Staat und Scharia im Islam. Gehorsamkeit gegenüber der Landesregierung ist im Islam sehr wichtig

Das arabisch Wort Scharia kommt von Infinitiv „Schara’a“. Das Nomen „Sharia heißt „der Weg“ oder „die Lebensart“ oder einer deutlichen „Straße“.
(Arabisches Wörterbuch: „Mufradaat von Imam Raghib“.)

In der islamischen Terminologie wird unter dem Wort Scharia die gesamte islamische Lehre verstanden, denn der Islam beansprucht, die Menschen zum Ziel ihres Daseins zu führen.
Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908) der verheissene Mesias und Mahdi (der Reformer), der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat (=Gemeinde) in Islam (Gottes Frieden sei auf ihm) sagt:
„Ohne Zweifel liegt die Essenz der Scharia im Aneignen der Verhaltensweise Allahs=Gottes “. (Das Buch „Chashma-e-Masihi“. RK=Ruhani Khazain in Urdu Band 20, Seite 347)

Wie kann der Mensch die Nähe Gottes erreichen und seine Handlungsweise nachahmen?
Die Scharia umfasst zwei Aspekte des Lebens. Der Verheißene Messias und Mahdi (Frieden sei auf ihm)) sagt: „Die Scharia hat zwei große Teile: Pflichten gegenüber Allah=Gott und Pflichten gegenüber Menschen.“(Siraj-uddin Iesai kaey Char Sawalon ka Jawab“. RK Band 12, Seite 353).

Die Scharia umfasst dementsprechend einerseits die fünf Säulen des Islams, das Glaubensbekenntnis, die Gebete und die Vorschriften wie sie verrichtet werden sollen, das Fasten und die dazugehörigen Anweisungen, die Almosen, die Pilgerfahrt und die Beschreibung der Rituale, die bei der Pilgerfahrt vollführt werden.

Die islamische Scharia verbietet Lügen, fordert die Männer auf ihren Pflichten gegenüber den Ehefrauen und Kindern nachzukommen, indem sie sich ausreichend um ihr leibliches, spirituelles und intellektuelles Wohl sorgen. Die Scharia verbietet Gewalt, sei es gegenüber Frauen, Kindern, Bekannten oder gar gegenüber Fremden Wer Menschen aufgrund ihrer Religion, Abstammung oder Hautfarbe diskriminiert, handelt gegen die Scharia.

Gehorsamkeit gegenüber der Landesregierung ist im Islam sehr wichtig

Der Heilige Quran ermahnt die Muslime:

„O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und denen, die Befehlsgewalt (Minkum=) unter euch haben. (Koran Sure Al-Nisaa(4), Vers 60)

Der Verheißene Mesias (as) sagt deutlich:
„Wenn Jemand sagt, dass die Regierung in dem Wort “Minkum”=“Unter euch“ nicht inbegriffen ist, so ist dies sein offenkundiger Fehler“.
(Malfuzaat= Rede der Verheißene Messias Band. 1 Seite 171).

Der zweite Khalifa(=Nachfolger des Verheißenen Messias,) Hazrat Mirza Bashir uddin Mahmood Ahmad, (1889-1965) sagt:
„Manche Muslime verstehen unter diesem Vers irrtümlich, dass diese Anweisung nur für muslimische Regierende gilt, dass man ihnen gegenüber gehorsam seinsoll. Aber dies ist falsch und gegen die Prinzipien des Qurans. Es ist richtig, dass hier das Wort „Minkum“ i.e. unter euch, vorhanden ist. Aber „Minkum“=(unter euch) bedeutet nicht, jene, die eurer Religion angehören, sondern jene von euch, die zu Regierenden ernannt worden sind.“
(Zitat gelesen während Freitagsansprache von der 5 Khalifa(=5 Nachfolger des Verheissene Mesias), 1. April 2011, gedruckt in der Wochen Zeitung Alfazl International UK. 22. April 2011.)

Hazrat Mirza Masroor Ahmad, Khalifa tul Masih der 5 (=5 Nachfolger des Verheißene Mesias) sagte vor kurzem erläuternd zu diesem Vers (Koran Sure 4 Al-Nisa, Vers 60):
„Die Entscheidung Allahs=Gottes und seines Gesandten ist, wie ich bereits gesagt habe, dass in normalen weltlichen Angelegenheiten, wie auch immer die Umstände sind, ist der ein Gläubiger, der nicht rebelliert. Wenn man Unglauben sieht oder wenn ihr den Befehl zum Unglauben hört, dann ist man von der Gehorsamkeitspflicht entbunden, denn ein Muslim darf nichts tun, was von Unglauben zeugt. Aber selbst dann darf man nicht rebellieren.“
(Freitags Ansprache, 1. April 2011, Zeitung Alfazl International UK. 22. April 2011.)

