Nima e.V.: Münsterer Ghana-Hilfe ohne Worte / Trauriger Vorfall

 
Mariam Tijani gemeinsam mit ihrem Onkel Amin Zaaki, als sie 7 Jahre alt war. Amin Zaaki, Gründer und Vorstandsmitglied von Nima e.V., ist entsetzt darüber, was seiner Nichte angetan wurde.
Liebe Leserinnen und Leser,

ohne Worte sitze ich nun bereits mehr als 10 Minuten vor diesem Brief, den wir an alle Nima e.V. Freunde und Förderer versenden möchten. Ich kann meine Gedanken, meinen Schmerz darüber, was einem unserer Schützlinge angetan wurde, nicht in Worte fassen.

Mariam Tijani ist 10 Jahre alt und ist seit einigen Jahren eine unserer Schülerinnen, die im Rahmen unserer gemeinnützigen Projekte in Ghana schulisch gefördert werden. Sie ist nicht nur eine gewöhnliche Teilnehmerin, sondern Teil der Familie, meine Nichte, was es nicht gerade einfacher macht, diesen Brief zu verfassen.

Während des letzten Besuches meines Mannes in Ghana stellte sich heraus, dass unsere Nichte Mariam mehrfach sexuell missbraucht wurde. Da der Vater von Mariam (mein Schwager), psych-isch erkrankt ist, hat sich Mariams Mutter von ihm getrennt und hat Mariam mit sich genommen. Als sie dann erneut heiratete lies sie Mariam bei der Oma zurück und zog ohne sie zu ihrem neuen Ehemann.

In Ghana ist dies leider nach wie vor gängige Praxis, dass Kinder bei Verwandten wie Oma, Opa, Tante oder Onkel aufwachsen, da sich die Eltern nicht kümmern können oder wollen. So sind die Kinder meist auf sich gestellt und oft schutzlos.

So auch Mariam. In dem Haus ihrer Oma wurde sie von einem anderen Hausbewohner, der ein ferner Verwandter der Familie mütterlicherseits ist, wiederholt sexuell missbraucht.

Nach der letzten Vergewaltigung hatte Mariam unerträgliche Schmerzen, so dass sie ihrer Tante und ihrer Mutter weinend davon berichtete. Sie wurde noch am selben Tag ärztlich untersucht und es wurde nicht nur diese eine Vergewaltigung bestätigt, sondern ein mehrfacher Missbrauch festgestellt.

Der Täter wurde ebenfalls noch am gleichen Tag verhaftet. Und dann geschah das noch Unfassbarere. Die Familie der Mutter versucht seitdem den Täter aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Er soll sich entschuldigen und eine Entschädigung zahlen, denn es sei ja schließlich eine Familienangelegenheit, argumentiert die Seite von Mariams Mutter.

Das macht uns wütend und sprachlos, so dass wir uns als Verein nun offiziell eingeschaltet haben und uns für Mariam stark machen. Wir setzen alles daran, dass der Täter seine gerechte Strafe bekommt und haben Menschen in Ghana an unserer Seite, die mit uns gegen diese Tradition des Schweigens ankämpfen.

Mittlerweile ist der Täter einer Spezialeinheit der Polizei zur Bekämpfung sexueller Gewalt übergeben worden, so dass wir die Hoffnung auf eine Verurteilung des Täters haben. In Ghana landen nur ca. 10% der Missbrauchsfälle vor Gericht, da sich die Familienangehörigen oft schämen bzw. den Täter, statt das Opfer, schützen wollen, um ihren Ruf nicht zu verlieren.

Genau dies passiert gerade auch Mariam, die unter Druck gesetzt wurde ihre Aussage zu ändern. Die Grausamkeit an Mariam geht somit weiter. Darüber hinaus wurde Mariam von ihrer Mutter, die aufgrund des Missbrauchs versprochen hatte Mariam nun zu sich zu nehmen, noch am selben Tag wieder bei der Oma zurückgelassen. Wieder alleine in dem Haus, wo sie all diese Schmerzen bereits ertragen musste. Da der Vater aufgrund seiner Erkrankung Mariam nicht zu sich nehmen kann, hat Nima e.V. beschlossen Mariam in unserem One Love Children’s Home in Tuba aufzunehmen. Wo wir ihr eine sichere Umgebung und gute Ausbildung bieten können. Denn Mariam ist eine unserer besten Schülerinnen.

Im Dezember startet Nima e.V. ein neues Projekt im medizinischen Bereich. In diesem Rahmen wird eine Hebamme aus unserem Freiwilligen-Team, unter anderem Aufklärungsarbeit für Frauen und Mädchen anbieten und in Zusammenarbeit mit lokalen Hebammen und Ärzten ein langfristiges Programm ausarbeiten.

Aufgrund des Martyriums von Mariam möchten wir gerne auch das Thema sexuelle Gewalt angehen. Wir möchten Aufklärungsarbeit leisten, unsere Mitarbeiter schulen und auf das Thema sowie auf die in Ghana gelebte Tradition des Schweigens aufmerksam machen. Wir möchten eine Anlaufstelle für Opfer bieten, ihnen psychologische Unterstützung zukommen lassen und uns vor Gericht für sie stark machen. Wir möchten über Kinderrechte und den Schutz von Kindern sprechen. Wir möchten Kinder und auch all diejenigen, die mit Kindern arbeiten, stärken und ihnen Mut machen, nicht zu schweigen. Sondern verstehen, dass sexueller Missbrauch ein grausames Verbrechen ist, für dass es keine Entschuldigung gibt. Und dass die Täter dafür bestraft werden müssen und die Opfer geschützt!

Mariam hatte Glück, dass ihr Onkel (Amin Zaaki) gerade zufällig in Ghana war und sich persönlich dafür stark gemacht hat, dass der Täter ins Gefängnis kommt. Und dafür gekämpft hat, dass der Täter dort auch bleibt. Viele andere Opfer haben keinen Fürsprecher und sind ganz auf sich gestellt. Wir möchten den Opfern eine Stimme geben und den Fall von Mariam in die Öffentlichkeit tragen, um das Schweigen zu brechen.

Wir haben einen langen und nicht einfachen Weg vor uns. Diesen Weg können wir nur gemeinsam mit Ihnen beschreiten. Um die Opfer zu schützen, werden wir Gelder benötigen, ohne die es nicht möglich sein wird langfristig ein Projekt auf die Beine zu stellen. Wir sind daher für jede Spende dankbar, die uns dabei hilft, die Opfer sexueller Gewalt zu schützen und das Thema öffentlich zu machen.

Ich danke Ihnen im Namen von Mariam, meiner Familie und Nima e.V.!

Anna Zaaki
1. Vorsitzende

P.S. Wir möchten Familie Yusuf Sakinc aus Münster vielmals für ihre spontane Bereitschaft danken, die persönliche Patenschaft für Mariam zu übernehmen. Vielen Dank!

Kontakt und Informationen:
www.nima-ev.de, info@nima-ev.de und 06071 / 829903-0

Spendenkonto:
74 30 370, Vereinigte Volksbank Maingau eG, BLZ 505 613 15
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