Und morgen pflanzen wir einen Apfelbaum

Ankunft im Vereinsgarten des Obst- und Gartenbauvereins (Foto: Hans Joachim Brugger).
 
Der Vereinsgarten des OGV: Im Oktober ein Sommertagtraum (Foto: Hans Joachim Brugger)
Über drei Tonnen Äpfel haben die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Nauheim in diesem Jahr bereits geerntet. Über fünfzig Altsorten – Äpfel, Birnen, Kirschen. Zwetschen, um nur einige Beispiele zu nennen – gedeihen auf der Hochstammanlage auf dem Seichböhl, der vom OGV gepflegt wird. 2 285 m² ist der Vereinsgarten am Seeweg groß, in dem Obst, Gemüse, Kräuter und Blumen gedeihen und „nur“ rund 230 Mitglieder bewerkstelligen die gesamte Arbeit.

Und dann wieherte auch noch der Amtsschimmel: Ein Container auf dem Gelände des Vereinsgartens war nicht genehmigungsfähig. Darin sollten Gerätschaften, die zur Bewirtschaftung erforderlich sind, aufbewahrt werden. Dem „Schimmel“ wurden „Zügel“ angelegt: Die Gemeinde und der Kreisbeigeordnete Gerald Kummer, auch zuständig für das Kreisbauamt -so erzählt Gemeindevorstandsmitglied Hans Joachim Brugger - hatten nicht nur ein Einsehen, sondern auch eine Idee: Der Container wurde mit einer Holzverkleidung „landschaftstauglich“ gestaltet, fügt sich heute wunderbar ins Bild des Vereinsgartens ein und ist schon mal vorsorglich für die nächsten zehn Jahre genehmigt.

Wie das alles wunderbar zusammen passt, davon überzeugten sich Mitglieder der CDU-Fraktion am Samstag, 19. Oktober 2013, beim Besuch im Vereinsgarten. Klaus Hübner, der Erste Vorsitzende des OGV führte durch die Anlage, in der derzeit nicht nur die Dahlien wunderbar blühen, Rosen noch in voller Blüte stehen und riesen Kürbisse erste Vorboten von Halloween sind, sondern Junikäfer und Biene „Maja“ vergessen lassen, dass es Herbst ist.
Sein 120jähriges Bestehen feiert der Verein im kommenden Jahr, dessen Mitglieder sich dem sorgfältigen Umgang mit der Natur und zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet fühlen. Mehr (und ein kleiner Mitgliederbeitrag) braucht es nicht, um eine der Parzellen im Vereinsgarten bewirtschaften zu dürfen, um die Früchte der Arbeit ernten und genießen zu können. Ohne Hand an zu legen, durften die Besucher an diesem Mittag genießen, was es „Bei einem Wirte wundermild“ – so das Gedicht von Ludwig Uhland über den Apfelbaum – zu genießen gibt: Feinsten Apfelsaft oder Apfelwein.

Wie viele Obstbäume wird es künftig noch in Nauheim geben? Dereinst waren es rund 50 000. Viele standen auf dem Seichböhl, über dessen Zukunft heute diskutiert wird – werden muss. „Eine Obstanlage“, so Klaus Hübner, „ist eine von Menschenhand erstellte Kulturlandschaft.“ Sie muss gepflegt werden. Für urwüchsige Landschaften, so seine Ausführungen, für „Urwald“, gibt es andere Bereiche, die dafür geeignet sind. Der Boden auf dem Seichböhl, so seine Einschätzung, ist nicht so wertvoll, dass dort alles Mögliche wächst. Ein anderes Problem: Es ist keine Wirtschaftlichkeit der Bewirtschaftung mehr gegeben. Zwischen zehn und dreißig Cent pro Kilo Äpfel bleiben noch für die Arbeit, die in hunderten Stunden von den Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins geleistet wird . Was also übrig bleibt vom Arbeitseinsatz, hilft lediglich, die Vereinskasse ein wenig aufzufrischen.

„Die meisten“, so Klaus Hübner, haben in den letzten Jahren „die Lust verloren“. Da kamen die Reglementierungen über die Höhe von Zäunen oder den Umfang einer Gartenhütte – und dann kamen die Dornenhecken und die Karnickel; Kleintieren fehlte das Nahrungsangebot. Bäume wurden angeknabbert, Pilzkrankheiten verbreiteten sich. „Aber das“, so Klaus Hübner, „haben wir schon 1998 vorausgesagt.“ Resignation bedeutet das nicht. Schon jetzt stehen die Termine für den nächsten Workshop „Winter-Baumschnitt“ fest, für den „Sommer-Baumschnitt“ und Fachvorträge. Alles nachzulesen auf www.ogv-nauheim.de
Und für Nauheims Obst- und Gartenbauverein gilt auch künftig, was Martin Luther sagte: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen.“
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