Merck seit 1668

Am Freitag, 9.10.2015, hatte die Stadt Pfungstadt, die an diesem Abend von Stadtrat Bernd O. Crößmann vertreten wurde, in die Säulenhalle des Historischen Rathauses zu einem Vortrag über die Firma Merck eingeladen. Unter dem Motto „Mumie, fließende Kristalle und andere Novitäten: Merck seit 1668“ referierte vor rund 20 Zuhörern Katja Glock von Merck Corporate History und hatte sich als „roten Faden“ verschiedene werbliche Aktionen dieses ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt ausgesucht.
Seinen Ursprung hatte Merck in Darmstadts zweitältester Apotheke, der Engel-Apotheke, die nach Geschäftsräumen nahe des Darmstädter Schlosses schon seit langer Zeit an ihrem jetzigen Platz am Luisenplatz angesiedelt ist. Zu Zeiten ihrer Gründung konnten sich nur wohlhabende Menschen den Gang zur Apotheke erlauben. Etwa zweihundert Jahre lang war es die Aufgabe des Apothekers, verordnete Mixturen aus den bei ihm vorrätig gehaltenen Rohstoffen zusammenzusetzen. Erst Ende des 19. Jahrhunderts kamen die ersten Fertig-Arzneien auf den Markt. Im 17. Jahrhundert verstand man unter Gesundheit das harmonische Zusammenspiel der Körpersäfte. Dabei wurden einzelne Körperabschnitte den vier Elementen zugeordnet und dazu wiederum verschiedene Mixturen verwandt. Man schreckte auch nicht davor zurück, pulverisierte Mumien als Arzneimittel einzusetzen.
Mit dem Übergang zu Fertig-Arzneimitteln kam der Forschung immer mehr Bedeutung zu und auch die fabrikmäßige Produktion nahm ihren Anfang. Die erste Fabrik von Merck befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Mercksplatzes bei Jugendstilbad und Finanzamt. Später erfolgte der Umzug zum heutigen Firmensitz an der Frankfurter Straße. Merck expandierte damals in „alle Welt“, insbesondere in die USA. Dort brachte der 1. Weltkrieg eine bis heute nachwirkende Veränderung. Nach dem Eintritt der USA in diesen Krieg 1917 wurde der gesamte deutsche Besitz enteignet. Der Amerikanische Merck-Ableger wurde als eigenständige Firma unter dem Namen Merck weiter geführt und ist heute als pharmazeutisch-chemisches Unternehmen etwas größer als Merck Darmstadt, dessen Produkte in den USA unter dem Namen EMD vertrieben werden.
In der Zeit des Dritten Reiches war auch Merck vom braunen Virus erfasst. Neben freiwilligen Fremdarbeitern aus Belgien, die hier frei leben und ihre Rückkehr in die Heimat selbst bestimmen konnten, gab es auch Zwangsarbeiter aus Osteuropa, die in Lagern wohnen und unter Bewachung arbeiten mussten.
Schon Anfang der 1920er Jahre befasste sich Merck mit Flüssigkristallen, für die es damals jedoch keine praktische Verwendung gab. Erst in den 1960ern und verstärkt mit der Entwicklung der Plasma-TV-Geräte wurde ein wichtiger Geschäftszweig daraus. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden viele Produkte entwickelt, die teilweise noch heute hergestellt werden, zumindest aber nach wie vor einen hohen Bekanntheitsgrad genießen. Deutlich wurde dies am Wiedererkennungswert der Werbemittel dazu. Merck brachte schon damals ein Arzneimittel für den heute großen Bereich der Geriatrie und auch eine der ersten sogenannten Antibabypillen auf den Markt. Ein „Schlager“ war das Schlankheitsmittel Bionorm.
Die eigene Generika-Abteilung hat Merck Anfang des jetzigen Jahrhunderts verkauft. Sie passte nicht mehr ins Bild des forschenden Unternehmens. Außerdem wurden Mittel für die damals einsetzende Welle von Firmenzukäufen benötigt. 2018 wird Merck das 350-jährige Jubiläum feiern. Das dazu gehörige neue Logo soll schon bald vorgestellt werden.
Der Abend endete mit einem regen Gedankenaustausch zwischen Besuchern und Referentin.
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