Aktiv-Passiv: Ausstellungseröffnung des Kulturkreises Reinheim

Die Eröffnung der Ausstellung "Aktiv-Passiv" lockte viele Gäste in die Galerie im Hofgut
 
Blick in die Ausstellung: Gudrun Cornfords Plastiken im Vordergrund, dahinter der Diptychon von Kurt Höffner
Reinheim: Galerie im Hofgut | Sympathisch und bildhaft führte Frau Lucie Heirich vom Kulturkreis Reinheim in die Zielsetzung und Mottofindung der Ausstellung ein: „Wie das Herz, das sich rhythmisch ausdehnt und zusammenzieht, pulsiert die Kunst zwischen Ruhe und Bewegung. Sie kann Körper in Flächen verwandeln und umgekehrt. Selbst das Nichts ist darstellbar- ebenso wie die Stille“
Auf sehr unterschiedliche Art haben sich die zehn Künstlerinnen und Künstler dem Motto gestellt. Entstanden ist eine abwechslungsreiche und als Gesamtkonzept überzeugende Präsentation unterschiedlichster Temperamente und Techniken.
Das junge Duo „Pablo y Enrico“ verzauberte am 28.11.2014 die zahlreichen Vernissagegäste der Ausstellungseröffnung „Aktiv-Passiv“ mit perlenden Gitarren Klängen und Rhythmen, die unter die Haut gingen. Schwierige Stücke, die mal zu kontemplativer Ruhe, mal zu tänzerischer Leichtigkeit einluden, wurden von den beiden Vollblutmusikern zu Gehör gebracht- ganz nach dem Motto der Veranstaltung. Einleitende Worte für den Magistrat der Stadt Reinheim sprach Stadtrat Eberhard Schreiber.

zehn Künstler-zehn künstlerische Positionen

Gastkünstler Farhad Arshadi ist mit Leib und Seele Fotograf. Er liebt die Außenaufnahme, sucht nach Episoden aus dem Leben, seiner Heimat. Seine Fotografien sind nicht gestellt, setzen auf Unmittelbarkeit. Eindrucksvoll zeigt sich eine ruhende Männerhand, auf dem ersten Blick auf einen Stock gestützt. Bei näherem Hinsehen ist es der Lauf eines Maschinengewehrs. Das Gewehr kann nur durch die Hand die es führt zu einer tödlichen Waffe werden- Aktiv-Passiv.

Sigrid Awizios Fotografien zeigen eine auf das Wesentliche reduzierte Bildsprache. Dies geschieht durch sehr bewusste Motivwahl und nicht durch nachträgliche Bearbeitung oder bemühte Effekte. Sie nutzt vorhandene geometrische Linien in der motivischen Bildkomposition. Ihr eindrucksvoller Zyklus „Man at Work“ zeigt aus der Innensicht einen Fensterputzer, schwebend und unscharf durch das am Glas herabrinnende Wasser. Durch die immer neue Konfiguration des gegen das Glas gelehnten Körpers entstehen die abstrakten, minimalistischen Formen dieser Serie.

Christa Berz ist Keramikkünstlerin und eine Wandlerin zwischen den Welten der Stoffillusion. Ihre Werke überraschen in handwerklicher Meisterschaft den Betrachter, der sie zum Beispiel aus angekohltem Papier gemacht wähnt. Nur bei genauem Betrachten kann man ahnen, dass es sich um Porzellan handelt, hauchdünn, täuschend echt. Zum Motto der Ausstellung zeigt sie Strukturen in einem instabilen, aktiven Zustand der Bewegung und fixierte, statische Elemente.

Gudrun Cornford wirkt Plastiken aus Draht, fragile menschliche Gestalten, die unter die Haut gehen. Zwei Frauenkörper in Lebensgröße schaffen eine Gratwanderung zwischen Erotik und Distanz, Körperlichkeit und Stofflichkeit. Vom Licht beschienen zeigen sich zudem fein gemusterte Schattenrisse auf dem Untergrund- eine Licht-Zeichnung.

Alex Fleischer setzt sich mit dem Motto der Ausstellung durch abstrakte Anordnungen auseinander: Vor neutralem Weiß zeigen sich Farbbalken- geneigt oder aufrecht.

Uschi Friedel beteiligt sich mit einer Installation aus Fertig-Fango und Malerei an der Ausstellung. Das Fango-Material im Rohzustand und nach der Benutzung in verformten Rollen und den Abdrücken menschlicher Rücken zeugt von der Aktivität und Passivität des Materials, das dem passiven, schmerzgeplagten Menschen nach Anwendung Aktivitätspotential zurückgibt.

Große motivische Leidenschaft der Künstlerin Gudrun Gottstein ist der moderne Tanz. Hier faszinieren sie Kraft, Leidenschaft, extreme Statik und Dynamik. Ihre Malerei ist grob, spontan, ohne fremde Hilfsmittel und immer frei Hand. Die oft von gleißendem Schlaglicht beleuchteten Körper setzt die Malerin kontrastreich vor gedeckte und dunkle Farbtöne eines rohen Bühnenumfeldes- nichts ist wichtig außer emotional aufgeladener Anordnung der Körper im Raum, der Tanz. Die dabei entstehende Direktheit und Spontanität richtet sich appellativ an den Betrachter.

Lucie Heirich hat sich zur Ausstellung mit Farbkontrasten auseinandergesetzt, die die Fotografin auf der Suche in Städten bei großformatiger Fassadenreklame fand. Die Geometrie und farbliche Komposition erzeugen Tiefe und Dynamik.

Kurt Höffners Diptychon „Aktiv-Passiv“ zeigt abstrakte Farbflächen mit kräftigem Duktus. Ob sich dahinter vielleicht doch die eine oder andere ins Gegenständliche zielende Konfiguration ergibt, ist das Geheimnis seiner Bilder.

Elisabeth Kling hat den Farbklang „gelb-neutral-schwarz“ in einer abstrakten Serie verarbeitet. Assoziationen von Licht und Schatten, Wärme und Kühle kommen dabei sofort auf. Auch in ihrem größerformatigen Bild arbeitet sie mit abwechslungsreichen Auftragstechniken von wässrig-lasurhaft bis pastos und zerkratzt.

Die Ausstellung „Aktiv-Passiv“ ist noch bis zum 14.12.2014 jeweils samstags und sonntags von 14-18 Uhr in der Galerie im Hofgut, Kirchstraße 24 in 64354 Reinheim zu sehen. Als Besonderheit zeichnet Gudrun Cornford am Sonntag den 14.12.2014 Besucher. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.
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