Die Stromlüge - Ausrede Fukushima

Berlin: R.Weber | Was hatte die Bundesregierung versprochen:Strom muss bezahlbar bleiben,auch mit der Energiewende! Diese Versprechen wurde mittlereweile mehrfach gebrochen. Die Großwirtschaft, die am meisten Strom verbrauchen,kommen sehr gut weg,weil diese Sonderrabatte erhalten.Schulteren muss es wie immer der kleine Mann.Wachtstum,und Sicherung der Arbeitsplätze werden dafür als Grund genannt.Die Schwächsten trifft es zuerst: "Anschluss gesperrt“ steht in leuchtendem Rot auf dem Stromzähler von Ingrid S.* Der Stromversorger E.on Westfalen-Weser hat der 52-Jährigen den Saft abgedreht. Für die Hartz-IV-Empängerin aus Bad Oeynhausen hat das drastische Folgen: Duschen kann sie nur noch kalt, kochen gar nicht mehr, wegen der vielen Kerzen herrscht ständig Brandgefahr. "Das Schlimmste ist die Kälte", sagt die Frau, die auch mit Strom heizt. Selbst in der zweiten Maiwoche trug sie deshalb drinnen noch ihre Winterjacke.

So wie ihr geht es hierzulande 600.000 Haushalten, schätzt die Verbraucherzentrale NRW. Wegen Stromschulden werden sie nicht mehr beliefert. Nun kann man sagen: Wer nicht zahlt, muss eben die Konsequenzen tragen. Abgeschaltet wird ja nicht ohne Grund. Und nicht sofort: "Voraussetzung dafür sind Schulden von mindestens 100 Euro sowie eine oder mehrere Mahnungen, auf die man nicht reagiert hat", sagt Peter Blenkers, Energieexperte der Verbraucherzentrale.

Beides passiert schneller, als man denkt: "Während die Kompetenz, die eigenen Finanzen zu planen, in der Bevölkerung rapide nachlässt und gleichzeitig Haushaltsbudgets immer knapper werden, explodieren die Strompreise." Womit wir beim eigentlichen Problem wären: den Stromversorgern selbst. Jahr für Jahr drehen sie an der Kostenschraube: Heute zahlt ein Dreipersonenhaushalt unglaubliche 79 Prozent mehr als im Jahr 2000. Löhne und Gehälter stiegen im selben Zeitraum aber nur um 30 Prozent. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 müssen Anbieter ihre Preiserhöhungen nicht mehr vom Staat genehmigen lassen. Das nutzen sie aus – mit recht fadenscheinigen Argumenten. "Unsere Bezugskosten sind, insbesondere durch den Atomunfall in Fukushima und die folgende Energiewende, gestiegen", schrieb etwa die Kölner Rhein- Energie ihren Kunden. Gerechtfertigt wurde so eine neunprozentige Erhöhung zum 1. April.

Blenkers widerspricht vehement: "Was derzeit in vielen Erhöhungsschreiben steht, ist objektiv falsch. Die Bezugskosten sind eindeutig nicht gestiegen. Sie sind seit 2008 sogar um die Hälfte gefallen.“ Er beruft sich auf Preise der Leipziger Strombörse EEX. Dort kaufen Versorger Strom ein, den sie dann an Kunden weiterverkaufen. Tatsächlich sind die Preise seit 2009 hier fast konstant geblieben. Auch der Fukushima-GAU vom März 2011 hatte kaum Auswirkungen. "In der grafischen Preisentwicklung war das ein Minihüpfer, der sich komplett zurückgebildet hat", so der Energiefachmann Blenkers.Und was passiert mit dem Geld, das die Firmen dank der Fukushima-Ausrede einnehmen? "Das wüssten wir ehrlich gesagt auch gern", sagt Blenkers. Vermutlich verwöhnen sie ihre Aktionäre – und sich selbst, indem sie weiter nach alter Väter Sitte wirtschaften, Luxusgehälter inklusive. An der Firmenspitze stehen oft Expolitiker, die im früheren Leben gelernt haben, jedes Problem mit Geld zu lösen. So gehen sie nun auch im Betrieb vor. Der Dumme ist der Kunde. "Mit der Energiewende lässt sich gut Kasse machen, weil jeder mit Erhöhungen rechnet", sagt Blenkers. Fest steht für ihn: Mittel- und langfristig wird der Atomausstieg die Preise sehr wohl steigen lassen. Dann sind die Mehrkosten aber reell. Und mit ihnen wird Sinnvolles finanziert: der Umbau der Stromwirtschaft.
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