Neuer Radball-Bundestrainer kommt aus Gärtringen

Matze König seit Januar 2017 Bundestrainer im Radball Foto: Gido Heß
BDR/ König: Bundestrainer ist sein Hobby
„Da ist nichts verdient. Das ist ein Hobby.“ Auf diesen Nenner bringt Matthias
König seinen neuen „Nebenberuf“. Seit Jahresbeginn zeichnet der 35-Jährige,
2010 Weltmeister mit Partner Uwe Berner, für die Sparte Radball im
BDR verantwortlich. Dass der diplomierte Sportwissenschaftler, der auch
die Trainer-Scheine besitzt, so kurz nach seiner aktiven Karriere in die Bütt
steigen würde, kam überraschend. „Ja, ich hätte gerne ein, zwei Jahre gewartet,
anderseits habe ich diese Chance gerne beim Schopf gepackt.“ Und
seine erstes Ziel umreißt er mit einem Wort: „Professionalisierung.“
„Matze“ galt auf dem Bike als kompletter Stürmer. Aber auf den WM-Coup
folgten auch Flauten und bittere Niederlagen. Das hat ihn geprägt. „Mit diesen
Erfahrungen und meinem beruflichen Hintergrund möchte ich dem Team
helfen.“ Der erste Lehrgang mit den A-Kader-Athleten liegt hinter ihm, die
Aktiven, mit denen König noch selbst intensiv „die Klingen“ kreuzte, erlebten
den neuen Bundestrainer als neutralen Beobachter. „Ich habe gespannte Erwartungen
gespürt. Alles andere will ich mir verdienen, denn ich kann nur
punkten, wenn mein Engagement einen Mehrwert darstellt.“
Der König, der auf den King folgt, überzeugte die Verbands-Oberen durch
sein Konzept, das Themen wie Trainings-Steuerung, organisatorische Ver-
änderungen, Retuschen am Wettkampfkalender und Coaching beinhaltet.
Er sammelt einen Mix aus Spitzenteams und Nachwuchs-Mannschaften um
sich. Für alle will er „eine durchgängige Struktur schaffen. Die Ziele werden
definiert, für die Etablierten wie die jungen Sportler. Und an diesen Fix-Punkten
muss man sich entlang hangeln und orientieren.“
Der junge Vater, der auch privat an einem neuen Haus baut („der Estrich
wird gelegt“) sieht sich als Partner, „der Tipps geben kann.“ Das beginnt bei
der Ernährung, geht über die Lehrgangs-Beratung und endet bei der direkten
Wettkampf-Vorbereitung. „Radball steht am Scheideweg“, sagt Matthias Kö-
nig. „Vor einigen Jahren hat sich der Kader wie von selbst aufgestellt“, heute
fehlen Teams, die wie selbstverständlich auf Augenhöhe mit der internationalen
Top-Konkurrenz sind. Das letzte deutsche Gold gewannen Berner/
König, beim Heimspiel in der Porsche-Arena zuletzt konnte Stein (Bernd und
Gerhard Mlady) als Neuling mit einer attraktiven Spielweise und dem Gewinn
der Bronzemedaille die Erwartungen erfüllen. Aber „Österreicher und
Schweizer bleiben weiterhin favorisiert, weil sie seit Jahren gute Leistung
auf hohem Niveau abrufen können. Mit dieser Situation aber wollen wir uns
nicht begnügen.“
Zweimal pro Woche sitzt der Übungsleiter des BDR, traditionell (nur) mit
einem Handschlag verpflichtet, in der Gärtringer Schwarzwaldhalle selbst
auf dem Rad. Und wenn morgens Frau und Kind noch schlafen, zieht er sich
Videos von Bundesliga-Partien rein, weil seine Zeit für Live-Besuche noch
begrenzt ist. Das will er mit Beginn der Saison-Hochphase im Spätsommer
ändern. In Abstimmung mit den Vereinstrainern („geschafft wird daheim“)
und der Überzeugung, alles immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die erste
Prüfung der Wahrheit steigt mit der WM im November 2017 in Vorarlberg.
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