1917 - Vor hundert Jahren im Odenwald

Das Neueste aus dem Centralanzeiger für den Odenwald 1917 ist in dem „Büschelsche“ zu lesen „Vor hundert Jahren 1917“ mit dem Untertitel „Vierhundertjährige Jubelfeier der Reformation“.
In diesem vierten Kriegsjahr wird die Not der Bevölkerung immer größer. Im Januar sind im Interesse der Kohlenersparnis die Weihnachtsferien bis 16. Januar verlängert worden. In einem Spar-Rezept für Dickwurzel (Rummelse) sollen diese, „richtig zubereitet, ein wohlschmeckendes und zartes Gemüse“ ergeben. Im Februar wird vom tragischen Tod des Grafen Eberhard zu Erbach berichtet. Im März wird in Erbach die Kriegssuppenküche eröffnet um Notleidenden zu helfen, „denen es schwer wird, das zum Leben Notwendige in diesen Tagen sich zu verschaffen“. Eine junge Ehefrau, deren Mann “z. Zt. im Felde steht, hat sich die Kehle durchgeschnitten“. Im April sind aus „dem 180 Einwohner zählenden Birkert beinahe ein Sechstel zu den Fahnen geeilt“. In König treffen im Lazarett „35 kranke und verwundete Krieger ein, die mit dem Lazarettzug direkt aus den Kämpfen bei Reims“ kamen. In Erbach können in der Suppenküche täglich nur „etwa 300 Portionen gekocht werden, nur die Allerbedürftigsten sollen davon Gebrauch machen“. Im Mai wird vor „Feindlichen Flugblättern in der Heimat“ gewarnt. „Das Rindenschälen ist in vollem Gang“, es fehlen aber die Arbeitskräfte. Im Juni teilt das „Kriegsernährungsamt“ mit, dass der Vorverkauf der Ernte 1917 verboten wird, Kaufverträge über Roggen, Weizen, Spelz (Dinkel) werden für nichtig erklärt. Die Sommer- und Herbstferien der Volksschulen werden, mit Rücksicht auf die Verwendung der Schulkinder bei den Erntearbeiten“ verlängert. Die Michelstädter Kirchenglocken, „deren prächtiges harmonisches Geläut weit und breit bekannt ist, werden nicht eingeschmolzen, sondern bleiben erhalten. Als Ersatz wird das Glockenspiel für das Vaterland geopfert“. Im Juli wird in Beerfelden nach Erz geschürft. Im August gibt es in Breitenbrunn „eine sehr seltene Naturerscheinung, einen Mondregenbogen“. Die Herstellung von Papiertaschentüchern wird verboten. Im September treten „Verdunklungs-Maßnahmen wegen der vergrößerten Fliegergefahr“ ein. Im Oktober feiert man die „Vierjahrhundertfeier der Reformation“ in bescheidenem Rahmen, während der 400. Geburtstag von Martin Luther im Jahre 1883 feierlich mit dem Pflanzen von Linden überall im Kreisgebiet begangen wurde. Im November soll, wegen der Gemüseknappheit, der „Nachwuchs von Weißkohl, Rotkohl und Wirsingkohl“ geerntet und zum Verkauf gebracht werden. Die „für die Brotversorgung zugewiesene Mehlmenge ist um 10 % gekürzt worden“. Am 24. Dezember lässt „die Gräfin-Mutter zu Erbach 1200 Mark als Weihnachts-Geschenk an arme Erbacher Kriegerfrauen und Witwen verteilen.
Seit 15 Jahren erscheinen die Ereignisse aus dem Centralanzeiger im Druck. „Vor hundert Jahren 1917“ wird vom HGV Lützelbach herausgegeben, hat 60 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und ist wieder zum Preis von 5 Euro im örtlichen Buchhandel erhältlich.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.