Positive Bilanz des 7. Internationalen Waldkunstpfades

Rund 23.000 gezählte Besucher und mehr als hundert Führungen – das ist die stolze Bilanz des 7. Internationalen Waldkunstpfades mit dem Motto „Kunst-Biotope“, der am Sonntag, 28. September, zu Ende ging. „Verglichen mit dem Waldkunstpfad 2012 konnten wir bei der Besucherzahl um zehn Prozent zulegen“, freut sich Kuratorin Ute Ritschel über den wachsenden Zuspruch, den die Freilichtausstellung bei Kunstinteressierten und Waldspaziergängern findet.

Gezählt werden kann nur an den Wochenenden, wenn der Infostand besetzt ist und Führungen und Workshops angeboten werden. Zusammen mit den Werktagen geht Ute Ritschel von einer weit höheren Zahl aus, die während der sechs Biennale-Wochen im Forstrevier Böllenfalltor unterwegs waren und dabei die Installationen wahrgenommen haben. Mit mehr als 100.000 Menschen wird im Laufe eine Jahres gerechnet.

Gab es Favoriten? Kunstwerke, die besonders gefielen? Ja, sagt Ute Ritschel, die sich stets gerne mit den Waldbesuchern über die Werke unterhielt und nie müde wurde, diese in ihren gut besuchten Führungen lebendig zu beschreiben. Das aus unzähligen miteinander verwobenen Weidenstecken geformte „Wachsende Boot“ von Alois Lindenbauer gleich am Eingang zum Waldkunstpfad fand viel Beachtung, ebenso Tim Norris‘ „Habitat“, ein drei Meter hoher, eiförmiger Unterschlupf aus Birkenrinde, in den sich die Spaziergänger zurückziehen konnten. Gut gefielen auch die beiden sich schräg gegenüberliegenden Hütten – die eine von Bob Budd unter dem Begriff „Kitchen Biotope“ der Konservierung des Waldes nachspürend, die andere, von der Künstlergruppe Raabe-Stephan/Piet Trantel „Hund, Holz, Hütte“ genannt, eine philosophisch-fröhliche Betrachtung rund um die Vierbeiner und deren Herrschaft.

Besonderer Publikumsgunst erfreuten sich schließlich zwei weitere Installationen, die gegensätzlicher kaum sein konnten: Valeria Codaras eng beieinander stehende kuschelige Nester mit der Bezeichnung „Nidi monument to the seventh generation“, die schon beim bloßen Anblick Geborgenheit versprachen, und wenige Meter weiter das kraftvolle, raumgreifende Werk von Rumen Dimitrov „Hanging gardens“ – aus fünf Baumstämmen gezimmerte Bögen, in denen er Pflanzen des Waldes sprießen ließ.

Die Aufzählung der Publikumslieblinge kommt Ute Ritschel freilich nur zögerlich über die Lippen, und von einem „Best of“ will sie schon gar nicht sprechen. „Eigentlich fanden die Leute alles gut, das haben sie mir immer wieder gesagt“, fasst sie ihre Eindrücke aus sechs Wochen intensiven Waldkunstwirkens, denen drei Wochen Symposium mit den Künstlern vorangegangen waren, zusammen.

So dürfen sich denn auch die anderen Teilnehmer über das Interesse der Waldkunstbesucher freuen: Margrit Neuendorf und Olivier Huet (Les Fujak), deren „Pfröpflinge im Biotop“ man abseits des Weges aufspüren musste, Marie Gayatrie, die im Sonnenlicht glänzende Seerosen auf den Goetheteich zauberte, Thomas May, der Grasflächen und Bäume zu einer Lebensgemeinschaft vereinte. Käthe Wenzel ließ „Knochenvögel“ über den Köpfen der Waldbesucher schweben, Ri Eung Woo beeindruckte mit einem riesigen Rad aus Holz, das Künstlerpaar Torsten Rosch/Haike Rausch zauberte einen künstlichen, nachts glänzenden Meteoriten ins Unterholz.
Ein detailfreudiges Waldtor, „Forest Gate“, schuf Kaidine M. Lehouelleur, und Waltraud Munz eroberte mit ihren „Spring Colonies“ die Herzen, Pflanzenkolonien aus bunten Bändern, die an der wohl dunkelsten Stelle des Waldes unerwartet für Farbe sorgten. Zusammen mit den Performern Linda Molenaar – unvergesslich ihre Hummel-Darbietungen – und Lutz Nevermann, der mit seinen langen Akustikstangen die Geräusche des Goetheteiches einfing, vereinte der 7. Internationale Waldkunstpfad 21 Künstlerinnen und Künstler aus zwölf Ländern auf dem 2,6 Kilometer langen Rundweg zwischen Böllenfalltor, Goetheteich und Ludwigshöhe.

Am Ende des diesjährigen Waldkunstpfades, der am 16. August auf der Ludwigshöhe bei windig-feuchtem Wetter mit rund 250 Gästen eröffnet wurde, und der viel Regen, aber auch sonnig-schöne Tage erlebte, ist’s nicht nur mit den Führungen vorbei und wird der als Kontaktzentrum beliebte Infostand aufgelöst. Auch für einige Kunstwerke ist die Zeit gekommen. „Momentan planen wir, die Seerosen vom Teich zu holen“, sagt Ute Ritschel. Zum Winter hin könnten Käthe Wenzels Knochenvögel und die Frühlingskolonien von Waltraud Munz folgen. Die beiden Hütten dürfte man im neuen Jahr vergeblich suchen.

Das Abräumen hat System. Grob gesagt sieht das Konzept vor, dass ein Drittel der Kunstwerke sofort den Wald verlässt, ein Drittel später und ein Drittel bleibt. Was bleibt, bildet mit den Kunstwerken aus den früheren Waldkunstpfaden eine neue Einheit, und so ist der Waldkunstpfad auch außerhalb der Biennalen ein Ort der Kunst und der Erbauung.
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