Alt werden wollen alle - alt sein keiner

Nauheim: Pflegeakademie | Nauheim. Fit bis 100. Klar im Denken und Handeln. Das wünschen wir uns alle. Aber nicht alle haben das Glück, dass diese Wünsche sich auch erfüllen. Wer sich einmal im Freundeskreis, im persönlichen Umfeld umschaut, merkt schnell, wie schnell das Leben sich verändern kann. Manchmal schreiten Prozesse langsam voran, manchmal schneller.

Aber bei Begriffen wie Vorsorgevollmacht, Versorgungsvollmacht und Patientenverfügung heißt es oftmals: „Ja, mache ich, aber nicht gleich.“ Mit welchen Hindernissen und Widrigkeiten die Betreuenden der hilfsbedürftig gewordenen Angehörigen im Ernstfall konfrontiert werden, daran denken nur wenige.

Nauheims Seniorenkommission hat sich des Themas angenommen und zu einem Informationsabend in die Pflegeakademie Ruh eingeladen. Moderator der Veranstaltung war der Sachverständige Rechtsanwalt Erich Prieser. Sensibel und mit klaren, sachlichen Worten erläuterte er die Notwendigkeit und die Unterschiede der Vorsorgevereinbarungen, die ein jeder treffen kann.

Wer eine Patientenverfügung verfasst, will sicherstellen, dass ihm die Gnade zuteil wird, in Würde sterben zu dürfen. Erich Prieser zitiert in diesem Zusammenhang des Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Dies setzt eine klare Willensbekundung des Einzelnen voraus.

Aber wer soll darüber wachen? Eine staatliche Institution oder doch ein Angehöriger, ein Freund? Hierzu bedarf es einer Betreuungsverfügung oder einer Vorsorgevollmacht.

Rechtsanwalt Pries rät hier, Rat und weitere Informationen von Notaren und Fachanwälten einzuholen. Damit es im Fall, der hoffentlich nicht eintreten wird, nicht zu einem Streifall kommt.

Informationen gibt es auch bei der Betreuungsbehörde für den Kreis Groß-Gerau, Wilhelm-Seipp-Straße 4, Groß Gerau, Telefon 06152 989 562. Hier weiß man – wie bei den Fachanwälten – wie das Betreuungsrecht umzusetzen ist, welche Dokumente beglaubigt werden müssen und welche Form der Vorsorge im Einzelfall die beste ist.

Nach einer, ebenfalls zur Aufklärung beitragenden, Frage- und Antwortrunde ging ein Dankeschön an den Leiter der Nauheimer Seniorenkommission, Peter Großmann, der die Veranstaltung organisiert hatte. Und das Fazit eines Teilnehmers: Alt werden ist bekanntlich kein Kinderspiel – aber jetzt sehe ich dem Alter beruhigter entgegen.
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