Ein richtig abgehobenes Ferienlager

Simon Koch nach seiner am vergangenen Samstag bestandenen A-Prüfung mit dem traditionellen Brennnessel- und Distelstrauß, der in der Zukunft für die Feinfühligkeit der Hände beim Steuern sorgen soll / Fotograf: Felix Koch
 
Simon Koch (links) und David Sokolov (rechts) checken das Segelflugzeug, bevor es losgeht.
Michelstadt: Flugplatz Vielbrunn |

Vielbrunner Segelflieger haben auch daheim viel Spaß und Erfolg



Auch Ferien zu Hause können richtig abgehobene Gefühle mit sich bringen: Das zumindest sind die Erfahrungen der Vielbrunner Segelflieger, die ihr „Fliegerlager" in der ersten August-Hälfte auf dem eigenen Platz nahe des Limes verbringen.
„Sehr cool", fasst die 14jährige Flugschülerin Julia Schwarzbeck, ihre Fliegerla-ger-Impressionen zusammen. Neben den täglichen Flügen, die, soweit das Wet-ter es zulässt, von 10 bis 20 Uhr auf dem Programm stehen, gehören morgens das gemeinsames Frühstück oder abends das Lagerfeuer zum Campleben der Odenwälder Flieger. Hier tauschen sich dann Leistungsflieger und Flugschüler gleichermaßen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse bei geselligem Beisammen-sein aus. Zusammen mit Gästen, die eigens aus Hildesheim angereist sind, über-nachten viele mit ihren Familien in Zelten, Wohnmobilen oder Wohnwagen auf dem Flugplatz, obwohl sie teilweise sogar in der Nähe des Flugplatzes wohnen. Dass das Wetter bislang nicht gerade perfekt ist, ist für die Piloten nicht so schlimm, denn dann wird die Zeit für die weitere praktische und theoretische Ausbildung durch die ehrenamtlichen Fluglehrer des Vereins genutzt. „Zu einem erfolgreichen Start gehört eine nicht minder erfolgreiche Landung, die viel Kon-zentration und Können erfordert, und dass müssen sogar die Scheinpiloten stän-dig trainieren", sagt Vereins-Pressereferentin Susan Breitenbach. Die jüngeren Nachwuchsflieger helfen der Stimmung auch mal mit einem Bad im kleinen Pool, gemeinsamen Volleyballspielen oder Wasserbombenschlachten auf die Sprünge. Nebenbei bringen die Flieger Flugplatz und Gelände „auf Vorder-mann " oder müssen auch mal Bad und Dusche putzen. Simon Koch und David Sokolov, beide ganz „frische" Prüflinge der ersten Etappe zum Segelflugschein, haben seit kurzem ihren A-Schein in der Tasche, weil sie erstmals ganz allein ohne Fluglehrer abheben durften. Beim ersten und zweiten Alleinflug sei er schon ganz schön aufgeregt gewesen, aber beim dritten ging es dann, sagt Simon, dessen Großvater, Vater, Mutter, Onkel und Bruder bereits seit Jahren im Luftraum über Vielbrunn zu finden waren und sind.
Gehofft wird aber weiterhin auf gutes Wetter, den auch die Profis wollen noch Erfolge „erfliegen“, die darin bestehen, mittels Thermik, also mit von der Sonne erwärmter Luftmassen, aufzusteigen und möglichst weite Strecken und großer Geschwindigkeit zurückzulegen. Passen die Wetterverhältnisse, dann können an einem Tag schon auch einmal 800 km und mehr zurückgelegt werden, und das ganz ohne Treibstoff. Das macht nach Ansicht der Amateure und Könner dieses Sports die Faszination des Segelfliegens aus: Das Spiel mit den Elementen der Natur auf der Suche nach Auftrieb. Flugschüler, die bereits im Alter von 14 Jah-ren mit der Ausbildung beginnen dürfen, profitieren oft vom Erlernten in der Schule und späteren Berufsleben. Nicht nur Physik, Mathematik und Meteorolo-gie stehen auf dem Stundenplan, auch Teamgeist, Hilfsbereitschaft und gegen-seitige Verlässlichkeit sind für dieses Hobby ganz besonders wichtig, denn allein kommt ein Segelflugpilot in der Regel nicht in die Luft, und auch der eine oder andere Überflieger muss, wenn ihm unterwegs mal der Auftrieb ausgegangen ist, von Vereinskameraden selbst von „entlegenen Äckern“ abgeholt und das Segelflugzeug im Hänger nach Vielbrunn zurückgebracht werden.
Wer dieses Hobby einmal ausprobieren will, kann das mittels Schnupperkursen und Rundflügen, die der Verein fast ganzjährig an den Wochenenden anbietet, tun. Das Ferienlager des Flugsportclubs Mümlingtal geht noch bis zum 14.08. (Infos dazu im Internet unter www.fscm.de).
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