Luxus Kindebetreuung - Offener Brief an Stadtverordnete der Stadt Lindenfels, sowie die Bürgermeisterkandidaten Alexandra Kleiné und Michael Helbig

Die Bürgermeisterwahl ist entschieden, dennoch möchte ich Ihnen nicht den offenen Brief vorenthalten mit dem ich mich an die im Titel angesprochenen Personen gewandt habe um unseren und den Unmut vieler anderer Eltern zum Ausdruck zu bringen.
Aus Gründen der Übersichtlichkeit werde ich in einem gesonderten Beitrag über den aktuellen Stand informieren.

Luxus Kindebetreuung

Offener Brief an die Stadtverordneten der Stadt Lindenfels,
sowie die Bürgermeisterkandidaten Alexandra Kleiné und Michael Helbig
Liebe Stadtverordnete, liebe Bürgermeisterkanidaten.
Jetzt ist die Katze also aus dem Sack. Auf uns Eltern in Lindenfels und den Ortsteilen kommen die nächsten massiven Erhöhungen für die Kinderbetreuung in den Kitas zu.

Die erste Erhöhung gab es bereits am 1. August des vergangenen Jahres und aufgrund der prekären Haushaltslage der Stadt Lindenfels, wurde diese von der Elternschaft auch hingenommen und größtenteils mitgetragen.
Frei nach dem Motto: „Was einmal geht, geht auch ein zweites und drittes Mal.“ Wurde wohl nun beschlossen den Eltern zwei weitere Erhöhungen aufs Auge zu drücken. Zwar wurde diese Entscheidung bereits einige Zeit vor der anstehenden Bürgermeisterwahl getroffen, öffentlich wird sie jedoch erst nach den Wahlen bekannt gegeben.

Daher ist einem Großteil der Elternschaft noch gar nicht bekannt, was da in den kommenden Monaten auf sie zukommen wird.
Sehr gut ins Bild passt da auch, dass ein klärendes Gespräch zwischen Elternschaft und Magistrat erst am 5. März dieses Jahr stattfinden soll.
Im Wahlkampf selbst findet dieses Thema jedoch nicht statt. Nur allzu verständlich, da es noch nicht in vollem Maße öffentlich gemacht wurde und somit noch nicht im Bewusstsein der Bürger ist.

Hier wollte man wohl den Weg des geringsten Widerstands gehen.
Konkret bedeutet das drei Erhöhungen innerhalb von 1,5 Jahren.
Zum 1. August 2012 stiegen die Gebühren bereits um 35 €, für einen Krippenplatz gar um 75 €. Am 1. Mai 2013 sollen die Gebühren um weitere 35 € steigen und zum 1. Januar 2014 abermals um 35 €. Ein Ende nicht in Sicht!
Ab dem 1. Januar 2014 würde ein Kita-Platz (ab drei Jahre) also 220 €, ohne Frühstück und Mittagessen, kosten. Dies entspricht einer Erhöhung von 91 %.
Ein Krippenplatz soll gar mit 260 €, wieder ohne Frühstück und Mittagessen, zu Buche schlagen. Hier haben wir sogar eine Erhöhung um 126 %!
Dabei spielt es keine Rolle ob ein Kind nur vier Stunden oder gar zehn Stunden betreut wird. Wer sein Kind in die Kita schicken möchte, muss den vollen Preis bezahlen.

Liebe Stadtverordnete, dies ist KEIN moderater Preis, im Gegenteil. Diese Beträge sind für viele Eltern über der Schmerzgrenze, für Eltern mit zwei Kindern sogar nahezu kaum zu stemmen.
Man dürfte mit diesem Gebührenmodell einen Großteil der hessischen Städte und Gemeinden weit übertreffen.

Als Vergleich die Preise der Gemeinden Mörlenbach, Rimbach und Fürth.
Mörlenbach verlangt für einen Regelplatz (ab drei Jahren), 6 Stunden Betreuung, 90 €. Krippenkinder (ab zwei Jahren) werden mit 120 €/ Regelplatz und 150 €/ Tagesplatz abgerechnet.
In Rimbach zahlt man 93 €/ Regelplatz und 110 €/ Tagesplatz.
Bei unserem direkten Nachbarn Fürth kostet ein Regelplatz 105 €, ein Tagesplatz 150 €.

