Interview mit Herrn Pius Bucher, dem Schweizerischen Generalkonsul in Frankfurt am Main

A.N. Sehr geehrter Herr Generalkonsul Bucher, trotz Ihrer großen Arbeitsbelastung haben Sie sich bereit erklärt, den Leserinnen und Lesern von „Mein Südhessen“ in einem Gespräch die Aufgaben und Interessen eines Schweizerischen Generalkonsuls in der Bundesrepublik Deutschland näher zu bringen. Dafür schon jetzt unseren Dank!
Die erste Frage lautet, für welchen Bereich ist Ihr Schweizerisches Generalkonsulat in Frankfurt am Main zuständig und wieviele Auslandsschweizer werden durch dieses betreut?

P.B. Das Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich auf die vier Bundesländer: Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Das Generalkonsulat betreut rund 23‘000 Auslandschweizerinnen und –schweizer. Im Juli 2012 wurde in Nordrhein-Westfalen ein Honorarkonsul ernannt, dem zwar keine administrativen und konsularischen Aufgaben zugeordnet sind. Er pflegt für die Schweiz Beziehungen zu Wirtschaft, Politik und Kultur. Während meinen Reisen nach NRW unterstützt er mich. Auch tausche ich mich gerne mit ihm aus.
Nebst der Betreuung der in unserem Zuständigkeitsgebiet (die vier genannten Bunderländer) wohnhaften Auslandschweizer unterhält das Generalkonsulat in Frankfurt enge und regelmässige Kontakte zu den Landesregierungen und Landesparlamenten, politischen Parteien, zu wichtigen Kommunen, Industrie- und Handelskammern sowie Bildungseinrichtungen und kulturelle Institutionen. Im Weiteren werden schweizerische Unternehmen und Massnahmen zur Förderung des Wirtschafts- resp. Handelsaustausches sowie des Tourismus unterstützt. Ein besonderes Augenmerk wird zudem Energie-, Verkehrs- und Umweltfragen gewidmet.

A.N. Wie sieht es im Bereich Kultur und Bildung aus?

P.B. Das Generalkonsulat fördert den grenzüberschreitenden Kultur- und Schüleraustausch und berät schweizerische Kulturschaffende für Aktivitäten und Präsentationen in Deutschland. Unterstützt und gefördert werden zudem Initiativen von öffentlichen und privaten Institutionen für kulturelle Veranstaltungen mit einem Bezug zur Schweiz. Projekte, die ein Zusammenwirken zwischen schweizerischen und deutschen Kulturschaffenden begünstigen, erhalten eine besondere Aufmerksamkeit. Zudem gibt es einige Hochschulprofessoren und Lehrer, die an deutschen Lehrinstituten unterrichten.

A.N. Wer hält seitens des Konsulates den Kontakt zu den Medien?

P.B. Den Kontakt zu den Medien sowie die Beobachtung von Berichterstattungen über die Schweiz erfolgt durch den Generalkonsul und seinen Stellvertreter gemeinsam. Im Bedarfsfalle vermitteln wir Informationen oder Kontakte in der Schweiz.

A.N. Was kann und muß das Generalkonsulat für die in seinem Bezirk lebenden Auslandsschweizer tun?

P.B. Die konsularische Abteilung des Generalkonsulates erfüllt in gewisser Hinsicht alle Funktionen einer Gemeindeverwaltung, nur eben auf eine einzige Institution konzentriert. Wird sind sozusagen ein „one-stop-shop“ für Schweizer Bürgerinnen und Bürger. Dazu kommen die Erfassung biometrischer Daten für Ausweisschriften (Pass und Identitätskarten), Übermittlung von Zivilstandsurkunden, Entgegennahme von Einbürgerungsgesuchen, Beglaubigung von Dokumenten und Unterschriften.
Der konsularische Schutz ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe einer Vertretung und schliesst vor allem die Hilfe an Schweizerinnen und Schweizer ein, welche in eine Notsituation geraten sind, z.B. Verlust des Reisedokuments, Hilfeleistungen bei Haftfällen, Heimschaffungen, finanzielle Hilfe an Schweizerinnen und Schweizer, welche in eine Notlage geraten sind.
Die Visaabteilung ist zuständig für die Erteilung von Visa zur Einreise in die Schweiz, bearbeitet die Gesuche für eine Wohnsitznahme in der Schweiz und antwortet auf Fragen im Zusammenhang mit Studentenvisa, Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen.

A.N. In welchen der eben angesprochenen Bereiche bringen Sie sich als Generalkonsul besonders persönlich ein?

P.B. Ich pflege regelmässige Kontakte zu den Spitzen der Schweizerkolonie, zu Schweizervereinen und wirtschaftlichen Vereinigungen und bin gleichzeitig auch Bindeglied zu Organisationen in der Schweiz, die die Interessen der Auslandschweizer wahrnehmen. Gerne nehme ich auch an Veranstaltungen der Schweizervereine teil, muss aber aufgrund der grossen Zahl der Vereine etwas selektiv sein. Es kann vorkommen, dass an einem Tag gleich bei mehreren Vereinen Veranstaltungen stattfinden.

A.N. Wie sehen Sie die künftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland/EU und der Schweiz? Glauben Sie, daß einzelne Themenbereiche wie Fluglärm und Steuerflucht den positiven Gesamteindruck unangemessen schmälern?

P.B. Es gibt kein Land, mit dem die Schweiz auf allen Gebieten einen intensiveren Austausch pflegt, als mit der Bundesrepublik Deutschland. Durch diese enge Zusammenarbeit und vielen gemeinsamen Interessen ergeben sich zwangsläufig hin und wieder auch Meinungsunterschiede, die im gegenseitigen Verständnis und Respekt gelöst werden können. Die Auseinandersetzungen um die Lärmbelastung des Flughafens Zürich und die offenen Fragen für das Steuerabkommen stellen eine besondere Herausforderung dar. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass über kurz oder lang Lösungen gefunden werden können, die den unterschiedlichen Erwartungen und Vorstellungen gerecht werden. Eine sogenannte „win-win“ Situation wäre die beste Lösung. Bei einer überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz werden das freundschaftliche Verhältnis und die gegenseitige Sympathie dadurch nicht nachhaltig getrübt.

A.N. Zuletzt noch die Frage, ob Sie einen persönlichen Bezug zu Südhessen haben.

P.B. Durch langjährige persönliche Freundschaften in Südhessen, bin ich mit dieser Region gut vertraut. Seit meiner Ankunft in Frankfurt durfte ich zudem auch die besonders aktive Städtepartnerschaft zwischen Darmstadt und Saanen-Gstaad mit verfolgen. Ein spezieller Höhepunkt sind auch die jährlichen Weihnachtskonzerte der „Drei Schweizer“ Barbara Buhofer, Sopran, Daniel Zihlmann, Tenor, und Andres Joho, Klavier, die jeweils Anfangs Dezember in der Katholischen Kirche St. Antonius in Pfungstadt stattfinden. Als treibende Kraft für diese Konzerte zeichnen Karin und Fred Nitsche verantwortlich. Ihnen gebührt eine hohe Anerkennung. Meine Gattin und ich bedauern es, dass Terminkollisionen einen Konzertbesuch schon wiederholt verunmöglichten.

A.N. Herr Generalkonsul, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
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