Lutherjahr und Reichsprogromnacht

Der 09. November ist vorüber und wieder wurde an bestimmten Orten der Reichsprogromnacht gedacht, die früher Reichskristallnacht hieß. Landauf, landab wurden Mahnwachen gehalten und Reden geführt, die an die Nacht der brennenden Synagogen erinnern sollten, Wortreich wurde wieder vor den Ursachen und Hetzschriften gewarnt, die diese Brandnacht möglich machte. Alles was diese Nacht und die folgenden sieben Jahre an Leid zufügten, so wird dann feierlich versprochen, darf sich nicht wiederholen, nicht wiederkehren, muss verboten, ausgemerzt und vertilgt werden.
Nun begann gerade das Lutherjahr recht feierlich, wobei man an einen Thesenschlag Martin Luthers erinnerte, der nicht historisch ist. Und Luthers Landesherr, Friedrich der Weise, wäre auch recht böse auf seinen Untertan gewesen, wenn dieser tatsächlich am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablass etc. an die Tür der Schlosskirche genagelt hätte, wo doch Friedrich der Weise am folgenden Tag, am Fest Allerheiligen, seine Allerheiligen-Ablässe verkaufte.
In den zum Beginn des Lutherjahres gehaltenen Eröffnungsreden wurde stets darauf hingewiesen, dass Martin Luther seiner Zeit voraus war. Und er war seiner Zeit um Jahrhunderte voraus. In seiner Schrift:“Von den Juden und ihren Lügen“, forderte Martin Luther bereits im Jahre 1543, dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und was nicht brennen will mit Erde überhäufe und beschütte. Aus welcher Stelle der Heiligen Schrift der Verfechter des reinen, lauteren evangelischen Wortes dies entnahm, will ich hier nicht erfragen.
Knapp vierhundert Jahre später, in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938, dem 455. Geburtstag Martin Luthers, brannten die jüdischen Schulen und Synagogen erstmals im ganzen Reich. Dass die nichtbrennbaren Teile dieser jüdischen Gebäude anschließend nicht mit Erde überdeckt wurden, hängt vielleicht damit zusammen, weil Joseph Goebbels an Museen für eine untergegangene Rasse interessiert war. Das größte Museum dieser Art sollte in Prag stehen.
Martin Luther war also seiner Zeit weit voraus und nicht Kind seiner Zeit. Denn um seine Zeit herum nutzten gerade die geistliche Fürsten die Fähigkeiten der Juden und erlaubten ihnen den Bau von Synagogen. Und manchmal setzten sie auch Militär gegen örtliche Proteste wider des Synagogenbaus ein, wie das Beispiel der unterfränkischen Stadt Alzenau zeigt. Damals sagten sich die Juden noch zueinander:“Unterm Krummstab lässt es sich gut leben.“
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