"Die Stimmung war unglaublich"

High Five. Die jungen Zuschauer am Straßenrand klatschen mit Begeisterung die Läufer auf ihrem Weg durch Frankfurt ab.

Rodgau/Rödermark - Rennleiter Jo Schindler war mehr als zufrieden: „Das war ein Traumtag“, strahlte er am Sonntag nach dem 35. Frankfurt-Marathon, dem ältesten Städtemarathon in Deutschland, bei dem knapp 16000 Teilnehmer auf die 42,195 Kilometer lange Strecke gegangen waren. Ein Traum erfüllte sich auch für Fate Tola. Die 29 Jahre alte gebürtige Äthiopierin, die seit 2016 in Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft ist und für die LG Braunschweig startet, belegte in 2:25:42 Stunden als zweitschnellste Frau mit nur 15 Sekunden Rückstand nicht nur den zweiten Platz hinter Siegerin Mamitu Daska (Äthiopien), sondern sicherte sich auch den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, die in den Frankfurter Lauf integriert war.

Dominiert wurde der Marathon in der Mainmetropole wieder von den Afrikanern. Bei den Männern wurde der Kenianer Mark Korir in 2:06:48 Stunden seiner Favoritenrolle gerecht und gewann das Rennen vor zwei seiner Landsleuten. Deutsche Läufer waren dagegen nicht in der Spitzengruppe vertreten. Den nationalen Titel sicherte sich Marcus Schöfisch vom SC DHfK Leipzig in 2:20:08 Stunden. In der Gesamtwertung belegte er damit den 16. Platz.

Ein Traumtag war der Renntag auch aufgrund der äußern Bedingungen. Bis zum Start hatte sich der Nebel verzogen, 15 Grad Celsius und strahlend blauer Himmel sorgten Ende Oktober für mehr als angenehme Laufbedingungen. An der Strecke feuerten tausende begeisterte Zuschauer die Läufer an, hatten Stühle und Sofas entlang der Laufstrecke aufgebaut und genossen ihren Kaffee, während sie den vorbeilaufenden Marathon-Teilnehmern winkten und mit kleinen Trillerpfeifen den Geräuschpegel nach oben trieben. Musikkapellen entlang der Strecke machten den Läufern mit flotten Klängen sprichwörtlich Beine. Auch aus der Region waren viele Läufer am Start. MEIN SÜDHESSEN sprach mit einigen von ihnen.

Auf einen ganz besonderen Lauf blickt Thomas Hesse (59) aus Urberach zurück: Der Lauftreff-Leiter der Turnerschaft Ober-Roden startete zum zehnten Mal in Frankfurt – und erreichte zum zehnten Mal das Ziel. Damit ist er nun offizielles Mitglied im Frankfurt-Marathon-Club und durfte sich eine ewige Startnummer aussuchen. Thomas Hesse entschied sich für die 913. Die war zum einen frei, zum anderen kann er zu dieser Nummer einen Bezug herstellen: „Wir sind ja eine Fußballer-Familie. Ich hatte früher die Nummer neun, meine Söhne tragen jeweils die Nummer 13“, berichtet er. Und weiter: „Das Wetter war super, die Bedingungen ideal, mittags hat man sogar den Schatten gesucht. Die Stimmung war unglaublich, gerade wenn man wieder in die Stadt kommt. Nach zehn Teilnahmen kenne ich hier jeden Meter, dennoch ist es immer wieder etwas ganz Besonderes.“

Thomas Hesse schaute in diesem Jahr nicht auf seine Zeit – mit gutem Grund: „Ich spiele noch in der AH-Mannschaft der Turnerschaft Fußball und hatte nach einem Muskelfaserriss vier Wochen nicht trainiert.“ Die benötigten 4:29 Stunden „sind für meine Verhältnisse eine schlechte Zeit. Aber dieses Mal zählte nur das Ankommen“, sagt er. Allerdings war der Urberacher nicht alleine unterwegs – Tochter Lisa war ebenfalls mit dabei. Die 23-Jährige war im Mai diesen Jahres beim „Knast-Marathon“ in Darmstadt-Eberstadt das erste Mal über diese Distanz gestartet, Frankfurt war ihr zweiter Marathon. Vor zwei Jahren war Lisa Hesse – am Vortag des Laufes in Frankfurt war sie noch für die Fußballerinnen der Turnerschaft in der Kreisoberliga Darmstadt aktiv – schon einmal in der Mainmetropole am Start, seinerzeit allerdings in der Staffel. Heuer überquerte sie nach 4:15 Stunden die Ziellinie. Der Lauftreff der Turnerschaft ist übrigens immer auf der Suche nach weiteren Mitläufern. Gelaufen wird sonntags ab 10 Uhr.

Immer wieder beeindruckt von Frankfurt ist auch Andreas Stüker aus Jügesheim. „Die Stimmung ist super. Wir sind erst nach 13 Kilometern aus Frankfurt herausgelaufen, da waren überall sehr viele Zuschauer, da machte das Laufen sehr viel Spaß. Und das Wetter war natürlich auch bombig.“ Der Ultraläufer startete das vierte Mal in Frankfurt und meinte: „Ich hatte mir nach fünfmonatiger Marathon-Pause eine Zeit von 3:30 Stunden zum Ziel gesetzt.“ Nach 3:29:44 Stunden war er im Ziel, erfüllte die eigene Vorgabe damit auf den Punkt. „Wenn man die Stimmung bei der Zielankunft in der Festhalle einmal erlebt hat, vergisst man das nie mehr. Und für das nächste Jahr habe ich mich auch schon angemeldet“, erklärt Stüker.

Andreas Breidenstein (44) wohnt in Weiskirchen, startet aber für den EOSC Offenbach, für den er auch schwimmt. „Es war hart, aber gut. Heute bin ich wieder glücklich und stolz“, sagte er am Montag, einen Tag nach dem Wettkampf. Unmittelbar nach dem Rennen hatte sich das noch etwas anders angehört: „Am Sonntag war ich platt.“ Für Breidenstein war Frankfurt seine Marathonpremiere. Nach gutem Start „kam bei Kilometer 30 der Hammer, meine Kräfte schwanden, der Rest war eine Sache des Willens“, sagt er. Ursprünglich hatte er sich eine Zeit von 4:30 zum Ziel gesetzt und war etwa bis Kilometer 23 auch voll im Plan. Nach der kräftezehrenden zweiten Hälfte des Laufes blieb der Weiskircher in 4:59:11 Stunden aber noch unter der Fünf-Stunden-Marke. Und ärgerte sich 24 Stunden später schon über die Zeit: „Da geht noch mehr, ich habe den Ehrgeiz diese Zeit zu toppen“, will Breidenstein durchaus ein weiteres Mal die Marathonstrecke in Angriff nehmen. Sein Respekt vor den Ironmännern ist auf jeden Fall gestiegen: „Ein Marathon ist schon eine Herausforderung. Und wenn ich überlege, was die davor noch leisten...“ Schwimmer Breidenstein intensivierte vor etwa vier Jahren das Laufen, startete beim Triathlon auch schon über die Olympische Distanz. Beim Frankfurt-Marathon war er 2015 als Staffelläufer dabei.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.