Kollektive Kreativität beim Workshop "Theaterwerkstatt"

  Bereits zum zweiten Mal bot die Laienspielgruppe Leeheim allen interessierten Kindern und Jugendlichen einen professionellen Theaterworkshop an, bei dem sie nicht nur mal Theaterluft schnuppern konnten, sondern auch auf spielerische Weise an die Grundlagen des Schauspielens herangeführt wurden.

Alte Theaterhasen und interessierte Neulinge

So kamen am vergangenen Wochenende (10. – 11. Juni) knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von acht bis dreizehn Jahren nach Leeheim in die Heinrich-Bonn-Halle. Viele von ihnen gehören zur vereinsinternen Kinder- und Jugendgruppe, die gerade für ihre neue Produktion „Der Zauberer von Oz“ probt. Es kamen aber auch ein paar Kinder, die bisher noch nicht Theater gespielt hatten, worüber sich die Theaterpädagogin Melanie Kind, die den Workshop leitete, besonders freute. So bot sich auch für den Theaterverein die Gelegenheit, neue Nachwuchslaienspieler zu gewinnen.

Experimentierraum Theater

Trotz verlockendem Riedseewetter waren alle top motiviert und mit großem Eifer und Spaß bei der Sache! Melanie Kind hatte ein abwechslungsreiches Programm aus verschiedensten theaterpädagogischen Übungen und Spielen zusammengestellt. Ihr ging es vor allem darum, während der zwei Tage einen angstfreien Experimentierraum zu schaffen, indem sich die Kinder frei und ungezwungen ausprobieren und ausleben konnten. „Denn Theaterspielen macht nicht nur jede Menge Spaß, sondern trägt erheblich zur Stärkung des Selbstvertrauens und der Selbstwirksamkeit bei.“

Gefühle ausdrücken, ohne zu sprechen?

Nach einem ausgiebigen Warming Up, bei dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kennenlernten und einer Phase des Konzentrationsaufbaus, wurden die Kinder spielerisch in kleinen Übungen an die Ausdrucksmittel des Schauspielers herangeführt. So beschäftigte die Gruppe zunächst die Frage, wie man auf der Bühne die Gefühle seiner Figur nach außen darstellen kann, ohne dabei zu sprechen. Schnell fanden die wissbegierigen und aufmerksamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer heraus, dass es verschiedene Ausdrucksmittel gibt, auf die sie dabei zurückgreifen können. In dem Spiel „Magische Schwelle“ arbeiteten die Kinder dann lediglich mit ihrer Körpersprache – dem Gang, der Körperhaltung, der Gestik, der Mimik und dem Blick – um verschiedenste Gefühle auszudrücken. Dabei entstanden beeindruckende und auch berührende Bilder. Melanie Kind sowie ihre Helferinnen Ellen Wiesenäcker, Ulrike Urban und Surya Fiedler zeigten sich begeistert von der starken Ausdruckskraft und der Bereitschaft aller Anwesenden, sich auf die Übung einzulassen.
Später befasste sich die Gruppe mit der Frage, wie genau man seine Stimme abwechslungsreich und ausdrucksstark variieren kann. In Zweiergruppen experimentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Aspekten Sprechtempo, Stimmlage, Sprechpausen, Lautstärke und Betonung. Ihre Ergebnisse präsentierten sie dem Rest der Gruppe. Auch hier entstanden witzige und kreative Beiträge.

Autoren einer eigenen Geschichte werden

Der zweite Teil des Workshops forderte dann Spontanität, Kreativität und Fantasie von allen Beteiligten. Gemeinsam entwickelte die Gruppe aus dem Stehgreif eine Geschichte, die es so noch nie gegeben hatte und die es so auch nie mehr geben wird. Es war die Geschichte des Riesen Udo, der mit vielen magischen Wesen im Zauberland lebte. Auf einer offenen Bühne, die jedes Kind zu jeder Zeit betreten oder verlassen durfte, wurden Standbilder passend zur Geschichte entwickelt. Alles, was in der Geschichte vorkam, wurde dargestellt – Tiere, magische Wesen, Körperteile, Kleidungsstücke, Gegenstände, Jahreszeiten und sogar das Wetter. Doch es gab keine Kostüme, Requisiten oder andere Hilfsmittel. Alles, was die Kinder zur Verfügung hatten, waren die erlernten Ausdrucksmittel. Diese Methode sollte die Spielfreude der Kinder steigern und ihre Spontanität und Improvisationsfähigkeit fördern. Außerdem versuchte Melanie Kind damit das Verständnis der Kinder von Theater und Bühne zu erweitern. Denn Theater müsse eben nicht zwangsläufig bedeuten, dass man einen Text auswendiglernt und diesen dann wochenlang szenisch einstudiert und später aufführt. Theater könne eben auch als offene Bühne spontan, frei und in einem kollektiven Kreativprozess entstehen.

Die Stimmen der Kinder

Kleine Gruppenaufführungen bildeten den Abschluss des zweitägigen Theaterworkshops. In Kleingruppen hatten sich die Kinder kurze Abschlussszenen ihrer Geschichte ausgedacht und spontan einstudiert. Wie nach jeder dieser kleinen Aufführungen gab es von den zuschauenden Kindern lobende Worte und Verbesserungsvorschläge. Am Ende kamen noch mal alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Wort und äußerten ihre Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen:

"Hier konnte ich mal so richtig frei sein und mich ausprobieren und einfach so sein, wie ich bin - ohne Angst haben zu müssen, ausgelacht zu werden." (Sina Dickhaut, 8 Jahre)

"Ich habe wieder viel gelernt, vor allem den Blickkontakt zu halten. Das möchte ich auch bei unserem Stück DER ZAUBERER VON OZ umsetzen." (Enie Erckmann, 9 Jahre)

"Ich habe gemerkt, wie viel Spaß mir das Theaterspielen macht und hoffe, dass ich das auch in Zukunft mal wieder machen kann. Außerdem habe ich einige neue Gesichter kennengelernt." (Helen Tsolkas, 11 Jahre)

"Mir hat gut gefallen, dass wir gelernt haben, wie man Gefühle ausdrücken kann, ohne zu sprechen, also nur mit der Körpersprache, der Mimik, der Gestik und dem Blick und so." (Alicia Best, 9 Jahre)

"Ich fand den Workshop toll, vor allem als wir Wut spielen sollten. Da konnte man alles mal so richtig rauslassen." (Silas Koch, 8 Jahre)

Unser Dank gilt Melanie Kind, die den Workshop leitete, sowie Ulrike Urban, Ellen Wiesenäcker und Surya Fiedler, die ihr dabei halfen. Danke auch an alle Eltern, die die Gruppe mit Brezeln, Kuchen und Obst versorgten!


www.laienspielgruppe-leeheim.de | Facebook ("Laienspielgruppe Leeheim")
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