Das 550. Todesjahr von Johannes Gutenberg

Erwin Müller, Michelstadt und Erwin Kreim, Mainz/Otzberg mit einer Inkunabel
Dem „Vater der Massenkommunikation“ war das April-Odenwald-Forum in Höchst-Hummetroth gewidmet, was erneut einen großen Besucherstrom auslöste. Zunächst zeichnete Dr. Erwin Kreim, Mainz /Otzberg ein sehr anschauliches Bild des „Man of the millennium“ indem er Ausschnitte des Monumentalbildes der „Frühbürgerlichen Revolution in Deutschland“ des Malers Werner Tübke in Bad Frankenhausen als Ausgangspunkt seiner Beschreibungen nahm. Diese „Sixtina des Nordens“ ist ein brillantes Gemälde in altmeisterlicher Formensprache, ein Welttheater menschlicher Leidenschaften. Es zeigt Gutenberg im Gespräch mit seinen Geldgebern Welser und Fugger. Leidenschaftlich ging Johannes Gutenberg daran, seine Idee zu verwirklichen: mit einzelnen, wiederverwendbaren Lettern Texte zu drucken. Er bildete ein Team von Spezialisten, das die bahnbrechende riskante Innovation vorantrieb. In der Epoche sozialen und wirtschaftlichen Umbruchs lagen Erfolg und Scheitern eng beieinander.
Nachdem es ihm gelungen war, einzelne Buchstaben zu gießen und zu setzen, dachte er groß. Sein Druckverfahren sollte genau so prachtvolle Werke ermöglichen, wie die besten Handschriften der Klosterschreiber. So druckte er ab 1450 die „Gutenberg-Bibel“, heute ein Glanzstück im Gutenberg-Museum Mainz.
Von Mainz aus verbreiteten sich die Druckereien zunächst an die wirtschaftlich bedeutenden Orte: Augsburg, Nürnberg, Köln, Straßburg, Basel, Paris und vor allem nach Venedig, dem Tor zur Welt. Es entstanden große Bibliotheken im Kloster Sponheim und Worms, bedeutende Zentren des Frühhumanismus, die allerdings in der Reformationszeit aufgelöst wurden. Aber eine sehr wertvolle Büchersammlung blieb im Odenwald erhalten!
Im zweiten Teil des Abends schilderte Erwin Müller, ehrenamtlicher Bibliothekar der „Nicolaus-Matz-Bibliothek“ (Kirchenbibliothek) in Michelstadt, wie die Kirchengemeinde Michelstadt zu diesem Juwel gekommen ist. Der aus Michelstadt stammende Rektor der Universität Freiburg und Speyer Domherr Nicolaus Matz (1443-1513) stiftete 1499 seiner Heimatgemeinde eine Sammlung von 117 gebundenen Büchern. Glücklicherweise wurde diese Sammlung durch die Grafen von Erbach noch erweitert und blieb auch in Kriegswirren weitgehend erhalten.
Sie umfasst heute noch 170 Frühdrucke (vor 1500 gedruckt), sogenannte Inkunabeln. Die teilweise sehr seltenen und wertvollen Bücher bereichern immer wieder große Ausstellungen, z.B. die Jubiläums-Ausstellung zum 600. Geburtstag Johannes Gutenbergs im Jahr 2000 in Mainz.
Ein besonderes Erlebnis des Abends war es, dass Herr Erwin Müller eine Kostbarkeit zur Anschauung mitgebracht hatte. Solche Exponate sind selten so aus der Nähe zu bestaunen. Die 1473 bei Gutenbergs Nachfolger Peter Schöffer in Mainz gedruckte „Decretales Gregorii IX“ beeindruckt durch die Weiterentwicklung der Drucktechnik mit unterschiedlichen Lettern.
In seinem Dank an die Referenten unterstrich Thomas Hess, Vorsitzender des HGV Lützelbach, dass die Unmittelbarkeit der Begegnung mit der Erfindung Gutenbergs diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis werden ließ. Es sei nachvollziehbar geworden, dass Johannes Gutenberg zur wichtigsten Persönlichkeit des letzten Jahrtausends gewählt wurde.
Der Besuch der Nicolaus-Matz-Bibliothek in Michelstadt ist nach Voranmeldung möglich, siehe dazu die Internetseite der Stadt Michelstadt.
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