Odenwald-Forum - Kriegserlebnisse - Vertreibung und Flucht der Katharina Kramler

Beim jüngsten Odenwald-Forum in Höchst-Hummetroth konnte der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach, Thomas Hess, wieder zahlreiche Besucher begrüßen, die dem überaus ergreifenden Bericht des Referenten Helmut Kramler, Höchst, aus seiner Familienchronik interessiert folgten. Viele hatten ähnliche Schicksale erlitten. Kramler zeigte anhand anschaulicher Bilddokumente den Weg seiner Familie aus dem Sudetenland in die neue Heimat bis nach Höchst-Hassenroth:
Die Mutter Katharina hatte es mit ihren Kinder Helga und Helmut nach Vertreibung und Flucht aus der Tschechoslowakei bis nach Österreich geschafft. Über das Österreichische Rote Kreuz ließ sie ihren Ehemann suchen, der im Juni aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war. Auch dieser stellte einen Suchantrag. Er vermutete Frau und Kinder an der Donau und wirklich, dort traf sich die Familie in Enns an der Donau. Die Familie aber war in Österreich staatenlos – nur geduldet. So entschied der Vater: „wir fahren nach Deutschland, heim ins Reich“. In einem Viehwagen ging es 1946 in das zerstörte Deutschland. Die Familie wollte bei Schongau den Zug verlassen, weil dort schon die Oma wohnte, doch das wurde verhindert. Bayern war schon mit Heimatvertriebenen überfüllt, es gab keinen Platz. Nach Wochen erreichte der Zug Grebenstein bei Kassel, das Ende der Odyssee? Auch hier war alles überfüllt, in einer Baracke fand die Familie notdürftig Unterschlupf. Wie sollte es weitergehen? Kramlers bewarb sich um eine Vollbauern-Siedlerstelle, doch das Los entschied gegen sie. Im damaligen Zonenrandgebiet gab es wenig Chancen. Erst 1956 erhielten die Eltern vom Kulturamt Kassel die Nachricht, dass in Hassenroth im Odenwald eine Vollbauern-Siedlerstelle zu besetzen sei. Mit 52 Jahren konnte der Vater eine neue Existenz aufbauen. Für die Familie war es „die fünfte Heimat“ nach dem Krieg.
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