„Frankfurt ist mein Lieblingsmarathon"

High Five. Überall entlang der Strecke werden die Teilnehmer am Frankfurt-Marathon von den Zuschauern und Fans angefeuert - und abgeklatscht. Am Sonntag, 29. Oktober, fällt um 10 Uhr auf der Friedrich-Ebert-Anlage wieder der Startschuss für den Lauf-Klassiker.

Offenbach - Es ist der wahrscheinlich stimmungsvollste Marathon-Zieleinlauf der Welt. Ob Drei- oder Sechs-Stunden-Läufer: Im Scheinwerferlicht auf dem roten Teppich unter großem Jubel vor den voll besetzten Rängen in der Frankfurter Festhalle die Ziellinie zu überqueren, ist für jeden Marathonläufer ein Traum. Doch der finale Höhepunkt nach 42,195 Kilometern ist nicht der einzige Grund für die Beliebtheit des Mainova Frankfurt Marathon. Die abwechslungsreiche Strecke, das flache Profil, die Atmosphäre durch rund 500.000 Zuschauer am Straßenrand, die perfekte Organisation – allein im Vorjahr bewegte der Laufklassiker am Main über 27.000 Läufer zur Teilnahme. Am Sonntag, 29. Oktober, fällt um 10 Uhr auf der Friedrich-Ebert-Anlage wieder der Startschuss für den Lauf-Klassiker.

Die drittschnellste Marathonstrecke der Welt weist einen Gesamthöhenunterschied von lediglich 27,8 Metern auf. Der Kenianer Wilson Kipsang hält seit 2001 in 2:03:42 Stunden den Streckenrekord. Auch der deutsche Topathlet Arne Gabius machte sich die flache Frankfurter Strecke zu Nutze. Gabius kam 2015 nach 2:08:33 Stunden als Deutscher Meister ins Ziel und stellte damit einen neuen deutschen Rekord auf. Auch für Breitensportler ist der Mainova Frankfurt Marathon ein gutes Pflaster. Laut einer Auswertung des Anbieters marathon-ergebnis.de ist der Laufklassiker am Main unter den fünf größten deutschen Marathons mit erheblichem Vorsprung der schnellste. In Frankfurt kommen die Teilnehmer im Schnitt nach 3:57:56 Stunden ins Ziel. Die Endzeit ist aber nicht immer das Wichtigste. Für viele Teilnehmer steht die Teilnahme und das Ereignis selbst im Mittelpunkt. MEIN SÜDHESSEN hat sich im Vorfeld des Marathons einmal bei einigen Teilnehmern aus der Region umgehört.

Marita Hermes (62) vom Rodgau Lauftreff (RLT) ist schon über ein halbes Dutzend Mal in Frankfurt gestartet und „knapp 20 Mal bei einem Marathon insgesamt“, berichtet die Weiskircherin, die ursprünglich aus Wuppertal stammt. Ihre Mutter Christel Vollmershausen war eine sehr bekannte Läuferin, die noch heute in der Halbmarathon-Bestenliste geführt wird. Daher war Marita Hermes – was das Laufen angeht – schon immer „familiär vorbelastet“, schmunzelt sie. Erst nachdem ihre Kinder erwachsen waren, „wurde das Laufen leistungsmäßiger und intensiver“, berichtet sie. 2002 lief Marita Hermes in Frankfurt erstmals einen Marathon. „Laufen ist für mich Stressabbau, denn ich bin berufsmäßig sehr engagiert“, sagt sie, „außerdem will ich fit bleiben und die Figur halten.“ In Frankfurt will Marita Hermes entspannt laufen und die Atmosphäre genießen. „Frankfurt ist mein Lieblingsmarathon. Von der Organisation her ist er der beste und die Stimmung ist grandios“, sagt sie. Besser als in Berlin oder Hamburg.

Timo Neuber (45) wohnt in Lämmerspiel und spielt von Kindesbeinen an für die TG Lämmerspiel Tischtennis. Mit dem Laufen fing er erst nach seinem 30. Geburtstag an. „Viele meiner Freunde sind gelaufen, auch meine heutige Frau Tina“, berichtet er. Damals waren Strecken bis zehn Kilometer allerdings das Maximum. Nach einer Wette mit dem Vater seiner damaligen Freundin war es aber soweit: Neuber meldete sich 2002 zum Marathon in seiner damaligen Heimatstadt Köln an. Gestartet ist er mittlerweile auch schon in Berlin („Den muss man mal gemacht haben. Da sind die meisten Zuschauer und es herrscht die beste Stimmung“). Ob der Lämmerspieler am Sonntag erneut in Frankfurt startet, war unter der Woche aber noch nicht entschieden. „Nach einem längeren Lauf vor zwei Wochen hatte ich starke Knieschmerzen“, erklärt Timo Neuber. Die hielten auch unter der Woche noch an. „Seitdem bin ich nicht mehr gelaufen, ich hoffe, dass ich am Sonntag schmerzfrei laufen kann. Es wäre schon sehr frustrierend, wenn ich nach drei-, viermonatiger Vorbereitung nicht starten könnte.“

