Wie sich der Laubwald winterfest macht

Auf Einladung des Geopark-vor-Ort-Teams Fürth informierten sich am Sonntag, 20. Oktober Teilnehmer aus den Kreisen Bergstraße und Odenwald über die Veränderungen, die unser herbstlicher Laubwald gegenwärtig erfährt. Am Forsthaus Almen bei Fürth-Weschnitz berichteten Ekkehard Bahlo und Annelie Szych über die Ursachen der zurzeit stattfindenden Blattverfärbung.
Das Blattgrün (Chlorophyll) wandelt in den Sommermonaten Kohlendioxid aus der Luft in Zucker als Nährstoffgrundlage für den Baum um. Dabei wird der für uns lebensnotwendige Sauerstoff frei und an die Luft abgegeben. Mit kürzer werdenden Tagen und sinkenden Temperaturen stellt das Chlorophyll seine Tätigkeit allmählich ein, wird zerlegt und zieht sich aus den Blättern in den Stamm als Energiereserve zurück. Andere Farbstoffe treten nun in den Vordergrund und lassen die Blätter gelb bis orange oder rot erscheinen (Karotinoide, Xantophyll) oder verursachen Farbumschläge von tiefrot bis blauviolett (Anthocyane). Am Ende des Prozesses werden noch die im Blatt enthaltenen Gerbstoffe (z.B. Tannin) oxidiert und schließlich fallen die welken Blätter von den Zweigen ab. Nicht betroffen von derartigen Veränderungen sind die so genannten immergrünen Laubgehölze mit ihrem anderen Blattaufbau und auch nicht die Nadelbäume. Nur die heimische Lärche macht als nadelabwerfende Konifere hier eine Ausnahme.
Der spätherbstliche Laubfall bedeutet für den Baum Schutz vor dem bevorstehenden Winter und zugleich Vorbereitung auf die neue Vegetationsperiode im kommenden Jahr. Warum das so ist, wurde in den folgenden fünf Punkten dargelegt:
- die sommerliche Wasserverdunstung über die Blätter, z.B. bei einer großen alten Buche mehrere hundert Liter pro Tag, wird beendet. Würde sie sich fortsetzen, bestünde bei eingeschränkter oder unterbrochener Wasserzufuhr aus tief gefrorenem Boden die Gefahr von Austrocknung oder Absterben des Baums. - von den Blättern im Sommer aufgenommene Schadstoffe und Umweltgifte werden entsorgt, ohne den Baum selbst wesentlich zu schädigen. - die Laubmasse am Fuß eines Baums schirmt gegen Kälte ab und mindert das Risiko des tiefen Bodengefrierens. - das kahle Astwerk bietet für Schneelast weniger Angriffsfläche und so verringert sich die Gefahr des Schneebruchs. - wegen des fehlenden Blattwerks bekommen im zeitigen Frühjahr die jungen Knospen an den Zweigen genügend Sonnenlicht für ihre Entfaltung. Auch lässt der erwärmte Boden nun zauberhafte Blütenteppiche von Buschwindröschen, Märzenbechern u.a. Stauden entstehen, lange bevor die Bäume selbst wieder neu belaubt sind.
Diesem herbstlichen Einblick in die Waldökologie mit eingehender Betrachtung von Bäumen, Blätterformen und -farben schloss sich ein Rundgang der Teilnehmer durch den Fürther Gemeindewald am Forsthaus Almen am Forsthaus Almen an.
Geopark-Vor-Ort-Team Fürth des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald 21. Oktober 2013
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