Kleinstunternehmen - das bestgehütete Geheimniss in der EU

Die Besucher aus Südkorea vor dem TIGZ-Gebäude in Gustavsburg gemeinsam mit der TIGZ Geschäftsführerin Gabriele Fladung
Wissenschaftler aus Südkorea zu Besuch im Gustavsburger TIGZ

Die Finanzierung von kleinen und mittleren Unternehmen stand im Mittelpunkt eines Informationsbesuchs der südkoreanischen Regierungsagentur SBC (Small and Medium Business Corporation) bei der TIGZ Technologie-, Innovations- und Gründungszentrum GmbH Gustavsburg, einer Wirtschaftsförderungseinrichtung des Landkreises Groß-Gerau.

Erklärtes Ziel sowohl der deutschen wie auch der südkoreanischen Institutionen ist die Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen beim Start, beim Aufbau und beim Wachstum. SBC hat Wissenschaftler einer Universität in Seoul beauftragt, Maßnahmen zur Steigerung der Erfolgsrate von Unternehmen in der Gründungsphase zu untersuchen, deshalb ihr Besuch bei einschlägigen Institutionen in Frankreich, in England und in Deutschland.

Kleinstunternehmen sind Hauptstützen der Wirtschaft

In Europa, so TIGZ Geschäftsführerin Gabriele Fladung, wird der Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen viel zu wenig Rechnung getragen. Die täglichen Nachrichten legen den Schluss nahe, dass die europäische Wirtschaft von großen, multinationalen Unternehmen beherrscht wird. Übersehen wird, dass über 99 % aller europäischen Unternehmen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind. Sie schaffen zwei von drei Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft und sind für über die Hälfte der gesamten Wertschöpfung aller Unternehmen in der EU verantwortlich. Die Europäische Kommission bezeichnet es als eines der bestgehüteten Geheimnisse, dass es sich bei neun von zehn KMU eigentlich um Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten handelt.
Wie in Deutschland, so dominieren auch in Südkorea die kleinen und mittleren Unternehmen das Wirtschaftsgeschehen. Sie stellen 99 % aller Unternehmen, stellen 87 % aller Arbeitsplätze und sind verantwortlich für 47 % des Bruttoinlandsproduktes im produzierenden Sektors Südkorea.

Was Gründungsunternehmen brauchen

Die Finanzierung ist nicht das Hauptproblem der im TIGZ eingemieteten Gründungsunternehmen, so die Geschäftsführerin Gabriele Fladung. Es handelt sich überwiegend um wissensbasierte, dienstleistungsorientierte Geschäftszweige, die einen vergleichsweise geringen Finanzierungsbedarf aufweisen und diesen über die drei F: Family, Friends and Fools (Familie, Freunde und Verrückte) abdecken können.
Was fehlt sind betriebswirtschaftliches Know-how, unternehmerisches Denken, Wissen um Marketing, Vertrieb, Organisation usw. Diese Themen werden weder in den Schulen noch in der Ausbildung oder in den Hochschulen ausreichend gelehrt. Da gilt es viel nach zu holen.

Basiswissen für die Wirtschaftsförderung

Die TIGZ GmbH hat gemeinsam mit den Kolleginnen des Frankfurter Gründungszentrums Kompass und schwedischen und italienischen Institutionen Curricula für die Wirtschaftsförderung entwickelt. Dieses Basiswissen für Gründungsberater/innen wurde im EU-Programm Leonardo geförderten und im Handbuch ‚BARTOK‘ zusammengeführt.
Theoretische Grundlage liefert das Lebenszyklus-Modell von Gründungen beginnend mit der Geschäftsidee, über den Start, den Unternehmensaufbau bis hin zu den ersten Wachstumsschritten. Über das ‚Mapping-Tool‘ verschafft sich die Wirtschaftsförderung einen Überblick über das Beratungs- und Unterstützungsangebot in der Region. Das ‚Profiling-Tool‘ bietet eine systematische Methode, die Kompetenzen, Ressourcen und Schwächen einer Gründung zu beurteilen. Das ‚Matching-Tools‘ liefert ein effektives Instrument für zielführende Geschäftskontakte zwischen Gründer/innen, Kunden, Lieferanten, Geschäftspartner – im Inland und international. Das Professionalisierungs-Tool regt dazu an, Rolle, Aufgabenstellungen in der Gründungsberatung regelmäßig und kritisch zu überprüfen.

Mit einem herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die wegweisenden Informationen verabschiedeten sich die Besucher aus Südkorea nach einer mehrstündiger intensiven und inhaltsreichen Diskussion.
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