Christine Wenzel (44) wohnt in Offenbach-Bürgel und wird damit quasi schon zum Laufen gezwungen. Denn: „Am Mainufer entlang lässt es sich wunderbar laufen“, sagt sie. Egal ob in Richtung Mühlheim oder Frankfurt. Früher turnte sie, spielte Tennis und Volleyball. Aus beruflichen und familiären Gründen fehlte ihr dann aber die Zeit für die regelmäßige Teilnahme am Volleyball-Training. Das Laufen bot sich als beste Alternative an. „Denn die Laufschuhe kann man immer dabei haben, Laufen ist überall möglich“, erklärt Christine Wenzel. Angefangen hat sie allerdings in Turnschuhen – und mit kleinen Distanzen. „Angefangen habe ich vor 20 Jahren und habe mich dann sehr langsam gesteigert“, berichtet sie. Bei einem Trainingslauf bemerkte Christine Wenzel dann vor lauter Quatschen nicht, dass sie satte 15 Kilometer gelaufen war. Folglich meldete sich sich gemeinsam mit ihrem laufbegeisterten Mann Klaus Hirschfeld zu einem Halbmarathon an. „Und wenn man das einmal gemacht hat, hat man Blut gelegt“, schmunzelt sie. Irgendwann folgten die 25 Kilometer – und 2011 in Düsseldorf der erste Marathon. Am Sonntag startet Christine Wenzel zum dritten Mal in Frankfurt. Ein Marathon im Jahr, mehr ist aus zeitlichen Gründen für sie nicht möglich. „Ich hoffe, dass die Sonne scheint. Dann macht es mehr Spaß, dann fällt vieles leichter“, blickt sie voraus. „Hauptsache, es ist trocken.“ Zweimal hatte sich die Offenbacherin in der Vergangenheit in Frankfurt eine Zeit unter vier Stunden zum Ziel gesetzt. „Zweimal hat es nicht geklappt. Dieses Mal werde ich es nicht so verbissen angehen. Ich habe gut trainiert, fühle mich fit und möchte einfach einen schönen Lauf haben. Schließlich bin ich nur eine Freizeitläuferin.“

Wolfgang Klein (52) aus Mühlheim ist zwar schon einige Male den Marathon in Frankfurt gelaufen, ein Start für 2017 war aber gar nicht geplant. „Dann aber hat mir jemand aus der Nachbarschaft erzählt, dass er das erste Mal in Frankfurt starten will“, schmunzelt Klein. Der Nachbar, der ist Mio Herbert. Und damit die langen Trainingsläufe nicht so einsam werden, „habe ich angeboten, ihn im Training zu begleiten“, erklärt Wolfgang Klein. Gesagt, getan. Und vor drei Wochen fasste Klein den Entschluss, seinen Nachbarn zu unterstützen – und meldete sich ebenfalls für den Frankfurt-Marathon an. „Was die Zeit angeht, habe ich keine großen Ansprüche, ich will meinen Nachbarn einfach bis ins Ziel begleiten“, blickt Klein voraus. Angefangen hat er in seiner Kindheit übrigens mit Handball, in Frankfurt startet er für den Radfahrclub Adler Mühlheim. Und wie kam er zum Laufen? „Vor 20 Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Und der Teer musste aus der Lunge.“ Radfahren, Laufen, da fehlt doch noch etwas? „Ein bisschen Triathlon habe ich in den vergangenen zehn, zwölf Jahren auch gemacht“, lacht Klein, der für Sonntag einen Wunsch hat: „Hauptsache, es ist trocken. Wind ist zwar auch nicht schön, doch damit kann man sich arrangieren.“

Im vergangenen Jahr startete Thomas Hesse (60), Lauftreff-Leiter der Turnerschaft Ober-Roden, erstmals gemeinsam mit seiner Tochter Lisa (24) in Frankfurt. Heuer schickt er sie alleine los – zumindest auf die 42,195 Kilometer. „Ich begleite zwei Mitglieder aus unserem Lauftreff“, erklärt Thomas Hesse. Zum einen in Manfred Schäfer einen ganz erfahrenen Läufer, zum anderen Stefan Röhrig, der nach einer Pause vor drei Jahren wieder mit dem Laufen begonnen hat. „Wir haben uns eine Zeit von 3:59 zum Ziel gesetzt. Darauf haben wir hin gearbeitet, das schaffen wir auch“, blickt Thomas Hesse voraus. „Für unseren Lauftreff ist es ein toller Erfolg, dass er in Frankfurt mit drei Startern vertreten ist“, sagt er. Und im Zielbereich in der Frankfurter Festhalle trifft das Trio auch wieder auf Tochter Lisa Hesse. Die absolviert in Frankfurt derzeit ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin, hat damit quasi ein Heimspiel.

Auch Teilnehmer des Bieberer Lauftreffs Nowalala Sports Offenbach sowie viele Kunden des Nowalala Laufsportladens aus Bieber gehen ebenfalls in Frankfurt auf die Strecke. Der Lauftreff hat rund 40 Mitglieder, „aber die Läufer sind schon oft in Frankfurt gestartet und wollen auch einmal andere Städte sehen“, nennt Inhaberin Sabine Hill den Grund, warum nur fünf Lauftreff-Mitglieder für Frankfurt gemeldet haben. Zu den Kunden des Laufsportladens, die in der Mainmetropole starten, gehören unter anderem Anja Blam aus Lämmerspiel, Sven Kempe, Vorsitzender des Rodgau Lauftreffs, oder Markus Eitel aus Offenbach, der ebenfalls für den RLT startet. Ein großer Fanclub aus dem Lauftreff fährt mit dem Fahrrad an die Strecke und feuert seine Teilnehmer kräftig an. Sabine Hill gibt den Startern während der Vorbereitung wichtige Tipps wie die richtige Wahl der Kleidung („Nicht zu warm und nicht zu kalt“, „Sportkompressionsstrümpfe tun gut“) oder Ernährung („Welche und wie viele Gels und Riegel benötigt man während des Marathons?“). Man sieht: Die Teilnehmer aus der Region sind bestens für den Start in der Mainmetropole vorbereitet.
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