Im VW Käfer zum Patienten: 50 Jahre Notarztwagen in Heidelberg

Ein VW Käfer der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg war 1964 das erste Notarzteinsatzfahrzeug in Deutschland. (Foto: Universitätsklinikum Heidelberg)

Am 27. September 2014 ab 9 Uhr lädt die Sektion Notfallmedizin der Universitätsklinik für Anästhesiologie Heidelberg zur Jubiläumsfeier / Vorträge über die Notfallmedizin in Heidelberg / Besucher können Erste Hilfe-Kenntnisse auffrischen / Hüpfburg und Teddybär-Krankenhaus für Kinder

Ein mit Blaulicht ausgestatteter VW Käfer der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg revolutionierte vor 50 Jahren die Notfallmedizin in Deutschland: Erstmals rückte ein Notarzt parallel zum Rettungswagen in einem separaten Fahrzeug aus. Dieses sogenannte Rendezvous-System wurde deutschlandweit zum Vorbild und hat sich bis heute bewährt. Die Vorteile: Der Notarzt ist schneller beim Patienten und flexibler einsetzbar. Das 50-jährige Jubiläum des "Heidelberg 10", so der Funkname des ersten Notarzteinsatzfahrzeuges, feiert die Sektion Notfallmedizin der Universitätsklinik für Anästhesiologie Heidelberg am Samstag, 27. September 2014. Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen. Von 9 bis 17 Uhr erwarten die Besucher Expertenvorträge sowie ein buntes Rahmenprogramm mit Mitmach-Aktionen für die ganze Familie, der Eintritt ist frei. Veranstaltungsorte sind Hörsaal und Eingangsbereich der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Im Neuenheimer Feld 110, 69120 Heidelberg.

Vorträge, Fahrzeugausstellung und Live-Präsentation einer Rettung aus dem PKW


Von 9 bis 10.45 Uhr können sich die Besucher im Hörsaal der Chirurgischen Klinik bei Vorträgen über die Geschichte der Notfallmedizin in Heidelberg, die neuesten Entwicklungen der letzten zehn Jahre sowie über aktuelle Forschungsthemen informieren. Vor dem Haupteingang zeigt das Team der Notfallmedizin und des Deutschen Roten Kreuzes Heidelberg die verschiedenen Fahrzeuge des Rettungsdienstes. In einer Live-Präsentation demonstrieren die Rettungskräfte, wie sie verletzte Personen aus einem PKW bergen; dabei ist es besonders wichtig, die Wirbelsäule zu schonen. Wie wurden die Verletzten früher aus dem Fahrzeug geborgen, welche modernen Hilfsmittel stehen heute zur Verfügung?

Ob Unfall, Herzinfarkt oder Schlaganfall, im Notfall zählt jede Sekunde. Zehn, maximal 15 Minuten darf der Notarzt laut Landesgesetz brauchen, um zum Patienten zu kommen - gerade in den Stoßverkehrszeiten eine Herausforderung und nicht ungefährlich. Bis zum Eintreffen des Arztes ist das beherzte Eingreifen medizinischer Laien oft entscheidend. Besucher können ihre Erste Hilfe-Kenntnisse auffrischen und gemeinsam mit den Experten lebensrettende Maßnahmen üben.

Kinder können ihre kranken Stofftiere mitbringen und im Teddybär-Krankenhaus von Heidelberger Notfallmedizinern und dem Jugendrotkreuz Heidelberg behandeln lassen oder sich beim Kinderschminken verwandeln lassen. Raum zum Toben bietet außerdem eine Hüpfburg auf dem Vorplatz der Chirurgischen Klinik.

Wegweisende Impulse für die Notfallmedizin in Deutschland aus Heidelberg


"Nicht der Verletzte muss so schnell wie möglich zum Arzt, sondern der Arzt zum Verletzten, da die Lebensgefahr in unmittelbarer Nähe des Ereignisses am größten ist", forderte bereits 1938 der Heidelberger Chirurg Martin Kirschner. 20 Jahre später entwickelte Karl-Heinz Bauer, ebenfalls Heidelberger Chirurg, das Klinomobil. Der Einsatz dieses mit mehreren Chirurgen besetzten Operationswagens erwies sich jedoch als zu teuer und unflexibel. Mit seiner Idee zum Rendezvous-System gelang dem Heidelberger Chirurgen Eberhard Gögler der Durchbruch zur ärztlichen Patientenversorgung am Ort des Notfalls: Am 7. April 1964 fuhr in Heidelberg das erste Notarzteinsatzfahrzeug zu einem Patienten.
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