Czerwinski macht den Lewandowski

Hand- oder Fußball? Tom Niegisch (links) und Viktoria Urberach gewannen jedenfalls bei der Turnerschaft Ober-Roden (mit Alexander Kriegsch) mit 1:0. Das Ergebnis spricht eher für ein Fußballspiel.

Rödermark – Es sollte ein fußballerischer Leckerbissen für die Fans aus der Region Rödermark werden, das Derby der Verbandsliga Süd zwischen der Turnerschaft Ober-Roden und dem FC Viktoria Urberach. Doch die knapp 200 Zuschauer, davon die Mehrzahl aus Urberach, bekamen am vergangenen Wochenende nur Schmalkost geboten. Die Partie war sehr zerfahren und bot kaum Torchancen. Jubeln durften am Ende die Urberacher, die mit 1:0 (1:0) die Oberhand behielten und ihre Chancen im Kampf um den Klassenerhalt wieder ein bisschen verbesserten.

Ober-Roden hatte gegen die defensiv eingestellten Urberacher von Beginn an mehr Ballbesitz und optische Vorteile. Torchancen sprangen dabei allerdings keine heraus. „Urberach war von Beginn an darauf aus, unser Spiel zu stören“, meinte Daniel Nister, Trainer der Turnerschaft. „Das war auch unser Plan“, sagteViktoria-Trainer Jochen Dewitz. Und den setzten die Gäste erfolgreich um.

Ein Handelfmeter bescherte den Urberachern Sekunden vor der Pause den überraschenden Führungstreffer. „Von Ober-Roden kamen keine Proteste, daher geht der Strafstoß wohl in Ordnung“, meinte Dewitz. Nister sprach von einer „schwierigen Situation“, weil Ober-Rodens Abwehrspieler Paul Wolf aus kurzer Distanz angeschossen wurde. „Das ist immer schwierig zu beurteilen, ob der Arm angelegt war oder zum Ball ging“, sagte Nister. Urberachs Patryk Czerwinski ließ sich die Chance jedenfalls nicht nehmen und traf zum 1:0. „Er hat, ganz wie Bayerns Lewandowski, den Torwart ausgeguckt und den Ball in die andere Ecke geschoben“, lobte Dewitz die guten Nerven seines Offensivspielers.

Ähnlich wie der erste Durchgang verlief auch die zweite Hälfte. Urberach konzentrierte sich auf seine Defensive, Ober-Roden mühte sich im Spiel nach vorne. Viktoria-Angreifer Tom Niegisch hatte kurz nach dem Seitenwechsel nach einem Konter die Entscheidung auf dem Fuß, konnte sich aber freistehend nicht entscheiden, ob Kopfball oder den Ball stoppen und einschieben. Also nahm er ihn halbhoch direkt und ballerte die Kugel über das Tor. „Das musste das 0:2 sein“, sagte Dewitz. In der Schlussphase erhöhte Ober-Roden den Druck, mehr als eine Chance durch Cengiz Veisoglu (76.) sprang dabei aber nicht heraus. Au der anderen Seite vergab Urberachs Julian Purcell mit einem Lattentreffer eine weitere gute Möglichkeit. „Wir haben den Kampf nicht angenommen und müssen uns an die eigene Nase fassen“, sagte Daniel Nister. „Wenn man in dieser Liga nur ein paar Prozent weniger gibt, reicht nicht zum Sieg.“

Richtig rund ging es dann nach dem Schlusspfiff. Ober-Rodens Cengiz Veisoglu fühlte sich von provoziert, griff Urberacher Kapitän Giuseppe Serra ins Gesicht und flog mit dunkelrot vom Platz. Serra, der den Ober-Röder provoziert haben soll, kam mit der Ampelkarte davon. Beide Trainer hatten die Situation nicht richtig mitbekommen. „Beide haben sich nicht vorbildlich verhalten, daran müssen wir alle arbeiten. Das gehört nicht zum Fußball“, sagte Nister.

Mit der Niederlage gegen die Urberacher war der TSO-Trainer freilich ebenso wenig zufrieden, wie mit dem Auftritt seiner Elf. Und mit den bisher erreichten zwölf Punkten? „Es war mehr möglich“, sag Nister, „aber die Stabilität, die die Mannschaft zeigt, stimmt mich zuversichtlich. Wir lassen wenige Torchancen zu. Unser Ziel bleibt weiterhin der Klassenerhalt.“

"Wir können nur Derbys und Abendspiele“, schmunzelte Jochen Dewitz bereits vor geraumer Zeit. Nach dem 2:1 gegen Germania Ober-Roden war das 1:0 bei der Turnerschaft bereits der zweite Derbyerfolg der Urberacher in der laufenden Punktspielrunde. „Seit Bad Vilbel habe ich ein gutes Gefühl“, sagt der Viktoria-Trainer auf die Entwicklung beim ehemaligen Hessenligisten angesprochen. Beim Titelaspiranten in der Wetterau hatten die Urberacher Anfang September ebenfalls mit 1:0 gewonnen. „Außer die 35 Minuten gegen Hanau, die waren ein Rückschritt“, sagt Dewitz. Beim FC Hanau 93 hatten die Urberacher 55 Minuten lang gut gespielt, führten sogar mit 1:0, gingen dann aber noch mit 1:5 unter. Dabei sollte die Mannschaft wissen, „dass wir mit der nötigen Laufbereitschaft und dem nötigen Willen gegen jeden Gegner gewinnen können“, erklärt der Viktoria-Trainer. In Ober-Roden klappte das aber ja schon wieder sehr gut.
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