Neue Frauenzeitschriften: Wie soll frau das alles lesen?

Für Frauen wird die Qual der Wahl am Zeitschriftenregal größer: Vergangene Woche ist „Closer“ gestartet und in dieser Woche die „Season“. Doch damit nicht genug: Im Sommer folgen „Couch“, „Cover“, „Flair“ und „Hot“.

Hart umkämpft ist er, der Markt der Frauenzeitschriften in Deutschland: Mehr als 30 Titel erscheinen wöchentlich, vier 14-täglich, und mehr als 50 sind Monatstitel. Was also muss eine neue Zeitschrift bringen, um heute noch die Leserinnen anzusprechen? „Wir richten uns mit ,Season‘ an Leserinnen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren möchten, und setzen gezielt auf Reduktion“, sagt Bettina Wündrich. Sie ist Chefredakteurin der Zeitschrift, künftig alle zwei Monate im Gruner+Jahr-Verlag erscheinen wird.

Besonderer Clou ist, dass all die im Heft vorgestellten Artikel über die Homepage des Magazins zu bestellen sind. Das ist praktisch, klingt aber auch nach einem etwas aufwendiger gestalteten Online-Katalog, oder? „Nein“, findet Wündrich, „denn zuerst kommt das Heft, das schöne Produkte zeigt, die von der Redaktion ausgewählt und empfohlen werden. Denn eine der wichtigsten und am häufigsten gestellten Leserinnen-Fragen ist doch ,Wo kann ich das Produkt, das mir in dem Heft so gefällt, schnell kaufen?‘. Diese wir nun zeitgemäß und befriedigend beantwortet. Und ,Season‘ ist die erste Zeitschrift, die diesen Service anbietet.“

„Season“ – auf Deutsch bedeutet das Wort Jahreszeit – passt sich mit den Themen der jeweiligen Erscheinungszeit an. Laut Wündrich könne so die „zentrale Leitfrage des Magazins“ beantwortet werden: „Was interessiert die Leserin im Erscheinungszeitraum wirklich?“

Ganz neu ist der Ansatz natürlich nicht, denn fast jede Frauenzeitschrift zeigt die aktuellen Trends für die aktuelle Zeit, also Bademode im Frühsommer, Mäntel im Herbst, die passenden Basteltipps für jede Art von saisonalem Fest und Diät-Tipps im Anschluss an die Winterzeit.

Auch die vergangene Woche im Bauer-Verlag gestartete „Closer“ bietet in ihrer ersten Ausgabe „leckere Schlank-Rezepte“. Ansonsten soll die TV-affine Frau zwischen 20 und 49 Jahren von Geschichten über national bekannte „Stars, die wirklich interessieren“ – so der Untertitel – angesprochen werden. Beispielsweise von Tine Wittler, praktischerweise gleich Ratgebertante der Zeitschrift, die von ihrer Trennung berichtet.

Auch eine Kandidatin der Fernsehsendung „Bachelor“ darf erzählen, warum sie den Junggesellen eigentlich gar nicht wollte. Damit präsentiert die Zeitschrift all die Promis, die der „Bunten“ und „Gala“ zu sehr Sternchen sind. Der Bauer-Verlag jedenfalls glaubt an den Erfolg und geht mit 400000 gedruckten Exemplaren auf den Markt.

Der Burda-Verlag hingegen hat sich etwas Zeit gelassen und erst nach zwei Testausgaben entschieden, seine auf „anspruchsvolle Frauen ab 30“ gezielte Zeitschrift „Cover“ von August dieses Jahres an monatlich erscheinen zu lassen. Das Motto des optisch sehr an die „Vogue“ erinnernden Magazins ist „Menschen, Mode, Meinungen“.

Ebenfalls im August startet der Klambt-Verlag „Flair“, das eine Mischung aus Mode- und Wohnthemen beinhaltet und sich wiederum an die Frau ab 30 wendet. Der Gedanke dahinter ist klar: Je älter die Frau, desto solventer und konsumfreudiger und desto interessanter für die Werbekunden. Doch „Flair“ sollte sich sputen, schon im Mai startet das sehr ähnlich ausgerichtete Gruner+Jahr-Produkt „Couch“.

Anders hingegen das Konzept von „Hot“. Marquard Media will mit dem Titel eine Kombination aus Magazin und Onlineplattform starten. Wann das Heft erscheint und wie genau es aussehen soll, steht noch nicht fest.

Doch bei all den Neuerscheinungen bleibt auch die Frage, wie frau das alles lesen soll? Fataler-, aber auch glücklicherweise für die Verlage neigen Frauen dazu, sich nicht auf eine einzelne Zeitschrift festzulegen. Vielleicht, weil diese mit ihren Inhalten zwischen Stars, Mode, Diät und Beziehungstipps recht austauschbar sind. Vielleicht aber auch, weil die weibliche Leserschaft gerne etwas Neues ausprobiert.

So kann sich zwar keine Zeitschrift ihrer Leserinnen wirklich sicher sein, aber dafür besteht für die Verlage auch immer wieder die Chance, mit einem neuen Produkt genug Käuferinnen zu gewinnen.

Doch nicht nur der Zeitschriftenmarkt für Frauen wächst, auch beim Teleshopping gibt es bald ein neues Angebot, das sich an sie wendet: Der Branchenprimus QVC gründet seinen mittlerweile dritten Kanal. Vom 16. März an können nach QVC und QVC plus in Deutschland die TV-Zuschauer auch in den „Genuss“ des Senders QVC Beauty kommen, teilte das in Düsseldorf ansässige Unternehmen am Dienstag mit. Parallel erscheint der Online-Auftritt QVCbeauty.de. Bei dem Sender geht es um die Themenbereiche Gesundheit, Wellness, Pflege und Styling.
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