So fühlt Roßdorf sich ganz anders an

Schülergruppe im Roßdorfer Rathaus
 
Auf dem Weg zur Justin-Wagner-Schule
Roßdorf: Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderungen Darmstadt e.V. | Im Rahmen der diesjährigen Projekttage an der Justin-Wagner-Schule Roßdorf hat der Arbeitskreis (AK) „Barrierefreies Roßdorf“ unter dem Titel „Roßdorf ganz anders – leben mit Behinderung“ ein Selbsterfahrungsprojekt mit zehn Schülerinnen und Schülern zwischen zehn und vierzehn Jahren durchgeführt. Der AK „Barrierefreies Roßdorf“ besteht seit etwas über einem Jahr und er setzt sich für Barrierefreiheit und gleichberechtigte Teilhabemöglichkeiten ein. Sinn des Selbsterfahrungsprojekts war es, die Heranwachsenden für die Situation von körper- und sinnesbehinderten Menschen zu sensibilisieren und Bewusstsein dafür zu schaffen, worauf es bei einem gleichberechtigten, inklusiven Miteinander ankommt. In den ersten beiden Projekttagen haben die SchülerInnen bereits viel über Formen von Behinderungen, über Hilfsmittel und über die Besonderheiten im Alltag von Menschen mit Behinderung erfahren. Auch haben sie mit Rollstühlen und Augenbinden „ausprobieren“ können, wie es ist, sich mit einer Geh- oder Sehbehinderung fortzubewegen. Auf dem weitläufigen Gelände des BHZ konnten erste Erfahrungen mit dem Rollstuhl gesammelt und das Gelände mit verbundenen Augen und einem Taststock erkundet werden. Relativ einfach, da das Gelände barrierefrei ist und man jederzeit Pausen einlegen konnte, wenn man sie brauchte. Am dritten Projekttag ging es nun aus dem geschützten Rahmen des BHZ hinaus. Eine Tour durch Roßdorf sollte den SchülerInnen die Bedeutung von Behinderung und die Barrieren, mit denen sich Menschen mit Behinderung in ihrer Umwelt konfrontiert sehen, verdeutlichen. An den ersten beiden Projekttagen schien die Gruppe, die vorwiegend aus zehn- und elfjährigen Kindern bestand, Rollstühle vom Spaßfaktor her mit einem Skateboard gleichzusetzen. Auch das Laufen mit verbundenen Augen wurde bis Tag drei noch als „interessant“ und „spannend“ bezeichnet, als wirklich problematisch oder anstrengend wurde es von den Kindern und Jugendlichen bis dahin nicht wahrgenommen. Dies änderte sich am letzten Projekttag: Bei strömendem Regen brach die Gruppe zu ihrer Ortserkundung auf. Trotz des durchweichten und rutschigen Bodens und der vom Regen rutschigen Räder der Rollstühle verkündeten die Jungen voller Überzeugung: „Wir sind Männer, wir schaffen das!“, doch schnell stellten die SchülerInnen fest, dass Rollstuhl fahren, wenn man unebene Wege überqueren muss, wenn es Bordsteinkanten, Anstiege und Gefälle zu bewältigen gilt, wenn ungünstig auf dem Bürgersteig platzierte Mülltonnen, Fahrräder, Werbeschilder oder PKW ein Durchkommen erschweren oder gar unmöglich machen und wenn man eine längere Strecke zurück legen muss, keine Gaudi mehr ist, sondern eine nicht zu unterschätzende körperliche Anstrengung darstellt. Mit verbundenen Augen durch Roßdorf zu gehen, mit den ganzen Geräuschen um sich herum, ohne immer genau zu wissen, wo man sich befindet, sich voll auf die führende Person verlassen zu müssen, forderte viel Konzentration und stellte sich als mental belastend heraus. Die erste Anlaufstelle war das Rathaus, dann ging es zum Frischemarkt in der Ortsmitte. Anschließend besuchte die Gruppe ihre Schule, wo sie mit den Rollstühlen und den Blindenstöcken für einige Aufmerksamkeit bei ihren MitschülerInnen sorgte. Über den Odenwaldring, die Holzgasse und den alten Bahndamm ging es zurück ins BHZ, wo man sich noch einmal zu einer Abschlussrunde mit Reflektion der drei Projekttage zusammenfand. Roßdorf fühlt sich mit Behinderung tatsächlich anders an… Beeindruckt äußerten sich die Schülerinnen und Schüler im Abschlussgespräch über das Erlebte und in Zukunft werden sie Menschen mit Behinderung sicherlich mit anderen Augen wahrnehmen. Ein Projekt, das man nach einstimmiger Meinung der Gruppe unbedingt noch einmal wiederholen sollte.
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