Die Ahmadies in Pakistan praktizieren dieses Gebot trotzt der anti-ahmadischen Direktive der pakistanischen Regierung. Wir lassen uns nicht von unserem Glauben abbringen. In allen weiteren Angelegenheiten gehorchen wir aber der dortigen Regierung oder velassen wir das Land aber dürfen wir nicht rebbelen.


Staat und religiöse Freiheit im Islam

Der Islam garantiert die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit der religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses. Auch hierbei sehen wir keinen Widerspruch mit dem Heiligen Qur’an, der klar und deutlich erklärt:
„Es soll kein Zwang sein im Glauben. (Koran, Al-Baqarah, Sura=Kapitel 2 Vers 257)

Der Islam empfiehlt eine säkulare Form von Regierung und frei Wahl Regierung zu bilden. Und zwar mehr als jede andere Religion und jedes andere politische System.
Der heilige Koran sagt:
59. „Allah=Gott gebietet euch, dass ihr die Treuhandschaft39 jenen übergebt, die ihrer würdig sind; und wenn ihr40 zwischen Menschen richtet, dass ihr richtet nach Gerechtigkeit. Fürwahr, herrlich ist, wozu Allah euch ermahnt. Allah ist allhörend, allsehend.
60. O die ihr glaubt, gehorchet Allah und gehorchet dem Gesandten und denen, die Befehlsgewalt unter euch haben. Und wenn ihr in etwas uneins seid, so bringet es vor Allah und den Gesandten, so ihr an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und am Ende auch das Empfehlenswerteste.“ (Koran, Sura 4 Al Nisa, Vers 59-60)
Erklärung des Koran Verses: Diese Stelle bezieht sich auf die Regierungswahlen. Die Wähler werden aufgefordert, ohne Vorurteil an die Urne zu gehen. Die Freie Wahl heißt, dass die Bürger die Regierung selbst frei wählen dürfen und die Regierung schließlich mit Gerechtigkeit ihre Entscheidungen trifft. Die Bürger- gewählte Regierung kann sich selbst nach eigener Name nennen. Aber der Bürgerwunsch ist die Vorraussetzung.
Prophet des Islams Muhammad (Gottes Frieden sei auf Ihm) sagte: „Liebe dein Land; dies ist auch ein Teil deines Glauben“.
Die Religion Islam heißt Frieden. Islam lehrt uns dass, jeder Mensch, sei es Jude, Christ, Muslim oder anderer Religionsangehöriger sein Glauben mit Freiheit praktizieren soll. Und wenn es um etwas geht, dass dem Land und der Nation hilft, dann sollen alle zusammen arbeiten. Alle sollen mit Toleranz, Frieden, Loyalität in der Gesellschaft leben und sich untereinander verstehen. Der Prophet des Islams Muhammad (Gottes Frieden sei auf Ihm) sagte: „Liebe dein Land; dies ist auch ein Teil deines Glauben“. Für diesen Zweck versuchen wir die Ahmadiyya Muslime in dieser Region mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Z.B. veranstalten wir Fußball-Freundschaftsspiele, pflanzen Bäume als Zeichen des Friedens ein, veranstalten Frieden Konferenz und führen interkulturelle Dialoge etc.

Wir als Ahmadi Muslime, Bewohner von Deutschland glauben, dass Deutschland unser Land und unsere Heimat ist.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat =Gemeinde im Islam ist eine Reform- und friedliche Gemeinde. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat wurde von Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (1835-1908) aus Qadian, Indien, der Verheißene Mesias gegründet. Wir als Ahmadi Muslime glauben dass, Hazrat Ahmad der Verheißene Mesias ist wie „der Johannes des Täufers der Verheißene Elias war“. (Evangelium nach Mathäus Kapitel 11 Vers 13-15)

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte ich zusammenfassend betonen, dass wir als Mitglieder der Ahmadiyya Muslim Jamaat=Gemeinde hier in Deutschland uns zum Grundgesetz der Bundesrepublik bekennen und jegliche extremistische und gewalttätige Neigungen im Namen der Religion aufs Schärfste ablehnen. Erläuternd möchte ich hinzufügen, dass wir dem Staat gegenüber loyal eingestellt sind und keinen Widerspruch zwischen dem Grundgesetzt und der islamischen Scharia, so wie sie uns vom verheißene Messiahs (Friede sei auf ihn) und seinen Khalifen (= Nachfolgern) der Verheißene Mesias erklärt worden ist, sehen.
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