Während es in allen Gemeinden üblich ist mehrere Gebührenmodelle anzubieten, hält man hier daran fest von allen die gleichen Gebühren zu verlangen. Es macht keinen Unterschied ob ein Kind halb- oder ganztags in der Kita untergebracht wird.
Ein Umstand der nicht gerechtfertigt ist. Hier müsste eine klare Abgrenzung der Gebühren stattfinden. Wer die volle Leistung in Anspruch nimmt zahlt den vollen Betrag, wer nicht einen geminderten Betrag.

Da dies jedoch nicht angedacht ist, könnte man mit etwas bösem Willen zu dem Entschluss kommen dies wäre so gewollt um die Einnahmen konstant hoch zu halten und von allen das Maximum an Gebühren zu erhalten.
Die Stadt Lindenfels ist nicht der alleinige Träger der Kitas, jedoch setzt man den evangelischen Gemeinden als weiterem Träger die Pistole auf die Brust. Weigern sich diese die geplanten Gebührenerhöhungen umzusetzen, verlieren sie ihre Trägerschaft.

Die neuerlichen Erhöhungen gehen meines Wissens allein auf den Magistrat der Stadt Lindenfels im Auftrag der Stadtverordnetenversammlung zurück.
Die evangelischen Kirchengemeinden als Träger wurden komplett in der Entscheidungsfindung übergangen, ebenso wie Elternbeiräte und Eltern selbst.
Auch wenn bei allen Diskussionen um Sparmaßnahmen die leeren Stadtkassen und der Rettungsschirm des Landes Hessen erwähnt werden, das Land Hessen schreibt nicht vor man solle die Kita Gebühren ins unermessliche steigern und Familien als Melkesel nutzen.

Sollte der Gesetzesentwurf des hessischen Kinderförderungsgesetzes (HessKiföG) der von der Landesregierung eingereicht wurde tatsächlich beschlossen werden, was ich nicht hoffe, könnte sich die Gebührenerhöhung vollends zum Fiasko entwickeln.
Dieses Gesetz schreibt unter anderem vor wie viele Kinder in Kitagruppen untergebracht werden müssen, um die volle Förderung des Landes Hessen zu erhalten.

Bei der jetzigen Gebührenordnung werden sich Eltern sicherlich zwei Mal überlegen ihr Kinder in den Kitas Lindenfels oder Winterkasten anzumelden, bzw. betroffene Eltern darüber nachdenken ihre Kinder in einer Nachbargemeinde oder bei einer Tagesmutter unterzubringen.
Die volle Förderung durch das Land Hessen dürfte also nicht mehr erreicht werden, weitere Gebührenerhöhungen wären die Folge.
Ich kann allen Eltern, ob betroffen oder (noch) nicht, nur raten aktiv zu werden. Sprechen sie mit ihren Elternbeiräten, sprechen sie die Stadtverordneten an, kontaktieren sie die Bürgermeisterkandidaten und machen sie ihrem Unmut Luft.
Zeigen sie, dass sie mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind und diese nicht einfach hinnehmen werden.

Die Stadt Lindenfels muss sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst sein und die geplanten Erhöhungen auf Eis legen, wenn nicht sogar ganz stoppen. Wir alle wissen wie die Kosten in den vergangenen Monaten und Jahren explodiert sind. Grundbesitzabgaben, Mieten, Strom, Heizung, Benzin, Lebensmittel usw..
Diese Erhöhungen treffen vor allem Eltern schwer. Statt sie zu entlasten geht man in die vollen und nutzt die Tatsache aus, dass die Unterbringung in Kitas für Kinder sinnvoll und nötig ist, da sie hier mit anderen Kindern unter pädagogisch ausgebildetem Personal an einem abwechslungsreichen und strukturierten Tagesablauf mit festen Elementen teilnehmen. Außerdem wird den Eltern ermöglicht, dass beide wieder ins Berufsleben einsteigen können.
Ich erwarte auch von den beiden Bürgermeisterkandidaten dass sie sich diesem Thema annehmen.

Thomas Boettiger und Familie
Lindenfels 23.02.2013

Die aktuellen Gebühren können sie hier nachlesen.
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