Reformation im Odenwald. Meine Bemerkungen zum Vortrag von Frau Pastorin Dr. Antje Vollmer vom 20.01.2017 in der Stadtkirche zu Michelstadt

Höchst im Odenwald: Dr. Helmut Klezl | Am Freitag, den 20. Januar 2017 war ich unter den Zuhörern des diesbezüglichen Vortrags von Frau Dr. Vollmer. Dabei fiel mir einiges auf,  und ich bat Frau Dr. Vollmer mehrmals, hierzu Stellung zu nehmen. Leider antwortete sie mir niemals. Daher veröffentliche ich mein Schreiben auf diesem Wege:
               Höchst, den 23. Januar 2017

Sehr geehrte Frau Pastorin Dr. Antje Vollmer,

Ihrem Vortrag über die Reformation im Odenwald habe ich am letzten Freitag in der Stadtkirche zu Michelstadt interessiert gelauscht. Dabei habe ich aber ein paar Punkte anzumerken und Fragen zu stellen:
Kaiser Sigismund war zwar am Konzil zu Konstanz zugegen, doch war die Verbrennung des Jan Hus nicht in seinem Sinne. Schließlich hatte er ihm ein kaiserliches Geleit zuerkannt. Doch Kanoniker legten dem Kaiser dar, dass dieses Geleit nur für den Hinweg galt. Darum stellte Kaiser Karl V. den Geleitbrief für Dr. Martin Luther explizit für den Hin- und Rückweg aus, denn er wollte „nicht erröten wie Kaiser Sigismund.“

Schon vor der Reformation schlossen sich die Bauern aufgrund ihrer Notlage zusammen, etwa im „Bundschuh“, im „Armen Conrad“ oder dem „Pfeifer von Niklashausen“. Ihre Forderungen waren alt. Doch nun wandten sie sich an den Reformator Dr. Martin Luther. Dieser verlangte die Forderung nach dem reinen lauteren evangelischen Wort an erster Stelle. Dies taten die Bauern auch in ihren neuen „Zwölf Artikeln“. Und Luther dankte es ihnen mit seiner Schrift: “Friede den zwölf Artikeln der Bauern“.

Der Odenwälder Haufen setzte der Burg Wildenberg den roten Hahn auf. Über die Trümmer wuchs in der Folgezeit nicht nur Gras, sondern ein dichter Wald. Zur Zeit Goethes war nichts mehr von einer Burg Wildenberg bekannt, auch nicht im Odenwald selbst. Goethe fand in den Quellen zwar den Hinweis auf „Wildenberg“, in Ermangelung einer so genannten Burg ging er wohl von einem falschen Eintrag oder einer Lautverschiebung aus und setzte die allgemein bekannte Stadt „Miltenberg“ ein.

Mit Ihrem Hinweis, dass Dr. Martin Luther nicht dem Handeln der aufständischen Bauern zustimmte, wollen Sie, Frau Dr. Antje Vollmer, wohl den Reformator schmeicheln. Denn seine Schrift: “Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern“, liest sich anders.
Besonders ergreifend schilderten Sie, Frau Dr. Antje Vollmer, die Anzahl der am 04. Juni 1525 in der Schlacht von Ingolstadt getöteten Bauern. Möglicherweise wollten einige Aristokraten im Sinne Luthers und der Reformation nur einen wahren Gottesdienst zelebrieren. Schließlich erklärte Dr. Martin Luther in seiner Schrift über die Rotten der Bauern: „Wer sie henket, spießet, stechet, mordet, blendet, der begehet wahren Gottesdienst.“
Leider bin ich ein theologischer Laie. Aber vielleicht können Sie, Frau Dr. Antje Vollmer, als Theologin mir erklären, auf welches reine, lautere evangelische Wort sich Dr. Martin Luther dabei berief.

Bezüglich der Gräfin Barbara von Wertheim, die die Reformation in der Herrschaft Breuberg einführte, bedauerten Sie, Frau Dr. Antje Vollmer, dass ihr Wirken in den diesbezüglichen Chroniken unerwähnt blieb. Sie begründeten dies damit, weil sie eine Frau war. Nun, auf katholischer Seite konnte eine Frau innerhalb der Kirche zu hohem Stand kommen. Sie konnte Reichsfürstin werden, wenn sie beispielsweise Äbtissin eines Reichsklosters wurde. Doch sagte nicht der Reformator Dr. Martin Luther selbst: “Das Weib schweige in der Kirche“? Wie stehen Sie zu dieser Aussage, Frau Dr. Antje Vollmer?

Bekanntlich beendete die Reformation das Mittelalter. Gemäß Frau Professor Dr. Edith Ennen endete das Mittelalter, als die Frau aus dem öffentlichen Leben verschwand. Als Mediävist stimme ich dieser Aussage voll zu. Gibt es also einen kausalen Zusammenhang zwischen der Reformation einerseits und dem Verschwinden der Frauen aus dem öffentlichen Leben andererseits? Wie sehen Sie dies, Frau Dr. Antje Vollmer?

Bitte nehmen Sie hierzu Stellung

Mit besten Grüßen aus Höchst im Odenwald

 Dr. Helmut Klezl
(Opfer weiblicher Gewalt)



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