Matthias Matzke – der „David Garett des Akkordeons“ mit Crossover von Klassik, Jazz und Pokémon bei der Akkordeon-Vereinigung 1936 Pfungstadt e. V.

Wann? 17.01.2014 19:00 Uhr

Wo? Mühlbergheim, Kantstraße, 64319 Pfungstadt DE
Mit unerwarteten Effekten und Sounds versetzte der junge Weltmeister auf dem elektronischen Akkordeon sein Pfungstädter Publikum in Erstaunen
 
AVP Vorsitzender Professor Dr. Matthias Hemmje (re) und AVP Jugendleiterin Daniela Hemmje-Cappel (mi) sind stolz auf den Besuch des virtuosen jungen Stars Matthias Matzke (li) in Pfungstadt
Pfungstadt: Mühlbergheim |

Matthias Matzke, der zwanzigjährige Akkordeonist aus Trossingen,

der dort zurzeit Musik studiert, hatte am 17. Januar seine Reise zu einer Probe des Bundesakkordeonorchesters unterbrochen, um in Pfungstadt ein Solokonzert zu geben.

Das Publikum war hingerissen vom Charme und Können des jungen Stars

, der bereits viele Preise auf internationalem Parkett eingeheimst hat. Mit drei Akkordeons im Gepäck und einem zweistündigen Soloprogramm demonstrierte er die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten. Zur Eröffnung ließ er einen musikalischen Platzregen über sein Publikum niedergehen, um dann aus der 1780 komponierten Klaviersonate in D-Dur von Haydn“ das „Allegro con brio“ zu spielen, stilecht auf seiner Hohner Morino De Luxe IV 120 C45, einem speziell für Interpretation von Klassik entwickelten Konzertakkordeon, gefolgt von Rudolf Würthners (1920-1974) „Carmen-Fantasie“ (Bizet).

Rhythmische Impressionen

Spätestens bei „Boite à rhythme“, einem Stück des zeitgenössischen Komponisten Franck Angelis, sind die Zuhörer vollkommen fasziniert von Matzkes Spiel, den impressionistischen Eindrücken aus kurzen Tönen und Akkorden, summenden Klängen, überlagert von glitzerndem Geflatter aus blitzschnellen Fingerläufen.

Jazz und Moderne

„Schön warm hier“, kommentiert der Künstler, während der AVP Vorsitzende Professor Dr. Hemmje ihm ein Glas Wasser auf die Bühne reicht. Aus dem Zuschauerraum Protest: „Dem Kerl gehört ein Schampus!!“ Aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Matzke greift sein schwarz-blau gemustertes Jazz-Akkordeon Hohner Fun Flash, um überzugehen in die musikalische Welt von Frank Marocco, Duke Ellington, Richard Galliano, deutlich spürbar seine Begeisterung für Jazz, mit allem Drum und Dran, Rhythmus, Vibrato, Glissando, Percussion am Instrument, schwirrende Effekte durch unglaublich schnellen Fingerwechsel, einige Stücke hat er selbst bearbeitet. Schließlich nimmt er noch einmal sein Konzertakkordeon zur Hand und spielt die vier Sätze des bekannten „Impasse“ von Franck Angelis. Der ganze Saal lauscht gebannt, wie er den feinen Klangteppich auslegt, aus dem eine Melodie entwickelt. Der aufregende zweite Satz ist durchgehend geschüttelt, es folgt ein ruhiger Satz mit gezogenem Vibrato und getupften Einwürfen, dann der fluchtartig schnelle Satz mit zitternden Akkorden im Bellowshake, aufgelöst in Läufe. Eine musikalische und technische Leistung, die ahnen lässt, dass der junge Weltmeister virtuoser Unterhaltungsmusik auf dem elektronischen Akkordeon auch mit Klassik bereits die mondiale Zielgerade ansteuert.

Digitales Wunder-Instrument

In der Pause keine Zeit für Erschöpfung. Matzke wird umlagert von jungen Autogrammjägern, Erwachsene suchen das Gespräch, kaufen seine CD. Die zweite Hälfte des Konzerts gehört endlich der modernsten akkordeonistischen Erscheinung, der digitalen Akkordeonmusik. Es macht Matzke sichtlich Spaß, seine Zuhörer zu verblüffen mit all dem, was er aus seiner roten Roland FR-8x (Digital) so herausholt. Vom bayrischen Holzfällertanz, Oberkrainer Sound mit Helikonbässen über Zigeuner-Cardaz bis hin zu ganzen Sinfonieorchestern, inklusive Bass und Percussion ist alles möglich mit diesem Wunderinstrument, das freilich nur spielen kann, der das „Bio-Akkordeon“ bereits beherrscht.

Elektronische Musik für Fans

Und was spielt er am liebsten? „Manchmal gibt es Interessenkonflikte“, meint er. Dann spielt er den 4. Satz von „Impasse“ in eigener digitaler Bearbeitung. Das Klangergebnis scheint zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig mit Echo-Hall und umgedeuteten Soundeffekten, macht jedoch zunehmend Eindruck im positiven Sinn, je mehr man das Vorgetragene als neue Komposition begreift. Für Fans elektronischer Musik ein Bonbon! Zum Schluss gibt es speziell für die zu Matzkes Freude zahlreich erschienene Jugend voll elektronisch tönende Gameboy-Musik. Das Publikum bedankt sich mit Standing Ovations für das facettenreiche, komplett auswendig vorgetragene Konzert, Matzke beendet das Konzert mit zwei flotten Zugaben.

Begeisterte Zuhörer


Noch eine Woche später schwärmen die Pfungstädter vom dem Auftritt des jungen Stars. „Hast Du seine Finger gesehen? So schnell kannst du gar nicht gucken“, meinte Heide Wissler, die seit Jahrzehnten in der AVP Akkordeon spielt, „toll, dem könnte ich stundenlang zuhören!“
Das wird vielleicht nächstes Jahr möglich sein, wenn Matthias Matzke wieder in Pfungstadt Halt macht.

Ankündigung: Akkordeon Künstler aus der Ukraine

Das kommende Gast-Künstlerkonzert präsentiert die AVP am 5. April, 2014 um 19:00 Uhr im Mühlbergheim zu Pfungstadt. Ein weit gereister Künstler, der Akkordeon-Virtuose Shevket Zmorka, ausgezeichnet als Bester Instrumentalist der Krim/Ukraine, gastiert mit seinem Solo-Programm „Das Akkordeon im Spiegel der Epochen“. Das sollte sich kein Akkordeon-Fan entgehen lassen!

Weitere Informationen über alle Aktivitäten der Akkordeon-Vereinigung 1936 Pfungstadt AVP: www.avp-1936.de
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