Robert Schweihofer.

Im Augenblick leben – Am Fortschritt mitarbeiten

Diese Anleitungen zur gemeinsamen Aktivität sind – das hat die Erfahrung gezeigt – für das Team genauso wertvoll wie für den Patienten, der nun die ungeteilte Aufmerksamkeit der Pflegekräfte erfährt. Denn genau das ist das Ziel des Skillmix-Modells: die Angemessenheit für besondere Aufmerksamkeit auch in der Hektik des Alltags zu erkennen. „Wir trösten, informieren, helfen bei der Suche nach Sinn, schlichten Konflikte, verbreiten Ablenkung und natürlich auch Humor“, erzählt Sven Wiegand. Tatsächlich dient ein großer Teil dieser wertvollen Interaktionen zwischen Pflegenden und Patienten der Gefühlsarbeit und damit der Stabilisierung der Gesundheit der Patienten. Und die danken es den Pflegerinnen und Pflegern der Kreiskliniken.

Arbeit im Hier und Jetzt

„In meiner täglichen Arbeit als Pfleger ist es mir vergönnt, im Augenblick zu leben, ganz präsent zu sein. Denn die Beziehung zwischen mir und den Patienten findet immer im Hier und Jetzt statt. Das ist ein Grund, weshalb ich meine Arbeit so schätze. Mir ist wichtig, dass sich die Patienten jederzeit angenommen und verstanden fühlen“, sagt Krankenpflegerin Maren Darmstädter. Diese Nähe, menschliche Zuwendung und die besondere Empathie der Pflegerinnen und Pfleger bewirkt eine ganz spezifische Atmosphäre, die ungewöhnlich zwischen sich eigentlich fremden Erwachsenen ist. „Es gibt Patienten, die regelmäßig zu versorgen sind“, erzählt sie. „Zu ihnen entsteht im Laufe der Zeit eine besonders starke Bindung.“

Patienten werden mehr integriert – und motiviert

An den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg wird die Pflege mit diesem therapeutischen Ansatz gelebt. „Die Lebensfreude und emotionale Stabilität der Patienten zu erhalten oder wiederzugewinnen - das ist uns ein wichtiges Anliegen. Dazu gehören auch persönliche Gespräche und motivierende Aktivitäten mit unseren Therapeuten“, sagt Robert Schweihofer. Er ist überzeugt, dass diese neue Organisation von Kompetenzteams in der Pflege langfristig auch die Patientenzufriedenheit an den Kreiskliniken steigert: „Wir möchten, dass unsere Patienten aktiv am Gesundungsprozess teilnehmen und diesen gemeinsam mit den Pflegenden gestalten. Das gelingt aber nur, wenn unsere qualifizierten Pflegekräfte im Klinikalltag entlastet werden, um den Patienten mit genügend Zeit, Achtsamkeit und besonderer Fachkompetenz zu begegnen.“





Pflege ist eine Kunst wie auch eine Wissenschaft. Zu den Kenntnissen, die man im Rahmen von Ausbildung oder Studium erwirbt, kommen ganz spezifische aber auch empathische Fähigkeiten. Denn Pflegeberufe erfordern ein hohes Maß an fachlicher, sozialer, personeller und methodischer Kompetenz, um Menschen in verschiedenen Pflegesituationen angemessen begegnen zu können. Das ist anspruchsvoll und vielseitig.

• Ausbildung: Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger dauert 3 Jahre. Die Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg bieten hierzu Ausbildungsplätze an. Jährlicher Ausbildungsbeginn ist der 1. Oktober.
• Weiterbildung: Spezialisierungsmöglichkeiten gibt es viele – zum Beispiel zu Pflegefachkräften in den Bereichen Anästhesie und Intensivmedizin, Fachkraft für Dialyse, Fachkraft für Frührehabilitation und Geriatrie/Psychiatrie/Onkologie, Wundmanager, Diabetesberater/in oder Hygienefachkraft.
• Studium: Auch Studiengänge wie Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik, Pflegemanagement und Gesundheitswissenschaft können Interessierte optimal auf die Berufe in der Pflege vorbereiten. Abschlüsse sind der Bachelor und der Master. Der Bereich Mitarbeiterführung spielt hier ebenso eine Rolle wie Methoden zur Praxisanleitung.
• Besondere Pflegemodelle: Im Skillmix-Modell erfolgt jede Abstimmung über die Patientenversorgung gemeinsam im Team – so ist eine aktive Beteiligung der Pflegerin oder des Pflegers gewünscht und nötig. Auch die Mitarbeit in Qualitätszirkeln, Arbeitsgruppen und Projektarbeit wird immer wichtiger. An den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg werden die unterschiedlichen und ganz individuellen Kompetenzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in die tägliche Arbeit einbezogen.
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