Bei der Eintracht ist alles möglich

Maurizio Gaudino zählte in den 90er Jahren zu den besten Spielern Deutschlands. Der Paradiesvogel spielte unter anderem beim VfB Stuttgart, mit dem er 1992 Meister wurde, bei der Eintracht aus Frankfurt und beim VfL Bochum. In einem Interview spricht er über die Ziele der Eintracht, seine eigene Zeit beim Verein und was diese Saison alles möglich ist.

Niko Kovac hat letztes Jahr mit Eintracht Frankfurt nur über die Relegation den Klassenerhalt geschafft. Derzeit steht man auf Rang 3 in der Bundesliga. Spielt die Eintracht nächstes Jahr in der Champions League?
Nach den vielen Höhen und Tiefen wäre es ihnen absolut zu wünschen. Niko Kovac macht hier auch großartige Arbeit und hat es geschafft sich am oberen Ende der Tabelle zu etablieren. Mit dem ganzen Umfeld, dem Stadion und den Fans, wäre eine Champions-League-Teilnahme traumhaft. Es ist aber noch eine lange und schwierige Saison und ich hoffe, dass sie von Verletzungen verschont bleiben und auch das nötige Glück haben, damit man die Champions-League-Teilnahme wirklich schafft.

Was macht Niko Kovac anders als Armin Veh? Was ist sein Erfolgsgeheimnis?
Ich habe keine der beiden als Trainer gehabt, was die Beurteilung schwierig macht. Was man von außen beurteilen kann, ist, dass Niko Kovac die Spieler erreicht, dass sie umsetzen was er fordert und, dass die Mannschaft eine Einheit auf dem Platz ist. Wenn man dann Erfolg hat, kommt da eine Harmonie hinein, die dann der Schlüssel zum Erfolg ist. Wichtig ist es jetzt, die Niederlagen gegen Bayer Leverkusen und Ingolstadt abzuhaken und dort weiterzumachen, wo man davor war.

Fehlt der Eintracht nicht die Klasse, um dauerhaft oben mitzuspielen?
Da spielen viele Faktoren mit: Bleiben alle Spieler beim Verein? Wer kommt neu dazu? Wie geht man mit einer etwaigen Doppelbelastung um? Das sind ja alles potenzielle Unruhefaktoren. Hier wird sich zeigen, ob man das richtige Händchen hat, um das Team zusammenzuhalten. Grundsätzlich ist diese Saison ja alles möglich. Derzeit schwächeln viele Vereine, selbst die Bayern, die auch nicht gut spielen und trotzdem Tabellenführer sind. RB Leipzig, die zwar kein normaler Aufsteiger, aber immer noch ein Aufsteiger sind, stehen mit einer sehr jungen Mannschaft am zweiten Tabellenplatz. Frankfurt hat diese Situation hervorragend genutzt und steht zurecht dort oben. Wenn man die Euphorie mitnimmt und die entscheidenden Spieler hält, ist bei der Eintracht vieles möglich.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Fredi Bobic als Nachfolger von Heribert Bruchhagen?
Er bespricht sich sicher täglich mit dem Trainer und hält ihm den Rücken frei, damit er in Ruhe arbeiten kann. Letztendlich ist er mitverantwortlich, wer geholt und wer abgegeben wird und hält im Hintergrund die Fäden zusammen. Meiner Meinung nach macht er das ganz ausgezeichnet.

Sie hatten damals Probleme mit dem Trainer Jupp Heynckes. Was ist zwischen Ihnen beiden vorgefallen?
Da ist so viel vorgefallen und doch eigentlich gar nichts. Das ist ja auch schon über 20 Jahre her und ich möchte hier auch gar kein Buch aufmachen, weil sonst im Nachhinein wieder vieles missverstanden werden würde. Ich kann sagen, dass ich damals einige Fehler gemacht habe, die auf Eitelkeiten und Sturheit zurückzuführen sind und die ich so heute nicht mehr machen würde. Die Erfahrung und Weisheit des Lebens lehrt einen hier einiges.

Sie sind noch einmal zur Eintracht zurückgekehrt, was war Ihre Motivation in der 2. Bundesliga zu spielen?
Zwar ist damals viel passiert, ich habe mich jedoch nichtsdestotrotz zum Verein hingezogen gefühlt. Außerdem habe ich eine gewisse Verantwortung verspürt dem Verein zu helfen. Deshalb bin ich dann geblieben und habe alles gegeben, damit die Eintracht wieder aufsteigt und sich stabilisiert. Das war damals gar nicht so einfach, weil wir sehr viele junge und sogar manche Amateurspieler im Kader hatten.
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