Odenwald-Forum - Führten alle Wege nach Rom? Das Römische Straßennetz und der Odenwald

  Mehr als 50 Interessierte waren zum Oktober-Odenwald-Forum nach Höchst-Hummetroth gekommen um den Ausführungen des studierten Physikers Michael Ditter aus Michelstadt zu folgen. Über ein Projekt zur Simulation der Ausbreitung der Antoninischen Pest hatte Ditter sich mit einer Rekonstruktion des römischen Verkehrsnetzes beschäftigt.
Diese Forschungsarbeit kommt nun dem Odenwald zu Gute. Ditter spannte in seinem unglaublich umfassenden Vortrag den Bogen vom Römischen Weltreich bis in den Odenwald. Unter Tabulae-Geographicae sind diese Karten im Internet einsehbar.
Das über 120.000 km Fernstraßen lange Wegenetz hatte auch eine ideologische Bedeutung für das römische Kaiserreich. Das Itinerarium Antonini umfasste 17 Strecken und weitere Nebenstrecken mit 2065 Stationen.
Die 7 m lange und 35 cm hohe Karte „Tabula Peutingeriana“ in der Endfassung von 375 n. Chr. ist eine der ältesten Quellen für die römischen Verkehrswege. Meilensteine sind uns bis heute erhalten, so z. B. an der Neckarbrücke in Heidelberg. Hier befanden sich 8 Meilensteine fast an der gleichen Stelle, immer wieder neu gesetzt, zum Teil auch zweimal verwertet. Es entstand ein staatliches Transportwesen, das den Berechtigten Wagen, Tiere und Unterkunft zur Verfügung stellte und das auch vom Militär benutzt wurde. Der Unterhalt der Straßen wurde durch die Gemeinden finanziert. Wichtig war eine wetterfeste Oberfläche. Römerstraßen sind uns in Teilstücken im Odenwald bis heute sichtbar erhalten im Michelstädter Stadtwald im Bereich Rote Heide und als Limesbegleitweg bei Würzberg. Ab 70 n. Chr. erfolgte eine bessere Anbindung der Donauprovinzen an den Rhein. Es entstanden Straßenführungen von Mainz über den Rhein und den Main, zum Neckar und dann zur Donau. Seit der Zeit Kaiser Trajans kam es zum planmäßigen Ausbau in unserem Gebiet mit den Hauptorten Dieburg und Ladenburg und zu einer Besiedlung entlang der neuen Wegstrecken, wobei sich im Odenwald die Besiedlung primär auf das Mümlingtal bis hin in den Michelstädter Raum konzentriert hat. Entlang der einstigen Limesbegleitstraße setzte sich deren Nutzung auch nach Vorverlegung des Limes und dem Abzug des Militärs von der Odenwaldstrecke fort, wie Beispiele aus Schloßau, dem Heiligtum an der Schneidershecke und Hesselbach belegen. Der Fernhandel nutzte wann immer möglich die Wasserstraßen.
Auf der vom Referenten in unzähligen Arbeitsstunden angefertigten Karte mit den Fundstellen aller bisher zu Tage gekommenen römischen Hinterlassenschaften, verbunden mit den Römerstraßen, entstand ein lebendiges Bild des Odenwaldes in römischer Zeit. Wohnplätze, Kastelle, Raststationen und Heiligtümer zeigen, dass der Odenwald zu dieser Zeit kein menschenleeres Land abseits aller Verkehrswege war. Wie bei den Foren üblich, schlossen sich rege Fragen der Zuhörer an, die der Referent mit großem Sachverstand klären konnte. Neuere römische Funde im eigentlichen Odenwald abseits des Limes seien derzeit nicht bekannt. Aktuellere archäologische Arbeiten konzentrierten sich primär auf die Limeslinie – besonders hier könnte auch die Windkraft-Bautätigkeit entlang der Limesstrecke neue Fundstücke bringen.
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